Holografie-Premiere in der Kinderkardiologie5. November 2026 Der Monitor zeigt die Bilder der Echokardiografie, zugleich kann der Herzspezialist das Holoscope zu Rate ziehen (Quelle: Finn Lehrke | HDZ NRW) Fast zwei Jahre nach dem europaweit erstmaligen Einsatz von Holografie in der Herzmedizin feiert der Fachbereich Kinderkardiologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) nun eine weitere Premiere: Das Team hat die Technologie für die Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit einem angeborenen Loch in der Herzkammerscheidewand übernommen. Seitdem wurden fünf Eingriffe mit einer hochauflösenden, holografischen 3D-Echtzeit-Projektion des Ultraschallbildes vom schlagenden Herzen begleitet. Bei den Patientinnen und Patienten im Alter von acht bis 29 Jahren lag ein Ventrikelseptumdefekt (VSD) vor. Kleine Defekte verschließen sich im Kleinkindalter teilweise von selbst. Bedeutsame Defekte müssen in den ersten Lebensjahren operiert werden. Als Alternative zur Operation besteht bei größeren Kindern die Möglichkeit für einen Schirmverschluss. Dabei verschließen die Kinderkardiologen das Loch minimalinvasiv mit einem Schirmchen, das über einen Herzkatheter ins Herz vorgeschoben wird. Dieser Eingriff wird in der Regel bei Kindern im Alter von ein bis zwei Jahren und einem Körpergewicht von mehr als zwölf Kilogramm durchgeführt, wenn Symptome oder Zeichen der Herzbelastung auftreten. Bei Jugendlichen und Erwachsenen erfolgt dieser Eingriff, wenn der Ventrikelseptumdefekt bislang nicht behandelt werden musste oder unentdeckt geblieben ist. Zusätzliche Sicherheit Das in Bad Oeynhausen eingesetzte System projiziert ein dynamisches 3D-Herzmodell vom LIVE-4D-Ultraschall frei in den Raum und vor den Untersucher. Der behandelnde Arzt kann das schlagende Herz dabei durch ein Standgerät vor dem Patiententisch steril auch mittels Sprachsteuerung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, interaktiv drehen und anatomische Besonderheiten, aber auch das eingesetzte Schirmchen im 3D-Datensatz unmittelbar beurteilen. „Diese Visualisierung medizinischer Bilder erlaubt uns aktuell eine zusätzliche Beurteilung zur exakten Verortung, zum Beispiel der Größe des Defekts und der umliegenden Strukturen“, erklärt Prof. Stephan Schubert, Direktor der Kinderkardiologie am Zentrum für angeborene Herzfehler und Kinderherzzentrum. „Das Verfahren verlangt zwar eine gewisse Übung, ist aber in der Praxis leichter anzuwenden als klassische VR-Brillen, weil das System bei Bedarf während des Kathetereingriffs schnell verfügbar ist und mit dem sowieso eingesetzten 4D-Ultraschall arbeiten kann. Insgesamt erhöht diese zusätzliche Darstellungsoption die Effektivität und auch Sicherheit für unsere Patientinnen und Patienten.“ Ergänzung zur etablierten Ultraschallbildgebung Entscheidend für das Katheterverfahren bleibt nach wie vor die transösophageale Echokardiografie (TEE), bei der eine Ultraschallsonde über die Speiseröhre nahe an das Herz geführt wird. Sie liefert einem dazu speziell ausgebildeten Ärzteteam hochauflösende Bilder von ausgezeichneter Qualität. „Dennoch bietet die Holografie hier einen Mehrwert, wenn es um Fragen der Perspektive oder Besonderheiten der Anatomie geht, die wir auf diese Weise live und strahlungsarm beantworten möchten, ohne auf zusätzliche MRT- oder CT-Bilder angewiesen zu sein“, erklärt Schubert. Ausblick auf die Medizin von morgen Wie im Erwachsenenbereich schon vor zwei Jahren, sehen auch die Kinderkardiologen bei der in Bad Oeynhausen eingesetzten Technologie Potenzial für die Zukunft. „Wenn Echtzeit-Herz-Hologramme künftig für alle am Verfahren beteiligten Spezialisten in noch besserer Qualität zur Verfügung stünden und wir entsprechende Erfahrungen sammeln, könnten sich daraus weitere Behandlungsperspektiven ergeben“, ist Schubert überzeugt. „Das würde nicht nur unseren ärztlichen Nachwuchs faszinieren, sondern noch dazu unsere Routineverfahren ebenso schnell wie sicher halten und könnte dazu beitragen, die Behandlungsergebnisse für hochkomplexe Herzinterventionen weiter zu verbessern.“
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