ICD-11-Einführung: Inzidenz des ischämischen Schlaganfalls wird steigen17. Juni 2025 © Krakenimages.com – stock.adobe.com (Symbolbild) Mit der kürzlich eingeführten Internationalen Klassifikation der Krankheiten, 11. Revision (ICD-11), wird die Inzidenz des ischämischen Schlaganfalls in der westeuropäischen Population sprunghaft um 18,3% ansteigen. Dies hat ein Forscherteam aus Genf, Schweiz, errechnet. Die Ursache hierfür liegt in der neuen Definition des ischämischen Schlaganfalls, die nun auch Ereignisse von <24 h Dauer umfasst, bei denen eine Ischämie mittels Bildgebung des Gehirns nachgewiesen werden kann. Für die bevölkerungsbasierte Beobachtungskohortenstudie hatten die Wissenschaftler um Seniorautor Emmanuel Carrera vom Universitätsspital Genf Daten aus dem Schweizer Schlaganfallregister, ergänzt durch Krankenhausunterlagen, ambulante Krankenakten und Autopsieberichte, ausgewertet, um Einwohner des Kantons Genf zu identifizieren, die in den Jahren 2018 und 2019 die ICD-11-Kriterien für einen erstmaligen Schlaganfall erfüllten, einschließlich ischämischer Schlaganfälle, nichttraumatischer intrazerebraler Blutungen (ICH) oder Subarachnoidalblutungen (SAH). Auf diese Weise fanden sie 1186 erstmalige Schlaganfälle. Die betroffenen Patienten waren im Median 75,8 Jahre alt (IQR 63,4–84,5) und zu 48,1% Frauen. Bei 90,9% der Patienten mit ischämischem Schlaganfall wurde eine MRT durchgeführt. Die jährliche Inzidenz des ersten Schlaganfalls, altersbereinigt nach der europäischen Standardbevölkerung, betrug, jeweils pro 100.000, 127,0 (95%-KI 119,8–134,3) – 107,3 (95%-KI 100,7–114,0) für ischämischen Schlaganfall, 13,2 (95%-KI 10,9–15,5) für ICH, 6,0 (95%-KI 4,4–7,5) für SAH sowie 3,1 (95%-KI 2,0–4,2) für aneurysmatische SAH. Insgesamt war die 30-Tage-Letalität bei ICH höher (32,5%; 95%-KI 19,7–38,8) als bei SAH (17,2%; 95%-KI 6,6–27,9) und ischämischen Schlaganfällen (10,8%; (95%-KI 8,4–12,4). Die Inzidenz ischämischer Schlaganfälle betrug gemäß ICD-10 (ohne Patienten mit radiologisch nachgewiesenem Infarkt und Symptomen, die <24 h anhielten) 90,4 (95%-KI 84,3–96,5) und nach ICD-11 107,3 (95%-KI 100,7–114,0). Patienten mit ischämischen Schlaganfällen, die nach ICD-11, nicht aber nach ICD-10 identifiziert wurden (d. h. Patienten mit Symptomen, die <24 h anhielten, und einer Hirnläsion), waren jünger und wiesen bei der Aufnahme einen niedrigeren NIHSS(National Institutes of Health Stroke Scale)-Score auf als Patienten, die nach ICD-10 und ICD-11 identifiziert wurden. Fazit Die neue Definition des ischämischen Schlaganfalls gemäß ICD-11 führt zu einem Anstieg der Zahl der ischämischen Schlaganfälle um 18,3% in der westeuropäischen Bevölkerung. (ej) Autoren: Dirren E et al. Korrespondenz: Emmanuel Carrera; [email protected] Studie: Stroke Incidence, Case Fatality, and Mortality Using the WHO International Classification of Diseases 11: The Geneva Stroke Study Quelle: Neurology 2025;104(5):e213353. Web: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000213353
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