Hypothalamische Adipositas: Setmelanotid reduziert BMI nach Hirntumoren signifikant14. Juli 2026 Der Hypothalamus steuert im Zusammenwirken mit der Hypophyse Vorgänge wie Wachstum, Fortpflanzung und Stoffwechsel. (Foto: © 7activestudio – stock.adobe.com) Eine neue Therapie bietet Hoffnung für Patienten, deren Gewichtskontrolle infolge eines Hirntumors oder dessen Behandlung entgleist ist. Eine im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte klinische Studie zeigt, dass der Wirkstoff Setmelanotid den BMI bei erworbener hypothalamischer Adipositas deutlich senken kann. Tumoren im Hypothalamus – dem Regulationszentrum des Gehirns für die Hormonsteuerung – sind zwar oft behandelbar oder gutartig, hinterlassen jedoch häufig schwerwiegende Langzeitfolgen. Denn durch die Schädigung des Hypothalamus wird ein wichtiger Signalweg unterbrochen, was zum Verlust der Sättigungskontrolle, einem verlangsamten Stoffwechsel und unkontrolliertem Essverhalten führt. Bisher gab es für diese Form der Adipositas keine wirksame Behandlung, zumal auch moderne Medikamente wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten bei diesen Patienten oft nicht ausreichend wirken. 20 Prozent Netto-Reduktion des BMI In der klinischen TRANSCEND-Studie untersuchten Forschende die Wirkung von Setmelanotid, einem Wirkstoff, der gezielt am Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R) ansetzt und die Sättigungssignale im Gehirn wiederherstellt. An der Untersuchung nahmen 120 Kinder und Erwachsene mit schwerer hypothalamischer Adipositas teil, wobei die Mehrheit an den Folgen eines Kraniopharyngeoms litt. Der durchschnittliche BMI der Teilnehmer ab 18 Jahren lag bei 41,8 kg/m2. Von den Teilnehmern erhielten 81 ein Jahr lang wöchentlich eine Injektion mit Setmelanotid. Die übrigen 39 Teilnehmer wurden verblindet einer Kontrollgruppe zugeordnet und erhielten während der gesamten Studie ein Placebo in Form einer Kochsalzlösung. Nach einem Jahr Behandlung war der BMI in der Placebo-Gruppe um durchschnittlich drei Prozent angestiegen, während er unter der wöchentlichen Injektion von Setmelanotid um durchschnittlich 17 Prozent gesunken war. Dies entspricht einem Nettoeffekt von 20 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe. Für einen Patienten mit einem Ausgangs-BMI von etwa 42 kg/m2 bedeute dies eine Reduktion auf etwa 33 kg/m2, erklärten die Forschenden. Verbesserte Lebensqualität trotz Nebenwirkungen Obwohl 88 Prozent der Teilnehmer Nebenwirkungen wie Hautpigmentierungen, Kopfschmerzen oder gastrointestinale Beschwerden berichteten, entschieden sich 95 Prozent der Probanden nach Ende der Studie für eine Fortführung der Therapie. Dies unterstreicht den hohen Leidensdruck der Betroffenen. Prof. Hanneke van Santen vom Princess Máxima Center berichtete, dass Kinder, die zuvor unter extremem Hunger, Lethargie und emotionalen Ausbrüchen litten, durch die Behandlung „wieder zum Leben erweckt“ wurden. Zulassung und Ausblick Basierend auf diesen Daten wurde Setmelanotid bereits von der EMA und der FDA für die Behandlung der erworbenen hypothalamischen Adipositas bei Erwachsenen und Kindern ab vier Jahren zugelassen. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher untersuchen, ob der Wirkstoff bereits unmittelbar nach einer Tumorentfernung eingesetzt werden kann, um die Entstehung der Adipositas präventiv zu verhindern. Dies könnte Chirurgen zudem erlauben, mehr Tumorgewebe sicher zu entfernen, ohne die metabolischen Folgen fürchten zu müssen.
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