Oligometastatischer Krebs: Neue Endpunkte für Krebsstudien definiert28. April 2026 Bild: ©males_design – stock.adobe.com Eine internationale Expertengruppe unter Leitung des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH Wien hat Messgrößen für klinische Studien bei Krebserkrankungen mit vereinzelten Metastasen festgelegt. Ziel ist es, den Nutzen moderner, gezielt auf Metastasen ausgerichteter Therapien mit Endpunkten zu bewerten, die für Patienten besonders relevant sind. Die jetzt im Fachmagazin „The Lancet Oncology“ veröffentlichte Konsensusarbeit markiert einen Paradigmenwechsel in der Krebsforschung. Der Fokus der Konsensusarbeit liegt auf oligometastatischem Krebs. Darunter ist das Krankheitsstadium zwischen lokal begrenzter Erkrankung und weit fortgeschrittener Metastasierung zu verstehen, das bei vielen Tumorarten auftreten kann. Eine Heilung sei in diesem Stadium möglich, Patienten könnten heute zum Teil viele Jahre in guter Lebensqualität mit vereinzelten Metastasen leben, heißt es in der Pressemitteilung der Medizinischen Universität Wien. Schwerpunkt auf der hochpräzisen Strahlentherapie Metastasen-zielgerichtete Therapien (MDT, metastasis-directed therapies) sind hochpräzise lokale Therapieverfahren wie die stereotaktisch ablative Radiotherapie (SABR), chirurgische Resektion oder Thermoablation, mit denen in bildgebenden Verfahren einzelne Metastasen gezielt behandelt werden können. Das jetzt in „The Lancet Oncology“ veröffentlichte Konsensuspapier geht aus der weltweit größten prospektiven Kohortenstudie OligoCare zur Evaluation der SABR bei einer Oligometastasierung verschiedener Tumorarten mit mehr als 3500 eingeschlossenen Patienten hervor. Da in vielen dieser die SABR als lokales Verfahren eingesetzt wird, lag auch im Konsensusprojekt ein Schwerpunkt auf der hochpräzisen Radiotherapie. Ziel war es, valide primäre Studienendpunkte zu definieren, die aus Patientenperspektive relevant und zugleich für unterschiedliche Krebserkrankungen im oligometastatischen Stadium anwendbar sind. Im Fokus standen klinische Studien, die den Nutzen der verschiedenen Therapiemöglichkeiten in Kombination mit medikamentösen Therapien untersuchen. Die Experten stammten aus dem OligoCare-Konsortium der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) und der European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO) und vertreten die Bereiche Radiotherapie, Radiologie, Epidemiologie und Statistik. Des Weiteren waren Vertreter europäischer Patientenorganisationen eingebunden. Wiederholte Entfernung von Metastasen möglich Neben etablierten Endpunkten wie dem Überleben bei guter Lebensqualität stimmte die Expertengruppe zwei neuen Messgrößen zu, die den spezifischen Wirkmechanismus hochpräziser ablativer Therapien abbilden und das Ziel haben, die häufig symptomlosen Metastasen lokal zu entfernen. Die neuen Standards für klinische Studien markieren eine Abkehr vom bisher verwendeten Endpunkt des progressionsfreien Überlebens (PFS), der den spezifischen Nutzen lokaler, hochpräziser Therapien nur unzureichend widerspiegelt. Damit werden weitere Faktoren bewertet, die für Patienten unmittelbar relevant sind – etwa therapiefreie Zeit und geringe Nebenwirkungen. Neue Endpunkte werden bewertet Im Zentrum stehen zwei neue Messgrößen: STFS (Start or Switch of Systemic Therapy–Free Survival), die den Zeitraum ohne Beginn oder Wechsel einer systemischen Therapie beschreibt, sowie pPFS (polymetastatic Progression–Free Survival), die die Zeit bis zum Übergang in ein Krankheitsstadium mit weit gestreuter Metastasierung erfasst. Beide Endpunkte tragen dem Umstand Rechnung, dass mit einer MDT einzelne Metastasen gezielt und wiederholt behandelt werden können − etwa wenn nach Entfernung einer Metastase am rechten Lungenflügel eine weitere Metastase am linken Lungenflügel auftritt. „Wir sehen hier einen echten Paradigmenwechsel in der klinischen Forschung bei oligometastatischer Erkrankung. Bisherige Endpunkte konnten den Nutzen lokaler Therapien oft nicht adäquat darstellen. Mit den neuen, international abgestimmten Standards schaffen wir eine Grundlage, um Studienergebnisse besser zu interpretieren und schneller in die klinische Praxis zu übertragen“, erklärt Studienleiter Joachim Widder (Universitätsklinik für Radioonkologie und CCC). Die breite Datenbasis und der internationale Konsens unter Einbindung von Patientenvertretern verleihen den neuen Endpunkten besondere Relevanz für zukünftige Studien und stehen für eine Weiterentwicklung hin zu präziseren und patientenorientierten Therapieansätzen. Mehr zum Thema: Strahlentherapie: DEGRO stellt wichtige Ergebnisse aus aktuellen Studien vor EGFR-mutierter Nichtkleinzelliger Lungenkrebs mit Oligometastasen: Zusatz von Thoraxbestrahlung zu EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren verbessert Überleben
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