Immuntherapie: Fortschritte bei soliden Tumoren

Immuntherapien hinken bei soliden Tumoren zwar hinterher, dennoch gibt es Fortschritte. Symbolbild: Nathan Devery com/stock.adobe.com

Bispezifische Antikörper, CAR-T-Zellen, Krebsimpfung: Welche Fortschritte Immuntherapien bei soliden Tumoren gemacht haben, wurde auf dem Deutschen Krebskongress 2026 diskutiert. Das Potenzial ist weiterhin groß – die Herausforderungen allerdings auch.

von Dr. Milo Klesse

Immuntherapien sind aus der Onkologie nicht mehr wegzudenken. Allerdings sind sie noch immer nicht für alle Tumorentitäten gleichermaßen effektiv. Während bispezifische Antikörper und CAR-T-Zelltherapien bei hämatologischen Neoplasien längst fester Bestandteil des Behandlungsrepertoires sind, hinken sie bei soliden Tumoren ein wenig hinterher. Expertinnen und Experten präsentierten auf dem Deutschen Krebskongress, welche Immuntherapien bei soliden Tumoren derzeit untersucht werden und welche besonderen Herausforderungen es dabei zu bewältigen gibt.

Bispezifische Antikörper als kleine Multitalente?

Bispezifische Antikörper (bsAb) fassen sie auch in der soliden Onkologie immer mehr Fuß, wie Dr. Maria-Elisabeth Goebler vom Uniklinikum Würzburg verdeutlichte. So machten bsAB bei soliden Tumoren in den vergangenen Jahren nicht nur einen steigenden Anteil der klinischen Studien, sondern teils auch mehr als 50 Prozent der neu zugelassenen Antikörpertherapeutika aus.

Das prominenteste Beispiel ist der T-Zell-Engager Tarlatamab, der beim kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC) überzeugende Ansprechraten und teils langanhaltende Remissionen zeigte. Dagegen waren die Ergebnisse im neuroendokrinen Prostatakarzinom weniger überzeugend, was die Bedeutung einer präzisen Patientenselektion unterstreicht. Bislang nur in China zugelassen ist dagegen der duale Checkpoint-Inhibitor Cadonilimab, der PD-1 und CTLA-4 gleichzeitig bindet. Anders sieht es im Feld der Signalweg-Inhibition aus. Zanidatamab, der zwei Epitope von HER2 adressiert, erhielt im Juli 2025 auch eine Zulassung durch die EMA. Zenocutuzumab hemmt neben dem HER2- auch den HER3-Rezeptor und ist von der FDA bei NRG1-Fusionstumoren zugelassen.

Die Herausforderungen bei soliden Tumoren lägen vor allem im immunsuppressiven Tumormikromilieu, der Tumorheterogenität, einem potenziellen Antigenverlust, Toxizität sowie physikalischen Barrieren durch das Stroma, erläuterte Goebler. Sie verwies aber auch auf die vielfältigen Möglichkeiten der bsAb, beispielsweise als maskierte Pro-Drugs oder Nanocarrier-Systeme. Ziel sollte es sein, die Selektivität und den therapeutischen Index zu verbessern.

CAR-T-Zelltherapie: Anschub durch Zytokine

Der Erfolg der CAR-T-Zelltherapie ist bei soliden Tumoren bislang begrenzt. Wichtig sei neben der Persistenz und einer starken Expansion vor allem die Gewebepenetration, erklärte Prof. Claudia Rössig vom Uniklinikum Münster. Auch sie nannte als zentrale Hürden die eingeschränkte Tumorinfiltration, stromale Barrieren und ein immunsuppressives Mikromilieu.

Doch wie lassen sich diese überwinden? Ein Ansatz, den auch Rössig verfolgt, ist die Kombination von CARs mit einer stimulierenden Zytokin-Sekretion nach Antigenkontakt. IL-15-verstärkte CAR-T-Zellen haben in bisherigen Studien eine verbesserte Expansion und erste klinische Aktivität gezeigt. In Münster wird derzeit ein Konstrukt getestet, das einen GD2-spezifischen CAR mit IL-18 kombiniert (GD2IL18CART). In einer laufenden Phase-I-Studie wurden bislang 19 Patient:innen behandelt, darunter Patient:innen mit rezidiviertem und/oder refraktärem Neuroblastom, Osteosarkom/Ewing-Syndrom und Brustkrebs. Erste Beobachtungen zeigten eine gute Herstellbarkeit, moderate inflammatorische Toxizität bei niedrigen Dosen, eine deutliche In-vivo-Expansion und erste komplette Remissionen.

T-Zellrezeptor weiter im Fokus

Ähnlich wie CAR-T-Zellen, aber nicht identisch, wirken T-Zellrezeptor(TCR)-modifizierte T-Zellen (TCR-T). Ihre Stärke liegt vor allem in der Erkennung von intrazellulären Tumorantigenen – ein wesentlicher Vorteil bei soliden Tumoren. Allerdings sei diese Form der Therapie stark vom HLA-Typ abhängig, so Prof. Martin Wermke vom Uniklinikum Dresden.

Ein prominentes Zielantigen für TCR-T ist PRAME (Preferentially Expressed Antigen in Melanoma). In der Phase-I-Studie IMA203-101 mit Anzutresgene Autoleucel wurden austherapierte Melanompatient:innen vom Typ HLA-A*02:01 behandelt. Es zeigte sich ein günstiges Sicherheitsprofil ohne Toxizitäten vom Grad 4 oder 5. Mehr als 50 Prozent der Melanompatient:innen erreichten ein objektives Ansprechen, häufig mit langanhaltenden Remissionen über mehrere Jahre. Ein Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) trat meist früh und milde auf, Neurotoxizität wurde nur selten beobachtet. In den USA gibt es inzwischen eine Zulassung, allerdings mit Kosten im sechsstelligen Bereich.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Therapie mit tumorinfiltrierenden T-Zellen (TIL). Diese werden operativ aus dem Tumor gewonnen, ex vivo expandiert und anschließend zurück in die Patient:innen überführt. Vorteil dieser Therapie: Da es sich um native T-Zellen handelt ist die Immunreaktion potenziell gegen multiple Antigene gerichtet. Auch hier erfolgte durch die FDA bereits eine Zulassung (Lifileucel).

Mit Peptiden gegen Krebs impfen

Vielversprechend scheint auch die Peptid-basierte Immuntherapie. Ziel dieser Krebsimpfung ist nicht die Prävention, sondern die gezielte Induktion tumorspezifischer T-Zell-Antworten bei bestehender Erkrankung. Wie geeignete Antigene identifiziert werden können, zeigt Dr. Jens Bauer am Beispiel der Uniklinik Tübingen. Hier erfolgt die Identifikation mittels Massenspektrometrie durch die direkte Analyse natürlich präsentierter HLA-Peptide. Neben mutierten Neoantigenen erweitern nicht-mutierte tumorassoziierte Antigene, kryptische Peptide aus nicht-kodierenden Regionen, therapieinduzierte Antigene sowie lösliche HLA-Liganden das Spektrum der verfügbaren Targets.

Zentral sei die Formulierung mit einem potenten Adjuvans wie beispielsweise XS15, erklärte Bauer außerdem. Die Applikation erfolgt subkutan, die Nebenwirkungne sind gering. In der iVAC-XS15-CLL01-Studie konnte so bei CLL-Patient:innen im MRD-Stadium in 90 bis 95 Prozent der Fälle eine robuste T-Zell-Antwort induziert werden. Eine signifikante MRD-Reduktion korrelierte dabei mit der Stärke der Immunantwort.

Fazit

Insgesamt scheinen die neueren Immuntherapien also auch bei soliden Tumoren klinisch relevante Fortschritte zu erzielen. Gleichzeitig verdeutlichen die Daten den weiterhin großen Bedarf an der Optimierung bestehender und Entwicklung neuer Therapieansätze. Einig sind sich die Vortragenden vor allem dabei, dass auch bei soliden Tumoren die Zukunft in der Kombination verschiedener Ansätze liegt.

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Quellen Immuntherapie 2.0: Wohin geht die Reise bei soliden Tumoren?, Schnittstellen-Sitzung auf dem DKK, 19.02., 16:45 - 17:45 Uhr