Beobachtungsstudie: Weniger Gebrechlichkeit unter Statintherapie

Aktuelle Daten aus den USA deuten an, dass Statine auch vor Gebrechlichkeit im Alter schützen können. (Symbolfoto: ©Jelena Stanojkovic/stock.adobe.com)

Eine aktuelle Studie aus den USA deutet darauf hin, dass Statine neben der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch positive Auswirkungen auf ein gesundes Altern haben könnten.

Forschende des Mass General Brigham haben gezeigt, dass ältere US-Veteranen, die eine Statintherapie begannen, deutlich seltener gebrechlich wurden. Davon berichten sie im „European Heart Journal“. „Derzeit gibt es keine zugelassenen Medikamente speziell zur Prävention von Gebrechlichkeit“, sagt Saadia Qazi, Hauptautorin der Studie und Kardiologin am Mass General Brigham. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Statine eine wichtige Möglichkeit bieten, das Risiko von Gebrechlichkeit zu reduzieren und Menschen dabei zu helfen, ihre Gesundheit und Unabhängigkeit im Alter zu bewahren.“

Entwicklung von Gebrechlichkeit unter US-Veteranen mit und ohne Statinanwendung

Gebrechlichkeit geht mit einem erhöhten Risiko einher, nach einer leichten Erkrankung oder Verletzung einen drastischen Funktionsverlust zu erleiden. Da ältere Erwachsene häufig unter Gebrechlichkeit leiden, besteht ein wachsender Bedarf an Präventions- und Behandlungsstrategien. Statinen wird neben der Cholesterinsenkung auch eine entzündungshemmende Wirkung attestiert. Dadurch können sie möglicherweise Prozesse des biologischen Alterns und des Funktionsverlusts verlangsamen. Qazi und Kollegen wollten diesen Zusammenhang nun näher untersuchen.

Dazu analysierten sie in einer retrospektiven Kohortenstudie Medicare- und Medicaid-Daten von 987.301 US-Veteranen, die zwischen 2002 und 2018 über das Gesundheitssystem der Veterans Affairs (VA) versorgt wurden. Die Forschenden untersuchten die Entwicklung von Gebrechlichkeit bei denjenigen, die Statine einnahmen, im Vergleich zu jenen, die das nicht taten. Zu Beginn des Analysezeitraums waren alle Veteranen (98% Männer; 87% weiß) mindestens 67 Jahre alt (Durchschnitt 72±6 Jahre). Sie nahmen keine Statine ein und galten auf Basis des validierten 31-Punkte-Index der VA (Veterans Affairs Frailty Index) als nicht gebrechlich.

Zusammenhang zwischen Statintherapie und reduziertem Gebrechlichkeitsrisiko

In einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 5,3 Jahren begannen 290.729 Veteranen eine Statintherapie, und mehr als 636.000 Veteranen wurden gebrechlich. Nach Berücksichtigung zahlreicher Unterschiede zwischen den Teilnehmern, darunter Body-Mass-Index, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Raucherstatus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und andere Faktoren, war der Beginn einer Statintherapie mit einem um 24 Prozent geringeren Risiko für die Entwicklung von Gebrechlichkeit im Vergleich zu keiner Statintherapie verbunden.

Der Zusammenhang zwischen Statintherapie und reduziertem Gebrechlichkeitsrisiko zeigte sich konsistent in vielen Subgruppen, darunter ältere Personen und jene mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis oder Demenz. Der Zusammenhang wurde auch bei Personen festgestellt, die bereits zu Beginn der Studie erste Anzeichen von Gebrechlichkeit aufwiesen und somit als „prägebrechlich“ galten.

Evaluation in weiteren Bevölkerungsgruppen notwendig

„Obwohl randomisierte Studien erforderlich sind, deuten diese Beobachtungsergebnisse auf eine mögliche Rolle von Statinen bei der Prävention von Gebrechlichkeit hin“, sagte die leitende Autorin Dr. Ariela Orkaby, Geriaterin am VA Boston und Mass General Brigham. „Wir wissen, dass Gebrechlichkeit und Herzerkrankungen gemeinsame zugrunde liegende Mechanismen haben. Unsere Studie legt nahe, dass die gezielte Beeinflussung dieser Mechanismen dazu beitragen könnte, beide Erkrankungen zu verhindern.“

Die Forschenden schränken jedoch ein, dass weitere Studien erforderlich sind, um den Nutzen von Statinen in der Primärprävention von Gebrechlichkeit zu evaluieren. Insbesondere für Frauen und nicht-weiße Bevölkerungsgruppen brauche es mehr Daten, da diese in der Studie unterrepräsentiert waren und möglicherweise anders auf die Statintherapie ansprechen.

(ah/BIERMANN)

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