Immuntherapie bei Lungenkrebs: Protonenpumpenhemmer schwächen offenbar die Wirkung ab1. Dezember 2021 Chemische Formel von Pantoprazol als Beispiel für einen Protonenpumpenhemmer. Bild: ©Zerbor – stock.adobe.com Protonenpumpenhemmer (PPI) könnten laut einer neuen Studie der Flinders University die Wirksamkeit von Immuntherapien bei Lungenkrebs verringern. Die im „British Journal of Cancer“ veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen von PPI auf Patienten, die sich einer Behandlung wegen eines NSCLC unterziehen, das 85% der Lungenkrebsfälle ausmacht. Die Patienten erhielten entweder eine Chemotherapie oder wurden mit einer Kombination aus Chemotherapie und dem ICI Atezolizumab behandelt. Die Forschenden stellten fest, dass die Anwendung von PPI bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs, die mit Atezolizumab plus Chemotherapie behandelt wurden, mit einem schlechteren Überleben verbunden war, jedoch nicht bei Patienten, die nur eine Chemotherapie erhielten. Erstautor Dr. Ashley M. Hopkins vom Flinders Health and Medical Research Institute in Adelaide, Australien, sagt, es sei wichtig, dass die Auswirkungen von PPI gut verstanden werden. „Magenprobleme und Reflux treten bei Krebspatienten häufig auf, daher ist die Verwendung von Antazida und PPI üblich. Ungefähr 30% der Krebspatienten nehmen sie ein, und zwar normalerweise über einen längeren Zeitraum“, sagt Hopkins. „Besorgniserregend ist, dass diese Medikation oft übermäßig oder unsachgemäß verwendet wird, da sie wenig Schaden anrichtet. Unsere Forschung könnte jedoch darauf hindeuten, dass dieser Ansatz geändert werden muss.“ PPI behandeln eine Reihe von Magenproblemen, indem sie die Säureproduktion in der Magenwand reduzieren, mit Substanzen wie Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol und Rabeprazol. Jüngste Studien haben gezeigt, dass diese Medikation erhebliche Veränderungen der Darmflora verursachen kann, was zu ihren Auswirkungen auf die Krebsimmuntherapie führen könnte. „ICI helfen dem Immunsystem, indem sie T-Zellen aktivieren, die es ihnen ermöglichen, maligne Tumore abzutöten oder zu kontrollieren. Aber auch die Darmflora spielt bei der Regulierung unseres Körpers und seiner Immunfunktion eine wichtige Rolle“, sagt Hopkins. „Wenn die Darmflora betroffen ist, kann dies die Fähigkeit von ICI, das Immunsystem zu aktivieren, unterbinden, was bedeutet, dass die Medikamente einfach nicht so gut wirken, um den Krebs zu bekämpfen.” Wenngleich weitere Studien erforderlich sind, sagen die Forscher, dass es für Onkologen an der Zeit sein könnte, die wahllose Verwendung von PPI für ihre Patienten zu überdenken. „Mit zunehmender Evidenz wird dieser Einfluss bei verschiedenen Krebsarten gesehen, ebenso wie die weltweit zunehmende Verwendung von PPI. Daher ist es dringend notwendig, zu klären, wie genau PPI die Krebstherapie beeinflussen. Anzeichen dafür sind aber sicherlich schon da”, sagte Hopkins.
Mehr erfahren zu: "Nicht bremsen, sondern beschleunigen: Neuer Ansatz in der Krebsforschung" Nicht bremsen, sondern beschleunigen: Neuer Ansatz in der Krebsforschung Was wäre, wenn man Krebs bekämpft, indem man ein wichtiges Enzym gezielt einschaltet, anstelle es auszuschalten? Das hat ein Forschungsteam der Philipps-Universität Marburg erstmals für das Enzym PRMT1 geschafft.
Mehr erfahren zu: "Darmkrebs: Wie BRAF-mutierte Tumoren dem Immunsystem entkommen" Darmkrebs: Wie BRAF-mutierte Tumoren dem Immunsystem entkommen Heidelberger Wissenschaftler haben einen Mechanismus identifiziert, mit dem eine besonders aggressive Form von Darmkrebs der Immunabwehr entkommt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierung des WNT-Signalwegs den Krebszellen dabei hilft, das […]
Mehr erfahren zu: "Anzahl vermeidbarer Behandlungsfehler leicht gestiegen" Anzahl vermeidbarer Behandlungsfehler leicht gestiegen Auch bei medizinischen Eingriffen kommen Pannen vor – und die Folgen können gravierend sein. Besonderes Augenmerk liegt auf Fehlern, die eigentlich nicht vorkommen sollten. Die Dunkelziffer ist hoch.