Hypnotherapie beim Reizdarmsyndrom

Frau bei Hypnosebehandlung
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Eine auf den Darm gerichtete und von Psychologen durchgeführte Hypnotherapie scheint sowohl in Gruppen- als auch Einzelsitzungen wirksam zu sein und bietet möglicherweise eine neue Behandlungsoption für das Reizdarmsyndrom (IBS) in der Primär- und Sekundärversorgung. Das berichten Forscher aus den Niederlanden.

In der IMAGINE-Studie wurden 354 Erwachsene (18–65 Jahre) mit IBS aus 11 Krankenhäusern rekrutiert. Die Teilnehmer wurden randomisiert jeweils 45-minütigen Einzelsitzungen (n=150) oder Gruppensitzungen (n=150) 2-mal wöchentlich für 6 Wochen zugewiesen oder einer Schulung und unterstützender Therapie (n=54).

Die Hypnotherapiebehandlung wurde von Psychologen durchgeführt, die zu Hypnotherapeuten ausgebildet wurden und eine Technik der positiven Visualisierung anwendeten. Dabei wurde den Patienten suggeriert, wie sie die Kontrolle über ihren Verdauungstrakt erlangen und somit Schmerzen und Unwohlsein reduzieren könnten. Die Patienten erhielten auch eine CD, damit sie täglich 15–20 Minuten zu Hause Selbsthypnose-Übungen machen konnten.

Sowohl zu Beginn der Studie als auch unmittelbar nach der Behandlung (3 Monate) sowie erneut 9 Monate später wurden der Schweregrad der Symptome, die Lebensqualität und die psychischen Symptome beurteilt.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer aus den beiden Hypnosegruppen unmittelbar nach der Behandlung in erheblich höheren Raten über eine zufriedenstellende Entlastung berichteten als die Patien­ten in der Kontrollgruppe. Die Analyse ergab auch, dass dieser Vorteil 9 Monate nach Ende der Behandlung noch Bestand hatte. Eine zufriedenstellende Linderung der Symptome ging jedoch nicht mit einer signifikanten Verbesserung der Symptomschwere einher, wie die Studienautoren betonen.

Die Autoren räumen einige Mängel ihrer Studie ein. So brachen 22 (15%) Patienten in der Gruppe mit Einzeltherapie, 22 (15%) in der Gruppe mit Hypnogruppentherapie und 11 (20%) in der Kontrollgruppe die Therapie ab oder traten sie gar nicht erst an.

Zudem füllte eine beträchtliche Anzahl von Teilnehmern den Fragebogen 3 und 9 Monaten nach der Behandlung nicht aus, was die Ergebnisse verfälscht haben könnte.

Die Wissenschaftler weisen auch darauf hin, dass die Unerfahrenheit von Therapeuten im Umgang mit IBS und die geringe Anzahl (6) von Hypno­therapiesitzungen (die Hälfte der üblichen Anzahl) zu einer Unterschätzung der Auswirkungen der Hypnotherapie geführt haben könnten.

Fazit
Eine Hypnotherapie sollte als mögliche Behandlung für Patienten mit Reizdarmsyndrom in Betracht gezogen werden. Darüber hinaus könnte eine Gruppentherapie es ermöglichen, mehr Patienten zu den gleichen Kosten zu behandeln, so das Fazit der Autoren. (ac)

Autoren: Flik CE et al.
Korrespondenz: Dr. Carla E. Flik, Julius Centre for Health Sciences and Primary Care, University Medical Centre, 3584 CG Utrecht, Niederlande; [email protected]
Studie: Efficacy of individual and group hypnotherapy in irritable bowel syndrome (IMAGINE): a multicentre randomised controlled trial
Quelle: Lancet Gastroenterol Hepatol 2019;4(1):20–31.
Web: https://doi.org/10.1016/S2468-1253(18)30310-8