Hirnströme zeigen die Wirkung von Anti-Alkoholkampagnen11. Februar 2025 Kabellose EEG-Hauben, wie sie in der aktuellen Studie verwendet wurden, werden am Fachbereich Psychologie der Universität Konstanz auch in der Lehre genutzt. Hier probiert eine Studentin ein klassisches EEG-Experiment (Oddball) aus. (Quelle: © Karl-Philipp Maria Flösch) Um die Wirksamkeit öffentlicher Videokampagnen gegen riskanten Alkoholkonsum zu bewerten, untersuchten Psychologen des Konstanzer Exzellenzclusters „Kollektives Verhalten“ mittels EEG-Messungen die Synchronisierung der Hirnaktivitäten von Zuschauergruppen. In einer aktuellen Studie zeigen sie neue Wege auf, die Methode in die reale Anwendung im öffentlichen Gesundheitsbereich zu bringen. Breit gestreute Gesundheitskampagnen, beispielsweise gegen Drogenmissbrauch oder zum Infektionsschutz während der Corona-Pandemie, sind ein wichtiges Instrument der Öffentlichen Gesundheitspflege (Public Health) und damit zum Schutz der Bevölkerung. Erst im Oktober 2024 startete beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter dem Motto „Neudefinition von Alkohol“ eine europaweite Kampagne zur Aufklärung der europäischen Bürger*innen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkoholkonsum. Laut WHO ist Alkohol aktuell für ein Elftel aller Todesfälle in der Europäischen Region direkt verantwortlich. Doch nicht alle Gesundheitskampagnen zeigen die gewünschte Wirkung. Es wäre daher erstrebenswert, schon bei der Kampagnenentwicklung ein objektives Maß für die Effizienz gesundheitsrelevanter Botschaften zu haben. Psycholog*innen des Konstanzer Exzellenzclusters „Kollektives Verhalten“ um Harald Schupp und Britta Renner messen hierfür in ihren Studien die Hirnaktivität von Zuschauer*innen, denen reale Präventionsvideos gegen riskanten Alkoholkonsum vorgespielt werden. Bereits in der Vergangenheit konnten sie in Laborexperimenten mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) oder Elektroenzephalografie (EEG) zeigen: Bei besonders wirksamen Botschaften kommt es zu einer starken Synchronisation der Hirnaktivität der Zuschauer. Die Aktivität verändert sich also beim Schauen des Videos bei allen Probanden auf ähnliche Weise, insbesondere in den Hirnregionen, die mit Prozessen höherer Ordnung wie Aufmerksamkeit, Emotionen und persönlicher Relevanz verbunden sind. Vom Labor in die reale Anwendung In einer aktuellen Studie nutzten die Konstanzer Forschenden nun erstmals einfachere, tragbare EEGs, welche die Messungen kabellos übertragen. Sie beobachteten die Hirnströme der Zuschauer damit außerhalb des Labors und bei einer ganzen Gruppe von Zuschauern gleichzeitig. Sie konnten zeigen, dass die Synchronisierung der Hirnströme bei besonders effektiven Videobotschaften gegen riskanten Alkoholkonsum auch unter diesen „Realbedingungen“ und mit dem vereinfachten, kostengünstigeren technischen Aufwand messbar ist. „Das ist ein wichtiger Schritt, um die Methode näher an die praktische Anwendung im öffentlichen Gesundheitsbereich zu bringen. EEG-Studien in kleinen ‚neuronalen‘ Fokusgruppen könnten in Zukunft außerhalb von Universitätslaboren bei der evidenzbasierten Entwicklung und Auswahl von Kampagnenmaterial helfen, um eine bessere Wirkung von Gesundheitskampagnen zu gewährleisten“, erklärt Schupp.
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