Hospitalisierungen wegen COPD in Kanada: Zunahme insbesondere bei Frauen und Jüngeren12. September 2023 Foto: © Ivelin Radkov/stock.adobe.com In Kanada haben Krankenhauseinweisungen wegen Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, insbesondere unter Frauen und jüngeren Menschen. Das zeigt eine neue Untersuchung. Laut der im „Canadian Medical Association Journal“ publizierten Studie ist die Hospitalisierungsrate im Zusammenhang mit COPD in Kanada seit 2002 um 69 Prozent gestiegen. Davon seien vor allem Frauen und Menschen im Alter von unter 65 Jahren betroffen, schreiben die Autoren. „Angesichts des zunehmenden Drucks auf Kanadas Gesundheitssysteme ist es von entscheidender Bedeutung, Versorgungslücken zu identifizieren, die zu einer höheren Inanspruchnahme führen“, betont Dr. Kate Johnson, Assistenzprofessorin an der Fakultät für Medizin und Fakultät für Pharmazeutische Wissenschaften der University of British Columbia (UBC). „Krankenhauseinweisungen wegen COPD könnten einen Bereich mit Verbesserungspotenzial darstellen, da sie in vielen Fällen durch geeignete präventive oder frühzeitige therapeutische Interventionen vermieden werden könnten.“ Die Forscher vom UBC, vom Providence Health Care Research Institute und vom St. Paul’s Hospital in Vancouver (alle Kanada) untersuchten nationale Daten zu Krankenhauseinweisungen, um sich einen Überblick über Tendenzen bezüglich Hospitalisierungen aufgrund von COPD zu verschaffen. Die Forschenden identifizierten für die Jahre 2002–2017 insgesamt 1.134.359 Einweisungen wegen COPD unter Patienten im Alter von 40 Jahren oder älter. Davon entfielen 240.611 (21,2%) auf Patienten mittleren Alters (40–64 Jahre). Mehr als die Hälfte dieser Hospitalisierungen (127.514; 53,0%) in dieser Altersgruppe waren Frauen. Während des 16-jährigen Untersuchungszeitraumes stieg die Zahl der jährlichen Krankenhauseinweisungen im Zusammenhang mit einer COPD um 68,8 Prozent, von 52.937 auf 89.384. Bereinigt um Bevölkerungswachstum, Alter und Geschlecht nahm die Krankenhauseinweisungsrate in Verbindung mit COPD um fast zehn Prozent zu (von 437 auf 479 pro 100.000 Personen), obwohl die Hospitalisierungsraten im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen im selben Zeitraum zurückgingen. Der Anstieg fiel bei jüngeren Frauen am deutlichsten aus (12,2%), gefolgt von jüngeren Männern (24,4%) und älteren Frauen (29,8%), während die Rate der Krankenhauseinweisungen unter älteren Männern zurückging (9,0%). „Die Zahl der Hospitalisierungen wegen COPD hat in Kanada seit 2010 rapide zugenommen“, fassen die Autoren zusammen. „Auch unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums und der Alterung sind die COPD-Einweisungsraten seit 2010 in allen Bevölkerungsgruppen außer bei älteren Männern gestiegen. Dies steht im Gegensatz zu einem Rückgang der Einweisungen aus allen Gründen. Unsere Ergebnisse lassen Zweifel daran aufkommen, dass Fortschritte bei der Verbesserung der COPD-Versorgung und der COPD-Outcomes erzielt werden“, bilanzieren die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass eine Reihe von Faktoren für den beobachteten Anstieg verantwortlich sein könnte. Dazu zählen nach ihrer Auffassung bessere Therapien, die die Lebenserwartung von Patienten mit COPD verlängern, Veränderungen bei der Häufigkeit von Lungenentzündungen und Influenza sowie eine veränderte Praxis in Bezug auf Krankenhauseinweisungen. Umweltfaktoren wie Veränderungen in der Belastung durch Luftverschmutzung, durch von Waldbränden verursachten Rauch oder toxische inhalative Stoffe in Innenräumen können ebenfalls zu dem Anstieg beitragen. Um Krankenhäusern und politischen Entscheidungsträgern beim Verständnis der COPD-Einweisungsraten zu unterstützen, haben die Forschenden eine Web-App erstellt. In einem die Veröffentlichung der Studie begleitenden Kommentar betonen dessen Autoren, dass die Ergebnisse der Studie bei den Gesundheitssystemen Alarmglocken schrillen lassen sollten. „Da die COPD-Prävalenz in der kanadischen Bevölkerung zunimmt, steigt auch die Belastung für Krankenhäuser, wenn keine radikale Änderung in der COPD-Versorgung umgesetzt wird“, schreiben Dr. Alina Blazer und Matthew Stanbrook, Pneumologen an der University of Toronto (Kanada). „Lösungen erfordern neuartige und multifaktorielle Ansätze zur Untersuchung neuer Risikofaktoren für COPD, zur Beseitigung von Ungleichheiten in Bezug auf Geschlecht und sozioökonomischen Status, zur Erleichterung des Zugangs zu fachärztlicher Versorgung und zur Investition von Ressourcen in Prävention und Rehabilitation. Ohne nachhaltige und koordinierte Maßnahmen werden die Gesundheitssysteme weiterhin COPD-Patienten in Kanada im Stich lassen.“
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