Zusammenhang zwischen Übergewicht bei Eltern und Kindern ist vor allem genetisch bedingt

Nicht die intrauterine Umgebung oder die Erziehung, sondern die gemeinsamen Gene sind dafür verantwortlich, dass übergewichtige Eltern oft auf übergewichtige Kinder haben. (Foto: © Kletr – stock.adobe.com)

Eine Studie mit 86.000 norwegischen Kindern zeigt, dass der Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht der Eltern und dem der Kinder weitgehend durch gemeinsame genetische Faktoren erklärt wird.

Ein höherer BMI der Eltern ist durchweg mit einem höheren BMI des Nachwuchses im Kindesalter verbunden. Für Forscher war es bislang schwierig zu unterscheiden, inwieweit dieser Zusammenhang auf genetische Faktoren oder auf biologische Auswirkungen des mütterlichen Gewichts während der Schwangerschaft zurückzuführen ist. Dies zu wissen, ist jedoch wichtig, um den BMI im Kindesalter möglichst früh positiv beeinflussen zu können.

In der neuen Studie analysierten Tom Bond von der Universität Bristol, Großbritannien, und Kollegen der Universität Queensland, Australien, sowie weitere Wissenschaftler Daten aus der norwegischen Mutter-Vater-Kind-Kohortenstudie, einer prospektiven Geburtskohorte von Kindern, die zwischen 1999 und 2009 geboren wurden. Der Datensatz umfasste Informationen zu 86.000 Kindern, darunter deren Geburtsgewicht und BMI im Alter von sechs Monaten bis acht Jahren sowie appetitbezogene Essgewohnheiten im Alter von acht Jahren. Die Forscher untersuchten Zwillings-, Geschwister- und Halbgeschwisterbeziehungen über mehrere Generationen hinweg, um direkt zu quantifizieren, inwieweit der Zusammenhang zwischen dem BMI der Eltern und dem ihrer Kinder auf genetische Störfaktoren zurückzuführen ist.

Gene der Eltern beeinflussen den BMI des Kindes

Dabei zeigt sich, dass der BMI der Mutter stärker mit dem Geburtsgewicht des Kindes assoziiert war als der BMI des Vaters, was mit einem Einfluss des mütterlichen Körpergewichts auf das Geburtsgewicht durch die Umgebung im Mutterleib im Einklang steht. Nach der Geburt waren die Zusammenhänge zwischen dem BMI der Mutter und des Vaters und dem BMI des Kindes im Alter von zwei bis acht Jahren jedoch weitgehend ähnlich.

Modelle zeigten, dass genetische Effekte schätzungsweise 79 Prozent des statistischen Zusammenhangs zwischen dem BMI einer Mutter und dem BMI ihres Kindes im Alter von acht Jahren sowie 94 Prozent des Zusammenhangs bei Vätern erklärten. Ein höherer BMI der Eltern war zudem mit adipositasbezogenen Essverhalten bei Kindern assoziiert, darunter eine stärkere Reaktionsfähigkeit auf Nahrungsreize und emotionales Überessen, obwohl die Studie nicht abschließend feststellen konnte, inwieweit dies genetisch bedingt war.

Perinatale Gewichtskontrolle ist dennoch wichtig

Die Autoren weisen darauf hin, dass diese Ergebnisse nicht bedeuteten, dass Adipositas im Kindesalter für Kinder übergewichtiger Eltern unvermeidbar ist. Kinder, die eine genetische Veranlagung für einen höheren BMI erben, können diese Gene je nach ihrem Umfeld dennoch unterschiedlich zum Ausdruck bringen. Die Ergebnisse mindern den Autoren zufolge auch nicht die Bedeutung der mütterlichen Gesundheit während der Schwangerschaft. Es ist allgemein anerkannt, dass mütterliche Adipositas das Risiko für unerwünschte perinatale Folgen sowohl für die Mutter als auch für das Kind erhöht.

„Unsere Ergebnisse könnten, in Verbindung mit früheren Erkenntnissen betrachtet, wichtige Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben“, schreiben sie. „Es ist unwahrscheinlich, dass der BMI der Mutter über die Geburt hinaus einen großen kausalen Einfluss auf den BMI des Kindes hat. Und ein etwaiger kausaler Einfluss des väterlichen BMI auf den BMI des Kindes im Kindesalter dürfte ähnlich groß oder geringer sein als der des mütterlichen BMI. Folglich ist es unwahrscheinlich, dass eine Senkung des BMI eines der beiden Elternteile vor der Schwangerschaft zu einer deutlichen Verringerung der Adipositas im Kindesalter führt.“

Übergewicht keine Frage der Erziehung

Bond erklärt: „Adipositas tritt familiär gehäuft auf, doch es ist schwierig zu ergründen, warum dies so ist. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen dem BMI der Mutter oder des Vaters und dem BMI ihrer Kinder bis zum Alter von acht Jahren größtenteils auf die Gene zurückzuführen ist. Werdende Eltern sollten dazu ermutigt werden, ein gesundes Gewicht zu halten, doch dies reicht möglicherweise nicht aus, um sicherzustellen, dass auch ihre Kinder ein gesundes Gewicht haben.“

Alexandra Havdahl fügt hinzu: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen dem BMI der Eltern und dem ihrer Kinder größtenteils auf gemeinsamen Genen und weniger auf der intrauterinen Umgebung oder dem Erziehungsverhalten beruht.“