Hoffnung auf neue, individualisierte Therapien für Mukoviszidose-Patienten27. Januar 2020 Foto: © Zerbor/Adobe Stock Die Mukoviszidose ist in Deutschland eine der häufigsten Erbkrankheiten: Bis zu 8000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind von der unheilbaren Erkrankung betroffen. Patienten mit Mukoviszidose leiden an chronischen, infektiösen Lungenerkrankungen, die durch bakterielle, virale oder Pilz-Erreger verursacht werden. Wie das Immunsystem der Betroffenen auf bestimmte Pilzinfektionen reagiert, damit beschäftigt sich Prof. Petra Bacher vom Institut für Klinische Molekularbiologie und Institut für Immunologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel seit mehreren Jahren intensiv. Für ihre wegweisenden wissenschaftlichen Arbeiten hat die Stiftung Oskar-Helene-Heim ihr nun den Oskar Medizinpreis 2019 verliehen. Schimmelpilzsporen werden täglich über die Atemluft aufgenommen. Während sie für gesunde Menschen harmlos sind, können sie sich bei Menschen mit Mukoviszidose in der Lunge ansiedeln und so das Krankheitsbild verschlechtern. Doch wieso versagt das Immunsystem bei den Betroffenen? Dieser Frage widmet sich Bacher in ihrer Forschung in enger Zusammenarbeit mit Alexander Scheffold, Institut für Immunologie, Kiel und Carsten Schwarz, Leiter der Sektion Erwachsene Cystische Fibrose an der Charité Berlin. „Seit mehreren Jahren untersuchen wir, wie das Immunsystem von Mukoviszidose-Patienten auf bestimmte Pilze reagiert und welche Rolle Immunzellen, wie die sogenannten T-Helfer-(Th)-Zellen, dabei spielen“, sagt Bacher, Leiterin der Arbeitsgruppe Intestinale Immunregulation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Zum einen konnte die Forscherin ein immunologisches Modell entwickeln, das zeigt, warum Mukoviszidose-Patienten, im Gegensatz zu gesunden Menschen, eine allergische Reaktion gegenüber bestimmten Schimmelpilzen aufzeigen. „Zum anderen ist es uns gelungen, einen Mechanismus zu entschlüsseln, über den bestimmte Mikrobiome Entzündungsreaktionen in der Lunge verstärken”, ergänzt Bacher. Denn ein Pilz namens Candida albicans, der Darm und Schleimhäute besiedelt, spielt bei der Abwehrreaktion von Mukoviszidose-Patienten eine zentrale Rolle: „Er sorgt dafür, dass eine bestimmte Art von Immunzellen, die sogenannten Th17 Zellen, gebildet werden: Diese haben zwar eine schützende Funktion in der Darmflora, tragen jedoch bei Mukoviszidose-Patienten zu einer überschießenden Reaktion gegenüber luftübertragenen Pilzen in der Lunge bei. „Diese neuen Erkenntnisse ermöglichen die Entwicklung neuer und individualisierter Therapieansätze“, so Prof. Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Jurymitglied. „Je besser wir diese immunologischen Prozesse bei Mukoviszidose-Patienten verstehen, desto effektiver können wir eine Gegenwehr gegen Pilz-Erreger ergreifen und Patenten mehr Lebensqualität ermöglichen“, betont der Chefarzt des Zentrums für Pneumologie an der Klinik Donaustauf. Im Kampf für eine bessere Lebenserwartung und -qualität mit Mukoviszidose ist das von größter Bedeutung. Der Oskar-Medizinpreis ist mit 50.000 Euro einer der höchstdotierten Medizinpreise in Deutschland und wird für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Medizin verliehen. Er wurde vor wenigen Tagen im Rahmen des 6. Kongresses der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für die Therapie von Lungenkrankheiten (WATL) in Berlin verliehen.
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