HTLV-1 im Fokus17. November 2020 Die Arbeit der Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Andrea Thoma-Kreß (m.) wird vom BMBF mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Bild: © FAU/Irrgang Kohrt) Infektionen mit dem Humanen T-Zell-Leukämie-Virus Typ 1 (HTLV-1) finden über zellhaltige Körperflüssigkeiten statt. Dem Virus auf der Spur ist nun eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Andrea Thoma-Kreß vom Lehrstuhl für Klinische und Molekulare Virologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit bis zu 2,3 Millionen Euro. Das Projekt trägt den Namen „Milk TV“ – dies steht für „Milk-Transmission of Viruses”, also die Übertragung von Viren über die Muttermilch. „Das ist ein bevorzugter Ansteckungsweg mit HTLV-1 und ist deshalb besonders tückisch, weil Muttermilch ansonsten viele gesundheitliche Vorteile bietet, etwa beim Aufbau der Immunabwehr im Säuglings- und Kleinkindalter“, sagt Thoma-Kreß. Die Infektion, die quasi mit der Muttermilch aufgesogen wird, verläuft zunächst unauffällig. Doch später im Leben kann sie schwere Erkrankungen hervorrufen, wie etwa Leukämie, da das Virus vor allem weiße Blutkörperchen befällt. Weltweit sind mindestens 10 Millionen Menschen – meist unwissentlich – mit HTLV-1 infiziert, viele davon in Brasilien, der Karibik, Japan, Sub-Sahara-Afrika oder Zentralaustralien.Einfach komplett vom Stillen abzuraten, sei jedoch laut Thoma-Kreß nicht praktikabel. „In vielen Ländern, in denen das Virus stark verbreitet ist, besteht schlicht aufgrund begrenzter Ressourcen nicht die Möglichkeit, zu Ersatzprodukten zu greifen. Die Mütter sind darauf angewiesen, ihre Babys zu stillen“, sagt die Molekularmedizinerin. Um Infektionsketten dennoch wirksam unterbrechen zu können, gilt es zunächst, mehr über die Übertragung von den Müttern auf die Säuglinge herauszufinden. Die Ergebnisse aus dem Projekt „Milk-TV“ sollen als Grundlage für die Entwicklung von Präventionsstrategien dienen, die das Stillen weiterhin erlauben.„Unser Projekt profitiert sehr vom hervorragenden wissenschaftlichen Umfeld hier am Universitätsklinikum Erlangen und der FAU“, betont Thoma-Kreß. Neben interdisziplinären Kollaborationen innerhalb der FAU, wie etwa mit dem Graduiertenkolleg GRK2504 zu neuen antiviralen Strategien am Virologischen Institut, sei auch eine internationale Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Belgien, Brasilien, Australien sowie mit Hebammen und Patientenorganisationen geplant.Die Arbeit des Teams, das aktuell neben der Projektleiterin aus fünf Doktoranden, einer Medizinisch-Technischen Laborassistenz, einer Masterstudentin und einer wissenschaftlichen Hilfskraft besteht, wird mit insgesamt rund 2,3 Millionen Euro vom BMBF gefördert.
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