Cochrane Review: Wie lassen sich Kinder und Jugendliche vom Vapen abhalten?29. Juli 2026 Foto: © Halfpoint – stock.adobe.com Regelmäßige individualisierte Textnachrichten aufs Handy – etwa zu den Risiken des Vapens – können Jugendliche möglicherweise dazu motivieren, den Konsum von E-Zigaretten zu beenden. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktualisierter Cochrane Review. Die Aerosole von E-Zigaretten enthalten toxische Stoffe wie Formaldehyd, Acrolein und Acrylamid sowie Schwermetalle wie Chrom, Blei und Nickel. Zudem sind einige der verwendeten Aromen beim Einatmen toxisch. Dennoch haben laut dem aktuellen Tabakatlas der Deutschen Krebshilfe und des Deutschen Krebsforschungszentrums im Jahr 2023 19,3 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen in ihrem Leben schon einmal gevapet – und fast acht Prozent hatten in den letzten 30 Tagen eine E-Zigarette konsumiert. Um herauszufinden, wie man Jugendliche dazu bringt, erst gar nicht zur E-Zigarette zu greifen bzw. den Konsum wieder zu beenden, haben Forschende um Courtney Barnes von der University of Newcastle in Australien drei randomisiert kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt gut 10.000 Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren in ihre als „Living Systematic Review“ angelegte Übersichtsarbeit eingeschlossen. Eine der drei Studien mit 1064 Teilnehmenden in den USA prüfte die Wirksamkeit eines speziellen Angebots, das Jugendlichen helfen sollte, mit dem Vapen wieder aufzuhören. Dabei bekamen die Jugendlichen bis zu 14 Wochen lang individualisierte Textnachrichten auf das Handy geschickt. Darin ging es beispielsweise um Hinweise zur Nikotinersatztherapie und Unterstützung bei seelischen Belastungen. Die Jugendlichen in der Kontrollgruppe bekamen nur einmal pro Monat Textnachrichten, in denen sie gebeten wurden, ihren E-Zigaretten-Konsum zu berichten bzw. standen ohne Intervention auf einer Warteliste für die Studienteilnahme.Nach sieben Monaten berichteten noch 45 Prozent der Jugendlichen, die regelmäßig Textnachrichten bekamen, weiterhin zu vapen. In der Vergleichs- bzw. Wartelistenkontrollgruppe waren es knapp 62 Prozent. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz bewerteten die Autoren als moderat. Schulische Präventionsprogramme noch wenig erforscht Bei den beiden anderen in den Review eingeschlossenen Studien mit insgesamt 8830 Teilnehmenden ging es nicht um Hilfen zum Ausstieg aus dem Vapen, sondern um spezielle schulische Präventionsprogramme: Die jugendlichen Teilnehmenden einer Studie in Schweden vereinbarten schriftlich mit einem Erwachsenen, nicht mit dem Rauchen bzw. dem Dampfen anzufangen. Zudem nahmen sie im ersten Jahr der Studie ebenso wie ihre Eltern an einer Info-Veranstaltung zum Thema teil. Um die Jugendlichen für die Teilnahme zu motivieren, gab es Belohnungen, beispielsweise Gutscheine für Freizeitaktivitäten. Drei Jahre lang bekamen sie außerdem jeweils an vier Terminen im Unterricht altersgerechte Informationen zu Vapes und herkömmlichen Zigaretten vermittelt. Auch die Jugendlichen in der Vergleichsgruppe nahmen an diesen Unterrichtseinheiten teil, die anderen Maßnahmen gab es für sie aber nicht. Bei der zweiten Studie bekamen Jugendliche in Australien vier Unterrichtseinheiten zu E-Zigaretten und Tabak. Dabei wurden ihnen unter anderem Strategien vermittelt, wie sie eine angebotene E-Zigarette selbstbewusst ablehnen. Die Vergleichsgruppe erhielt den üblichen Gesundheitsunterricht, in dem E-Zigaretten und Tabak an vielen Schulen ebenfalls behandelt wurden. Es handelte sich um ein kurzes Vier-Wochen-Programm mit späterer Nachbeobachtung über ein Jahr. In der gepoolten Auswertung der beiden Studien zeigt sich: Innerhalb von einem bis anderthalb Jahren probierten 30,7 Prozent der Jugendlichen, die an einem schulischen Präventionsprogramm teilnahmen, E-Zigaretten aus. Ohne spezielles schulisches Präventionsprogramm waren es 32,6 Prozent. Die Autoren des Reviews bewerten die Vertrauenswürdigkeit dieses Ergebnisses allerdings als sehr niedrig. Das hängt damit zusammen, dass die beiden Studien methodische Einschränkungen aufwiesen, ihre Ergebnisse sich nur eingeschränkt auf andere Programme übertragen lassen und die Ergebnisse zu ungenau waren, um die Größe des möglichen Effekts verlässlich einzuschätzen. Deshalb lässt sich bisher nicht zuverlässig sagen, ob diese speziellen schulischen Präventionsprogramme junge Menschen davon abhalten, zu E-Zigaretten zu greifen.Keine der drei Studien lieferte belastbare Daten dazu, ob die untersuchten Programme unerwünschte Effekte auf Jugendliche oder auf die durchführenden Organisationen hatten. Evidenzgrundlage wird sich bald bessern „Angesichts der bereits bekannten Gesundheitsrisiken, die vom Vapen ausgehen, und mit Blick auf die ungeklärte Toxizität etlicher Aerosolbestandteile muss ich sagen: Dieser Review widmet sich einer wirklich wichtigen und aktuellen Frage der Kinder- und Jugendgesundheit“, betont Prof. Jörg Meerpohl, wissenschaftlicher Direktor von Cochrane Deutschland und Kinderarzt, der selbst nicht an der Erstellung der Übersichtsarbeit beteiligt war. „Allerdings ist die Evidenzbasis des Reviews mit nur drei eingeschlossenen randomisiert kontrollierten Studien im Moment leider noch sehr begrenzt. Die Autoren betonen das selbst – und ich schließe mich ihrer Einschätzung an: Wir sollten die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit darum entsprechend vorsichtig interpretieren.“ Für belastbare Aussagen brauche es weitere Forschungsergebnisse, so Meerpohl. „Aber die gute Nachricht ist: Es laufen im Moment bereits 30 weitere Studien, die sich damit beschäftigen, wie man Kinder und Jugendliche vom Vapen abhalten kann. Zudem haben die Review-Autoren fünf schon veröffentlichte Studien gefunden und prüfen sie gerade. Sie könnten in ein nächstes Update dieses Living Systematic Reviews einfließen. Sprich: Die Evidenzgrundlage dürfte sich in nicht allzu ferner Zukunft weiter verbessern – und wir bekommen dann wahrscheinlich mehr Gewissheit bei dieser wichtigen Frage.“
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