Hirntumorzellen angreifbar machen25. Juli 2023 Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme von eingefärbten Gewebeschnitten (Maus). Links: Fresszellen (grün) im normalen Gehirn. Rechts: Fresszellen (grün), die einen Tumor (rot) angreifen. (Bild: Dr. Marie-Françoise Ritz, Universität Basel, Department Biomedizin, und Nicoletta Ferrari, LMU Universitätsklinikum, LMU München) Glioblastome gehören zu den aggressivsten Hirntumoren. Selbst Immuntherapien, die bei anderen Krebsarten Erfolge zeigen, scheinen hier machtlos. Forschende der Universität und des Universitätsspitals Basel beschreiben nun, wie man die Chancen des Immunsystems gegen diesen Typ Tumor verbessern könnte. „Friss mich nicht!“ So könnte man das Signal übersetzen, das Krebszellen eines Glioblastoms an Immun-Fresszellen im Gehirn senden. Immunzellen, die man im Zuge von Immuntherapien eigentlich dazu befähigen möchte, die entarteten Zellen auszumerzen. Bisher sind solche Therapien beim Glioblastom allerdings kaum erfolgreich. Forschende um Prof. Gregor Hutter vom Departement Biomedizin der Universität und des Universitätsspitals Basel haben anhand von Patientendaten, Versuchen mit Mäusen und menschlichen Tumorproben eines dieser „Friss mich nicht!“-Signale und dessen Hemmung untersucht. Ihre Ergebnisse könnten den Weg für wirksame Immuntherapien gegen Glioblastome ebnen. Das Signal beruht auf Zuckermolekülen – namens Sialinsäure-Glykanen – auf der Oberfläche der Krebszellen. Diese Zuckermoleküle werden wiederum von Rezeptoren auf der Oberfläche der Makrophagen des Gehirns erkannt und als „Friss mich nicht!“ übersetzt. Tragen die Makrophagen von Patienten besonders viele dieser Rezeptoren (Siglec9), hängt dies mit einer schlechteren Überlebensrate zusammen, berichten die Studienautoren um Hutter. Den Empfänger ausschalten Entfernten die Forschenden bei Versuchsmäusen mit einem genetischen Trick Siglec9 aus den Hirn-Makrophagen, wuchsen Hirntumore bei den Tieren deutlich langsamer. Ein Hinweis darauf, dass die Fresszellen das Glioblastom teilweise in Schach halten konnten. Denselben Effekt sahen die Forschenden auch, wenn sie Tumorzellen implantierten, welche keine Zuckermoleküle auf der Oberfläche hatten. Dies bestätigte sich auch bei Versuchen mit chirurgisch entferntem Hirngewebe von Glioblastom-Patienten, das die Forschenden im Labor kultivierten. Gaben sie einen Antikörper zum Kulturmedium, der den Empfänger Siglec9 blockierte, konnten sie eine Aktivierung der im Tumor und direkt benachbarten Gewebe vorhandenen Immunzellen feststellen. „Zusammengenommen weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Sialinsäure-Siglec-Achse ein vielversprechender Angriffspunkt sein könnte“, erklärte Hutter. Könnte man den Empfänger der Makrophagen bei Patienten mit Antikörpern ausschalten, könnten bestehende Immuntherapien womöglich auch bei Glioblastomen ihre volle Wirkung entfalten. Ob eine lokale Gabe von Antikörpern gegen den Empfänger im Gehirn möglich ist und ob dies die gewünschte Wirkung bringt, soll in einem nächsten Schritt in klinischen Studien überprüft werden.
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