Hochdosierte Antioxidantien könnten bei Nachkommen zu Missbildungen führen12. Februar 2026 Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen: Bei Nahrungsergänzungsmitteln kann zu viel des Guten auch schaden. (Foto: © Viacheslav Yakobchuk – stock.adobe.com) Antioxidantien werden oft als Wundermittel vermarktet und sollen unter anderem chronischen Krankheiten und Krebs vorbeugen. Eine aktuelle Studie deutet nun allerdings darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme hoher Dosen von Antioxidantien die Spermien-DNA schädigen und bei Nachkommen die kraniofaziale Entwicklung beeinträchtigen kann. In der Studie, die in der Fachzeitschrift „Frontiers in Cell and Developmental Biology“ veröffentlicht wurde, untersuchte ein Forscherteam des Texas A&M College of Veterinary Medicine and Biomedical Sciences (VMBS) unter der Leitung von Dr. Michael Golding die Auswirkungen von N-Acetyl-L-Cystein (NAC) und Selen (Se) – zwei weit verbreiteten Antioxidantien – in Mausmodellen. Sie stellten fest, dass die Nachkommen männlicher Mäuse, die sechs Wochen lang Antioxidantien ausgesetzt waren, Unterschiede in der Schädel- und Gesichtsform aufwiesen, obwohl sich der Gesundheitszustand des Vaters nicht verändert hatte. Diese Ergebnisse legen den Forschenden zufolge nahe, dass Männer bei der Einnahme hoher Dosen von Antioxidantien Vorsicht walten lassen sollten, insbesondere wenn sie in naher Zukunft Kinder haben möchten. Wenn das Gute zu weit geht Antioxidantien wie NAC – ein wichtiger Bestandteil vieler Nahrungsergänzungsmittel, darunter Multivitamine – werden häufig zur Behandlung von oxidativem Stress eingesetzt, der unter anderem durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht werden kann. „Wir wissen, dass Alkohol oxidativen Stress verursacht, und wir wollten dem entgegenwirken, indem wir ein Nahrungsergänzungsmittel hinzufügten, von dem bekannt ist, dass es oxidativen Stress senkt“, erklärte Golding, Professor am Institut für Veterinärphysiologie und Pharmakologie der VMBS. „Als wir feststellten, dass die Nachkommen von Männchen, denen nur NAC verabreicht worden war, Unterschiede im Schädel- und Gesichtsbereich aufwiesen, waren wir überrascht, da dieses Molekül allgemein als nützlich angesehen wird.“ Gesundheit der Spermien wenig beachtet Es ist allgemein bekannt, dass hohe Dosen von Antioxidantien negative Auswirkungen haben können. Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass Antioxidantien bei Ausdauersportlern die Wirkung des Trainings verringern und bei Profisportlern zu negativen Ergebnissen bei den Leistungskennzahlen führen können. „Die Gesundheit der Spermien ist eine weitere Leistungskennzahl, über die wir im Alltag jedoch nicht nachdenken“, erklärte Golding. „Wenn Sie eine hohe Dosis Antioxidantien einnehmen, könnten Sie Ihre Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Zudem könnte sich dies negativ auf Ihre Nachkommen auswirken.“ Was das Gesicht über das Gehirn verrät Um herauszufinden, ob eine chronische Antioxidantien-Supplementierung bei gesunden männlichen Mäusen das Plazentawachstum und die kraniofaziale Entwicklung ihrer Nachkommen beeinflusst, verabreichten die Forschenden männlicheb C57BL/6J-Mäusen sechs Wochen lang NAC und Se. Anschließend wurden die Männchen mit unbehandelten Weibchen verpaart. Während die Schwangerschaft unbeeinträchtigt verlief, beobachteten die Forschenden bei den Nachkommen signifikante Veränderungen in der Gesichtsform. Insbesondere weibliche Nachkommen wiesen eine signifikante Verringerung des Augenabstands und der Kopfgröße auf. Diese Veränderungen traten ohne makroskopische Veränderungen der metabolischen Gesundheit des Vaters auf, was den Forschenden zufolge darauf hindeutet, dass Veränderungen in der Entwicklungsprogrammierung unabhängig von Veränderungen der allgemeinen Gesundheit auftreten können. Gehirn und Gesicht entwickeln sich parallel „In der Pädiatrie ist allgemein anerkannt, dass das Gesicht das Gehirn widerspiegelt, da sich Gehirn und Gesicht gleichzeitig entwickeln“, erklärte Golding. „Wenn sich das Gesicht während der Schwangerschaft entwickelt, nutzt es Signale aus dem Gehirn, um zu wissen, wohin es sich entwickeln soll. Wenn diese Prozesse nicht aufeinander abgestimmt sind, kommt es entweder zu einer Verzögerung oder zu einer Anomalie in der Gehirnentwicklung. Wenn man also Anomalien in der Mittellinie des Gesichts sieht, wird man wahrscheinlich auch Anomalien in der Mittellinie des Gehirns feststellen“, erklärte er. „Menschen mit diesen Anomalien haben in der Regel Probleme mit der Impulskontrolle, neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie und anderen Entwicklungsstörungen.“ Ob die Nachkommen der Versuchstiere im genannten Projekt tatsächlich eine Funktionsstörung des zentralen Nervensystems aufweisen, wollen die Forschenden noch weiter untersuchen. Die Dosis macht den Unterschied Zudem wollen sie herausfinden, ab welcher Dosis Antioxidatien mehr schaden als nützen, insbesondere wenn keine medizinische Notwendigkeit für die Einnahme eines Antioxidans-Präparats besteht. Da viele Männer regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel zu sich nähmen, von denen viele auch antioxidantienreiche Inhaltsstoffe enthalten, sei es wichtig, auf die Konzentration der enthaltenen Stoffe zu achten. „Wenn Ihre Vitamine 1000 Prozent der empfohlenen Tagesdosis liefern, sollten Sie vorsichtig sein“, riet Golding. „Wenn Sie sich an den Bereich von 100 Prozent halten, sollte alles in Ordnung sein.“
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