Hirnstimulation hilft Patienten, leichter in Bewegung zu kommen29. Oktober 2019 Eine Patientin bei der TMS-Behandlung (Foto: Verena Müller) Seit 2018 gibt es am Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung eine Ambulanz für Transkranielle Magnetstimulation (TMS), an der Patienten nach einem Schlaganfall durch gezielte Stimulation des Gehirns behandelt werden. Anlässlich des Welt-Schlaganfall-Tages erklärt Dr. Christoph Zrenner neue Therapieansätze bei Schlaganfall-Patienten. Jedes Jahr erleiden 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, und noch immer ist der plötzliche Hirnschlag der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter. Trotz verbesserter Therapien liegt die Erkrankung auf Platz drei der häufigsten Todesursachen. Um das öffentliche Bewusstsein für den Hirninfarkt zu schärfen und über Prävention und Therapien aufzuklären, wurde 2006 der Welt-Schlaganfalltag ins Leben gerufen. „Ein Gehirn, das durch einen Schlaganfall geschädigt wurde, muss in Physiotherapie oder Logopädie durch wiederholtes Üben lernen, sich neu zu organisieren. Darauf ist das Gehirn eines älteren Menschen aber nicht vorbereitet. Durch die TMS aktivieren wir das Gehirn des Patienten und bringen es in einen Zustand, der es ihm erleichtert, neue Netzwerke zu bilden, um die wichtigen Übungen leichter umzusetzen“, erklärt Dr. Christoph Zrenner, Neurologe und Laborleiter am HIH. Direkt im Anschluss der TMS-Sitzung findet dann die Physiotherapie oder Logopädie statt. „In der Regel spricht das Gehirn über einen Zeitraum von einer Stunde besser auf diese Übungen an“, sagt Zrenner. Am HIH arbeitet die Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen unter der Leitung von Prof. Ulf Ziemann seit Jahren erfolgreich mit der TMS, sodass 2018 eine eigene Ambulanz gegründet wurde. Neue Forschungsprojekte zur Schlaganfall-Therapie am HIH „Vor allem Patientinnen und Patienten mit Lähmungen im Hand-Arm-Bereich und mit Sprachstörungen profitieren durch die TMS-Behandlung, zu ihnen gibt es die meisten Studien“, erklärt Zrenner, „aber auch Beinstörungen können behandelt werden.“ Neu ist die TMS-Therapie als solche nicht, seit mehr als 25 Jahren werden Menschen mit Depressionen oder nach einem Schlaganfall mit Hilfe der TMS behandelt. „Uns treibt die Frage an, wann und wie die Stimulation des Hirns durch die gesetzten Pulse genau stattfinden sollte, um für die Betroffenen das beste Ergebnis zu erreichen“, sagt Zrenner, „es geht also um eine Personalisierung der Behandlung, denn bisher nutzen wir außerhalb der Studien nur Standardprotokolle.“ Die optimale individuelle Therapie für Menschen nach einem Schlaganfall zu entwickeln, ist in der Abteilung von Ziemann ein wichtiges Anliegen. So arbeitet der Neurologe mit seinem Team im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes „ConnectToBrain“ an einem TMS-Helm, der jeden Bereich der Großhirnrinde stimulieren kann. Erste Tests mit Versuchspersonen sind angelaufen, in etwas fünf bis sechs Jahren könnte das Gerät so weit ausgereift seien, dass mit der kommerziellen Herstellung begonnen werden kann. Das wäre dann ein weiterer Schritt, um die personalisierte TMS-Therapie auf den Weg zu bringen. Mit virtueller Realität das Gehirn trainieren Das Forschungsprojekt „Rehality“, das im Mai dieses Jahres am HIH gestartet ist, will gelähmte Schlaganfallpatienten mit Hilfe von virtueller Realität (VR) unterstützen. Über eine VR-Brille nimmt der Betroffene Bewegungsabläufe wahr, die sein Gehirn anregen sollen, sich umzustrukturieren und neue Aktivitätsmuster zu trainieren. Die „Rehality“-Therapie soll langfristig die Versorgungslücke zwischen stationärer Akutbehandlung, Rehabilitation und häuslicher Therapie schließen. Mit der Marktreife der VR-Brille ist in ein paar Jahren zu rechnen.
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