Hypercholesterinämie in ärmeren Ländern häufig unterversorgt16. November 2021 Studienerstautorin Maja Marcus. Foto: ©Jonathan Michaeli/CeMIS Die Gesundheitsversorgung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist schlecht auf die steigende Zahl von Menschen mit hohem Cholesterinspiegel vorbereitet. Einer Untersuchung in „PLoS Medicine” zufolge bleiben mehr als zwei Drittel der Betroffenen unbehandelt. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen wertete die Daten von rund 130.000 Befragten ab 15 Jahren aus – die Daten stammen aus 35 repräsentativen Erhebungen verschiedener Länder zwischen 2009 und 2018. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten, wie gut die Gesundheitssysteme den Versorgungsbedarf von Menschen mit Hypercholesterinämie decken. Dafür ermittelte sie, wie viele Menschen an einem hohen Cholesterinspiegel leiden, wie viele dieser Menschen untersucht, diagnostiziert und behandelt wurden – und wie viele schließlich einen kontrollierten Cholesterinspiegel erreichten. Weniger als die Hälfte der Betroffenen war demnach auf eine Hypercholesterinämie untersucht worden. Nur etwa ein Drittel war sich seines hohen Cholesterinspiegels bewusst und hat eine medikamentöse Behandlung oder einen Rat zu einem entsprechenden Lebensstil erhalten. Die große Mehrheit der Befragten hatte somit keinen kontrollierten Cholesterinspiegel. In Ländern mit oberem mittleren Einkommen sowie in Nord- und Südamerika, im östlichen Mittelmeerraum und in Europa ist der Versorgungsgrad laut Studienergebnissen tendenziell höher. Zu den relativ leistungsstarken Ländern gehören Sri Lanka und der Iran. Den Studienautorinnen und -autoren halten es für möglich, aus den gewonnenen Erkenntnissen wichtige politische Lehren zu ziehen, um die Hypercholesterinversorgung in anderen Ländern zu verbessern. „Ein hoher Cholesterinspiegel ist ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, welche die weltweit häufigste Todesursache ist“, sagt Maja Marcus, Doktorandin an der Universität Göttingen und Erstautorin der Studie. „Eine bessere Versorgung wird durch billigere Testverfahren, patentfreie Medikamente und kostenlose Lebensstilberatung immer erschwinglicher. Dieses Potenzial muss besser genutzt werden, um Krankheiten und Todesfälle zu verhindern.“
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