Hochrisiko-Leukämie im Kindesalter: Immuntherapie schützt vor Rezidiven22. September 2026 Prof. Gunnar Cario (l.) und Prof. Martin Schrappe forschen mit ihrem Team seit vielen Jahren an besseren Therapien für Kinder und Jugendliche mit Leukämie. (Quelle: Maximilian Hermsen | UKSH) Für Kinder mit einer besonders risikoreichen Form der akuten lymphatischen Leukämie und hohem Rückfallrisiko eröffnen sich bessere Heilungschancen: In einer großen internationalen Studie konnte ein Teil der intensiven Chemotherapie durch eine Immuntherapie ersetzt werden. Dadurch ging die Zahl der Rückfälle nahezu um die Hälfte zurück, zugleich traten deutlich weniger schwere Nebenwirkungen auf. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 550 bis 600 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neu an Akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Mit intensiver Chemotherapie können heute etwa 90 Prozent der betroffenen Kinder langfristig geheilt werden. Etwa jedes fünfte Kind mit ALL gehört jedoch zur Gruppe der Hochrisikopatienten. Bei ihnen ist die Gefahr sehr groß, dass die Krankheit zurückkehrt. Sie erhalten deshalb bislang eine besonders starke Chemotherapie. Diese soll Rückfälle verhindern, kann aber schwere und zum Teil lebensbedrohliche Nebenwirkungen auslösen. Rückfälle nahezu halbiert In der jetzt veröffentlichten Studie konnte das internationale Forschungsteam zeigen: Werden zwei hochintensive Chemotherapie-Blöcke durch zwei Zyklen der Immuntherapie mit Blinatumomab ersetzt, sinkt die Zahl der Krankheitsrückfälle nahezu um die Hälfte. Gleichzeitig treten deutlich weniger schwere Nebenwirkungen auf.Blinatumomab nutzt das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen die Leukämie. Der Wirkstoff bringt T-Zellen gezielt mit Leukämiezellen zusammen. So können die Immunzellen die Krebszellen besser erkennen und zerstören.An der Studie unter Leitung des ALL-BFM-Studienzentrums (Acute Lymphoblastic Leukemia Berlin-Frankfurt-Münster) der Klinik für Kinderonkologie und -rheumatologie am UKSH, Campus Kiel, beteiligten sich mehr als 100 Studienzentren in acht Ländern. Ein Teil der Kinder erhielt die bisher beste Standardtherapie. Bei den anderen Kindern wurden zwei besonders intensive Chemotherapie-Blöcke durch Blinatumomab ersetzt. Die Zuteilung zu den Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip (Randomisierung). Die Deutsche Krebshilfe hat die Studie mit 4,2 Millionen Euro gefördert. Die Ergebnisse wurden im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Immuntherapie eröffnet neue Perspektiven „Diese Ergebnisse stellen einen Durchbruch in der Therapie von Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie dar“, erklärt Prof. Martin Schrappe, Leiter der Studie und Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). „Wir konnten erstmals zeigen, dass eine Immuntherapie in der Erstbehandlung der ALL nicht nur zusätzlich zur Chemotherapie helfen kann, sondern besonders belastende Chemotherapie auch ersetzen kann.“„Die Ergebnisse machen uns sehr zuversichtlich“, ergänzt Prof. Gunnar Cario, Leiter des ALL-BFM-Studienzentrums und Direktor der Klinik für Kinderonkologie und -rheumatologie am UKSH, Campus Kiel. „Unser Ziel ist es, auch bei weiteren Patientengruppen Chemotherapien durch wirksamere und besser verträgliche Immuntherapien zu ersetzen. Eine entsprechende Studie wird noch in diesem Jahr starten.“ Sie wird, wie auch die jetzt veröffentlichte Studie, maßgeblich durch Fördermittel der Deutschen Krebshilfe ermöglicht.
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