Hochfrequente Rückenmarkstimulation lindert Schmerzen bei diabetischer Neuropathie15. September 2026 Bild: toon cartoon/stock.adobe.com Eine klinische US-Studie zeigt, dass eine hochfrequente Rückenmarkstimulation bei Patienten mit therapieresistenter schmerzhafter diabetischer Neuropathie Schmerzen reduzieren und sensorische Funktionen verbessern kann. Außerdem liefert sie erste Hinweise darauf, dass die Rückenmarkstimulation die Nervenfaserndichte erhöht. Die diabetische Neuropathie ist eine häufige Komplikation des Diabetes mellitus und kann chronische Schmerzen, Taubheitsgefühle und einen Verlust der Sensibilität verursachen – insbesondere an Füßen und Beinen. Eine klinische Studie hat nun ergeben, dass eine hochfrequente Rückenmarkstimulation die Schmerzen bei Menschen mit therapieresistenter schmerzhafter diabetischer Neuropathie (PDN) signifikant reduzieren und die sensorische Funktion verbessern kann. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlicht. Häufige Komplikation mit weitreichenden Folgen Mit zunehmender Schädigung der Nerven kann eine diabetische Neuropathie zu Gleichgewichtsstörungen und Fußulzera führen und mit einem erhöhten Amputationsrisiko einhergehen. Die verfügbaren Behandlungen zielen in erster Linie auf die Kontrolle der Symptome ab; eine zuverlässige Wiederherstellung der Sensibilität oder eine Umkehr bereits bestehender Nervenschäden ist bislang nicht möglich. Forschende des Pain Outcomes Lab an der Wake Forest University School of Medicine (USA) haben in der Studie „Painful Diabetic Neuropathy (PDN) Sensory“ die Auswirkungen einer Rückenmarkstimulation mit einer Frequenz von 10 kHz untersucht. Dabei werden dünne Elektroden in der Nähe des Rückenmarks sowie ein kleiner Impulsgenerator unter der Haut implantiert. Das System gibt schwache elektrische Impulse ab, die die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn verändern. Im Gegensatz zu einigen älteren Systemen zur Rückenmarkstimulation entsteht dabei kein Kribbelgefühl. An der Studie nahmen 91 Erwachsene mit Diabetes und chronischer, therapieresistenter PDN an 13 Zentren in den USA teil. Die Teilnehmenden wurden randomisiert entweder einer konventionellen Behandlung allein oder einer Rückenmarkstimulation zusätzlich zur konventionellen Behandlung zugeteilt. Deutliche Verbesserungen bei Schmerzen und Sensibilität Über einen Zeitraum von sechs Monaten untersuchten die Forschenden Schmerzen, sensorische Funktion, Schlaf, Lebensqualität und weitere Endpunkte. Die sensorischen Untersuchungen sowie die Messung der Nervenfaserdichte anhand von Hautbiopsien wurden verblindet durchgeführt. Eine Verblindung der Behandlung war hingegen nicht möglich. In einer konservativen Analyse, bei der fehlende Ergebnisse berücksichtigt wurden, erreichten 79,4 Prozent der Teilnehmenden, die eine vorübergehende Rückenmarkstimulation erhielten, eine Reduktion der Schmerzen in den unteren Extremitäten um mindestens 50 Prozent. In der Kontrollgruppe waren es nur vier Prozent. Bei den Teilnehmenden, denen ein dauerhaftes Stimulationssystem implantiert wurde und die die Nachbeobachtung nach sechs Monaten abschlossen, erreichten 93,1 Prozent eine Schmerzreduktion von mindestens 50 Prozent. Auch der zentrale sensorische Endpunkt der Studie wurde erreicht. Von den Teilnehmenden, die die sechsmonatige Nachbeobachtung abschlossen, zeigten 55,2 Prozent unter Rückenmarkstimulation eine klinisch relevante Verbesserung ihrer Fähigkeit, Berührung, Temperatur, Vibration und die Körperposition wahrzunehmen. In der Kontrollgruppe mit konventioneller Behandlung waren es 25 Prozent. Zudem berichteten die mit Rückenmarkstimulation behandelten Teilnehmenden über Verbesserungen bei Schlaf und Lebensqualität. „Menschen mit schmerzhafter diabetischer Neuropathie haben häufig trotz Medikamenten und anderer Behandlungen weiterhin erhebliche Beschwerden“, sagt Prof. Robert W. Hurley, korrespondierender Autor der Studie. „Viele Teilnehmende erfuhren eine deutliche Schmerzlinderung und eine Verbesserung ihrer sensorischen Funktion. Diese Veränderungen könnten ihnen dabei helfen, ihren Alltag sicherer und angenehmer zu bewältigen.“ Erste Hinweise auf Veränderungen der Nervenfasern Hautbiopsien zeigten bei den Teilnehmenden mit Rückenmarkstimulation eine durchschnittliche Zunahme der Dichte kleiner Nervenfasern im unteren Wadenbereich um 56 Prozent. In der Gruppe mit konventioneller Behandlung wurde dagegen keine signifikante Veränderung beobachtet. Die Studie war allerdings nicht darauf ausgelegt zu untersuchen, ob sich Nervenfasern tatsächlich regenerieren oder ob die Therapie den zugrunde liegenden Verlauf der diabetischen Neuropathie beeinflusst. „Eine Schmerzlinderung war auf Grundlage früherer Untersuchungen zu erwarten. Jedoch waren die objektiven Verbesserungen der sensorischen Messwerte und der Nervenfaserdichte besonders ermutigend“, so Hurley. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Wirkung über eine reine Symptomkontrolle hinausgehen könnte. Wir benötigen jedoch eine längere Nachbeobachtung, um festzustellen, ob diese Veränderungen anhalten und welche Bedeutung sie für die Patientinnen und Patienten haben.“ Weitere Untersuchungen notwendig Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Teilnehmenden wussten, welche Behandlung sie erhielten. Dies könnte die von den Patienten berichteten Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem wurde die Studie vorzeitig beendet, nachdem die vorab definierten Kriterien für die Wirksamkeit erreicht worden waren. Dadurch kann ein Behandlungseffekt größer erscheinen, als er tatsächlich ist. Darüber hinaus wiesen die Teilnehmenden überwiegend eine schwere, therapieresistente Neuropathie auf. Die Ergebnisse lassen sich daher möglicherweise nicht auf Menschen mit einer leichteren Erkrankung übertragen. Die Teilnehmenden werden nun über einen Zeitraum von zwölf Monaten nachbeobachtet, um festzustellen, ob die Verbesserungen der Sensibilität und der Nervenfaserdichte anhalten. In künftigen Studien sollen die biologischen Mechanismen untersucht werden, die diesen Veränderungen möglicherweise zugrunde liegen. (mkl)
Mehr erfahren zu: "Kassenärzte: Dringende Facharzttermine schneller möglich" Kassenärzte: Dringende Facharzttermine schneller möglich Die von der SPD geforderte Termingarantie beim Facharzt lehnen die Kassenärzte ab – sie stellen aber schnellere Termine in Aussicht, wenn es wirklich brennt. Ist das ein möglicher Kompromiss?
Mehr erfahren zu: "Linnemann will mehr Effizienz im Gesundheitssystem" Linnemann will mehr Effizienz im Gesundheitssystem In der Haushaltsdebatte im Parlament stellte der neue Bundesgesundheitsminister Leitlinien seiner Gesundheitspolitik vor. Dabei geht es ihm nicht nur darum, Beiträge stabil zu halten: Carsten Linnemann (CDU) strebt mehr Effizienz […]
Mehr erfahren zu: "BVMed unterstützt neue Vergaberegeln der EU-Kommission: „Qualitätsfokus ist der richtige Weg“" BVMed unterstützt neue Vergaberegeln der EU-Kommission: „Qualitätsfokus ist der richtige Weg“ Die EU-Kommission geht nach Ansicht des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) mit der am 9. September 2026 vorgestellten Vergaberechts-Reform den richtigen Weg. „Weg vom reinen Preiswettbewerb hin zu einem stärkeren Fokus auf […]