Hörgeräte unter alltagsnahen Bedingungen testen29. April 2026 Im Rahmen von AHEVA wurde ein neuartiger Sprachtest entwickelt, der auf alltagsnahen Dialogen basiert. Foto: Fabian Hettler/TH Lübeck Das Projekt „alltagsnahe Hörgeräte-Evaluation mittels virtueller Akustik“ (AHEVA) der Technischen Hochschule Lübeck hat zum Ziel, Hörgeräte künftig unter Bedingungen zu testen, die deutlich alltagsnäher sind als klassische Verfahren. Bisherige Untersuchungsverfahren im Labor gelten als wenig alltagsnah. Aber alternative Feldtests mit Hörgeräten mittels Fragebögen im Alltag sind schlecht reproduzierbar. Die Sprachtests in der Audiologie arbeiten häufig mit isolierten Wörtern oder künstlich konstruierten Sätzen. Doch wie realistisch sind solche Tests, wenn es darum geht, Gespräche in einer belebten Umgebung zu verstehen? Alltag im Labor: Sprachverstehen in realitätsnahen Gesprächen messen Im Rahmen von AHEVA hat das Team um Prof. Tim Jürgens einen neuartiger Sprachtest entwickelt, der auf alltagsnahen Dialogen basiert. Statt einzelner Wörter wird das Sprachverstehen anhand von Schlüsselwörtern im Kontext realitätsnaher Gespräche gemessen. Ein zentraler Innovationsbaustein: Die verwendete Sprache haben die Forschenden synthetisch durch Künstliche Intelligenz (KI) erzeugt. Ihre Qualität ist inzwischen so hoch, dass sie kaum noch von echten Sprachaufnahmen zu unterscheiden ist. Das Deutsche Hörgeräte Institut (DHI) kofinanziert das Projekt AHEVA und beteiligt sich aktiv sowie beratend an der Bearbeitung der Arbeitspakete. So konnten die Forschenden in einer ersten Pilotstudie zeigen, dass diese KI-generierte Sprache, eingebettet in eine in 3D-simulierte Cafeteria-Umgebung, von Probanden als realistisch wahrgenommen wird. Hörgeräte präziser an Alltagssituationen anpassen Könnten Hörgeräte in Zukunft präziser auf individuelle Alltagssituationen angepasst werden? Genau hier setzt die Forschung an und die Ergebnisse sind eindeutig: Normalhörende erzielen unter definierten Bedingungen ein hohes Sprachverstehen, Schwerhörende ohne Hörgeräte schneiden deutlich schlechter ab und mit einer angepassten Hörgeräteversorgung verbessert sich das Sprachverstehen signifikant. Damit gelingt der sogenannte „Proof of Concept“: Alltagssituationen lassen sich im Labor realitätsnah simulieren und der Nutzen von Hörgeräten wird messbar. Was bedeutet das für Betroffene? Ein Blick nach vorn Die Ergebnisse des Projekts werden aktuell auf nationalen und internationalen Fachkonferenzen vorgestellt. Unter anderem in Paris, auf der nationalen Audiologietagung in Oldenburg und geplant im August auf der internationalen Hörgeräte-Entwicklerkonferenz in Kanada. Realistischere Tests schaffen die Grundlage für bessere Versorgung und mehr Lebensqualität. Neben der Cafeteria wurden bereits weitere Alltagsnahe Testszenarien entwickelt. Darunter ein Großraumbüro und ein Live-Konzert mit dazu passenden Dialogen. Denn gutes Hören beginnt zwar im Labor, zeigt sich jedoch besonders im echten Leben und bedeutet Teilhabe im Alltag.
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