Höheres Langzeitüberleben nach wiederauftretendem Neuroblastom2. März 2023 Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme einer Neuroblastom-Zelllinie der Maus. (Quelle: © Volha – stock.adobe.com) Lange Zeit galt das Rezidiv des Neuroblastoms mit Metastasen als unheilbar. Doch eine neue Langzeitstudie unter Federführung der Universitäts-Kinderklinik Tübingen beweist nun, dass eine Kombinationstherapie aus einer haploidenten Stammzelltransplantation und einer Immuntherapie die Überlebensrate nach fünf Jahren deutlich steigern kann. Neuroblastome sind für mehr als zehn Prozent der Todesfälle bei Krebserkrankungen im Kindesalter verantwortlich und treten überwiegend im frühen Kindesalter auf – 90 Prozent der Patienten sind jünger als sechs Jahre, der Altersdurchschnitt bei Diagnosestellung liegt bei 14 Monaten. Die standardisierte Therapie beinhaltet eine Operation, Chemo- oder Strahlentherapie, auch der Immuntherapie kommt eine stets stärker werdende Bedeutung zu. „Die Immuntherapie des Neuroblastoms hat in Tübingen lange Tradition, bereits in den 1990er-Jahren wurde hieran intensiv geforscht“, erklärt Studienleiter Prof. Peter Lang, kommissarischer Ärztlicher Direktor der Allgemeinen Pädiatrie, Hämatologie und Onkologie an der Tübinger Kinderklinik. Gemeinsam mit Dr. Tim Flaadt leitete er die multizentrische Studie, die seit 2015 neben Tübingen auch an den Universitätskliniken Greifswald, Graz und Wien durchgeführt wurde. Typisches Ziel der Immuntherapie des Neuroblastoms ist das Oberflächen Antigen GD-2, welches sich mit dem Antikörper namens Dinutuximab beta angreifen lässt. Dieser Antikörper ist seit 2017 in der Europäischen Union zugelassen, die Forschungsdaten aus der hier vorliegenden Studie haben unter anderem zur Zulassung beigetragen. Der Antikörper vermittelt seine Wirkung durch das Immunsystem der Patienten. Generell kann bei Menschen mit Rezidiv einer Krebserkrankung das Immunsystem geschwächt sein, so auch bei Kindern mit einem Neuroblastom-Rezidiv. Die Folge ist, dass der Antikörper seine volle Wirkung nicht erreichen kann. „Aus diesem Grund kann die Immuntherapie nicht alleinige erfolgversprechende Unterstützung zur konventionellen Tumortherapie sein. Dies bildete die Grundlage unserer langjährigen Studie, ebenso wie zuvor vorliegende Studien, die zeigen, dass die Etablierung eines neuen Immunsystems durch eine Stammzelltransplantation auch bei soliden Tumoren zur Tumorkontrolle führen kann“, erklärt Lang weiter. Kombinationstherapie Stammzelltransplantation und Immuntherapie In der nun vorliegenden multizentrischen Studie mit insgesamt 68 Patienten wurden deshalb beide Therapieansätze kombiniert: Nach individueller Rezidiv-Therapie erhielten die Kinder und Jugendlichen zur Konsolidierung eine haploidente Stammzelltransplantation – eine halb-identische Stammzelltransplantation von einem Elternteil. Darauf folgte eine Immuntherapie mit dem Anti GD-2 Antikörper Dinutuximab beta sowie subkutanem Interleukin 2. „Die Verträglichkeit der Therapie war insgesamt sehr gut, transplantationsassoziierte Nebenwirkungen traten nur selten auf“, berichtet Kinderonkologe Dr. Tim Flaadt. „Vor allem aber konnten wir mit unserer Studie die bislang besten Ergebnisse für die jungen Neuroblastom-Patientinnen und -Patienten erzielen: Knapp acht Jahre nach Ende der Langzeitstudie wissen wir, dass 53 Prozent der 68 Kinder und Jugendlichen mindestens fünf Jahre überlebt haben, 43 Prozent davon ereignisfrei, das bedeutet ohne Rezidiv bzw. Fortschreiten der Erkrankung. Für eine solch schwerwiegende Diagnose sind diese Zahlen sehr vielversprechend, wir können davon ausgehen, dass mit der Kombinationsbehandlung aus Stammzelltransplantation und Immuntherapie ein Langzeitüberleben bei Neuroblastom-Rezidiv möglich ist.“ Ziel des Forscherteams um Lang und Flaadt ist es nun, diese Ergebnisse in einer europaweiten randomisierten Studie zu prüfen.
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