Hohe Belastung von Kindern mit Umweltgiften

Haarproben geben über die Belastung mit Umweltgiften Auskunft. (Foto: © kittyfly – stock.adobe.com)

Forscher der Universität Sevilla (Spanien) haben den Zusammenhang zwischen der pränatalen und frühkindlichen Exposition gegenüber Umweltgiften und der neurologischen Entwicklung von Kindern untersucht. Dabei fanden sie bei allen untersuchten Probanden eine Mischung aus durchschnittlich acht verschiedenen Metallen.

Die Forscher hatten von 100 Kindern, die zwischen Juli 2020 und 2022 geboren worden waren, im Alter von sechs, zwölf, 18 und 24 Monaten Haarproben analysiert. Die Mütter der Teilnehmer waren an zwei Kliniken in Sevilla mit unterschiedlichen Umweltmerkmalen rekrutiert worden: dem Universitätsklinikum Virgen del Rocío mit einem überwiegend städtischen Profil, einer höheren potenziellen Exposition gegenüber Straßenverkehr und einer geografischen Nähe zu Gebieten mit Bergbaugeschichte. Andere Teilnehmer stammten aus einem Stadtgebiet mit einem eher ländlichen/landwirtschaftlichen Profil (intensive Landwirtschaft), das aufgrund des möglichen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln relevant ist.

Um Verzerrungen zu vermeiden, wurden nur Mütter ausgewählt, die seit weniger als 5 Jahren in der Region lebten, eine Einlingsschwangerschaft (ohne künstliche Befruchtung) hatten und bei guter Gesundheit waren. Frühgeborene (weniger als 32 Wochen), untergewichtige (unter 1500 g) oder Neugeborene mit perinatalen Erkrankungen, die die neurologische Entwicklung an sich beeinträchtigen könnten, wurden ausgeschlossen.

Belastung mit sechs Monaten am höchsten

Haarproben der Kinder untersuchten die Forschenden mittels induktiv gekoppelter Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS) auf zehn Elemente (Aluminium, Arsen, Cadmium, Chrom, Kupfer, Mangan, Nickel, Blei, Selen und Zink). Für die neuropsychologische Beurteilung nutzten sie das Battelle Development Inventory (BDI), das Fähigkeiten in den Bereichen Motorik, Anpassungsfähigkeit, Persönlichkeit und Sozialverhalten, Kognition und Sprache misst.

Wie die Forscher in „Environmental Pollution“ berichten, konnten sie in mehr als 90 Prozent der Proben sieben der zehn untersuchten Elemente (Kupfer, Zink, Chrom, Blei, Mangan, Aluminium und Selen) nachweisen. Darüber hinaus stellten sie fest, dass die Konzentrationen neurotoxischer Elemente (Blei, Aluminium, Mangan, Nickel und Arsen) im Alter von sechs Monaten tendenziell höher waren und bis zum Alter von 24 Monaten progressiv abnahmen, was auf eine höhere Körperbelastung oder Anfälligkeit in der frühesten postnatalen Phase hindeutet.

Stille Umweltexposition auch in nicht industriellen Gebieten

In Bezug auf die Auswirkungen dieser Belastung auf die neurologische Entwicklung hebt die Studie hervor, dass Arsen das Element mit dem höchsten neurotoxischen Potenzial ist, da es sich auf alle Entwicklungsbereiche (kognitiv, motorisch, sprachlich, sozial und adaptiv) negativ auswirkt.

Blei hingegen zeigt eine spezifische und geschlechtsspezifische Wirkung. So beeinträchtigt es in der Allgemeinbevölkerung die Sprachentwicklung, bei Jungen wurde sein Vorhandensein jedoch auch mit Defiziten in der kognitiven und motorischen Entwicklung in Verbindung gebracht.
Schließlich zeigen Aluminium und Mangan allgemeine negative Korrelationen, die mehrere Entwicklungsbereiche erheblich beeinträchtigen, wobei die Auswirkungen auf die Untergruppe der Mädchen statistisch gesehen stärker ausgeprägt sind.

Aus all diesen Gründen resümieren die Autoren der Studie, dass selbst in einer Kohorte gesunder Kinder in einem nicht industriellen Stadtgebiet eine stille Umweltexposition gegenüber Metallgemischen nachweisbar ist und einen messbaren Einfluss auf die frühe psychomotorische Entwicklung hat. Sie betonen daher die Notwendigkeit, die Exposition gegenüber komplexen Gemischen (und nicht nur isolierten Toxinen) als einen Faktor der öffentlichen Gesundheit zu betrachten, der durch routinemäßige Biomonitoring-Programme ab dem Kindesalter überwacht werden muss. (ej/BIERMANN)