HIV-Präexpositionsprophylaxe offenbar im klinischen Alltag effektiv25. März 2022 HI-Viren (künstlerische Darstellung). Grafik: Ezume Images – stock.adobe.com Die Evaluation der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zeigt hohe Effektivität beim Schutz vor HIV und keine Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen (STI) mit Chlamydien, Gonokokken und Syphilis. Das belegt der aktuelle Kurzbericht des Robert Koch-Instituts (RKI). Für gesetzlich Krankenversicherte mit einem substanziellen HIV-Infektionsrisiko gibt es seit September 2019 einen Anspruch auf HIV-PrEP. Dies ist eine HIV-Präventionsmethode, bei der HIV-negative Personen ein bereits seit vielen Jahren für die HIV-Therapie zugelassenes Medikament (Tenofovirdisoproxil + Emtricitabin) einnehmen, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Der gesetzliche Anspruch auf PrEP umfasst die Beratung, die Versorgung mit den Arzneimitteln und die erforderlichen Untersuchungen. Das RKI wurde vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragt, die Einführung des PrEP-Leistungsanspruchs wissenschaftlich zu begleiten und zu evaluieren (Projekt “EvE-PrEP”). Nach Abschluss der Evaluation hat das RKI jetzt einen Kurzbericht veröffentlicht. Im Fokus der PrEP stehen laut RKI “Cisgender”-Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), als die in Deutschland von HIV hauptsächlich Betroffenen. Daneben gibt es weitere anspruchsberechtigte Gruppen mit erhöhtem HIV-Risiko, zu denen auch “Cisgender”-Frauen und Menschen mit Geschlechtsidentitäten jenseits der Kategorien “cisgender”-männlich und “cisgender”-weiblich (z.B. “trans*”, nicht binär, u.a.) gehören. Kooperationspartner des Projektes waren die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (“dagnä” e.V.), der Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen, die Universität Bonn mit der BRAHMS-Studie sowie das Kompetenzzentrum für Klinische Studien der Universität Bremen (KKSB). Die Studien und Datenquellen, die in das Projekt einflossen, stammten zum einen aus der am RKI etablierten und erweiterten Überwachung von HIV und weiteren STI: Monitoring rezenter HIV-Infektionen in Deutschland (InzSurv-HIV), Molekulare Surveillance von HIV-Neudiagnosen (MolSurv-HIV), HIV-1-Serokonverterstudie sowie HIV- und Syphilis-Meldungen gemäß Infektionsschutzgesetz. Darüber hinaus wurden Apotheken-Daten und GKV-Daten als Sekundärdatenquellen genutzt. Bei HIV-Schwerpunktzentren im “dagnä”-Netzwerk fand eine Erhebung von Daten zum PrEP-Gebrauch und zur Verbreitung, Testung und Therapie von STI statt (Substudie „National Evaluation of PrEP Outcomes and STIs – NEPOS“). PrEP hauptsächtlich von Männern genutzt Die PrEP-Nutzenden waren in den ausgewerteten Studien und den GKV-Daten zum größten Teil männlich (98-99%), im Alter zwischen 25-45 Jahren (Median 35-38 Jahre) und überwiegend deutscher Staatsangehörigkeit oder Herkunft (67-82%). Der Großteil der PrEP-Nutzenden in NEPOS zählte zur Gruppe der MSM (99%). Auf Grundlage von Apotheken-Abrechnungsdaten und bestimmter Annahmen zu “on demand”/intermittierendem PrEP-Gebrauch schätzt das RKI zwischen 15.600-21.600 PrEP-Nutzende MSM in Deutschland zum Stand Ende Juni 2020. Wie das RKI berichtet, zeigt sich die PrEP im klinischen Alltag in Bezug auf HIV-Infektionen als hoch effektiv: Es fanden nur vereinzelt HIV-Infektionen in Zusammenhang mit PrEP-Nutzung statt (HIV-Inzidenzrate 0,08/100 Personenjahre). Das RKI vemutet in den meisten Fällen eine geringe Adhärenz als Grund für die Infektionen. Der Verfasser des Berichts, Dr. Daniel Schmidt, schränkt im Hinblick auf die Aussagekraft des Berichtes ein, dass die PrEP-Effekte von der SARS-CoV-2-Pandemie überlagert sein könnte. Die Zahl der HIV-Neudiagnosen sowie die geschätzte Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland und in der Gruppe der MSM habe in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Wichtig ist auch, dass die Inzidenz von STI über den Studienverlauf nicht zunahm, sondern in einigen Studien (NEPOS und BRAHMS-Studie) sogar zurückging oder nahezu gleich blieb (GKV-Daten). Der Vermutung, eine PrEP könnte zu einem leichtsinnigeren Umgang führen, stehen diese Daten entgegen. Allerdings schränkt das RKI auch in Bezug auf STI ein, dass diese Ergebnisse insbesondere für NEPOS nicht klar vom Einfluss der SARS-CoV-2-Pandemie zu trennen seien. Längere Analysen im weiteren Verlauf seien nötig, um die Auswirkungen der HIV-PrEP auf Testung und Diagnose von HIV und STI mit mehr Validität zu bestimmen und zu bewerten. (ms)
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