Implantation des weltweit kleinsten Herzschrittmachers am Rotkreuzklinikum München

Eine Kapsel so groß wie eine 1-Euro-Münze. Foto: ©Medtronic

Eine Kapsel, so klein wie eine Fingerkuppe: Die Kardiologie des Rotkreuzklinikums München hat jetzt als eines von wenigen zertifizierten Zentren das neue Micra™-AV-System bei einem Patienten eingesetzt – den weltweit kleinsten Herzschrittmacher, der völlig ohne Sonden auskommt.

Der Herzschrittmacher ist für den Patienten unsichtbar und minimiert zugleich das Risiko einer Infektion. Er wurde für die Behandlung von Patienten mit AV-Block entwickelt. Anders als sein Vorgänger kann das Modell der zweiten Generation auf Basis eines speziellen Algorithmus atrioventrikuläre (AV) Synchronität gewährleisten.

Chefkardiologe Christian van Bary führte die Implantation des Mini-Herzschrittmachers durch. Foto: ©Rotkreuzklinikum München

Die Implantation der Kardiokapsel am Rotkreuzklinikum München führte der Chefarzt der Kardiologie, Prof. Christian von Bary, durch. Der Mediziner zeigt sich begeistert von dem Mini-Herzschrittmacher, den er als „medizintechnologisches Meisterwerk“, betrifft. Weltweit ist der kleinste HSM der Welt bereits bei 130.000, in Westeuropa bei 25.000 Patienten im Einsatz. In München sind bisher sieben Kliniken für dieses Verfahren zertifiziert.

Kleinster Herzschrittmacher der Welt

„Der größte Vorteil der innovativen Kardiokapsel ist, dass es kein Wundgebiet mehr gibt, denn es muss kein Schnitt gemacht werden, um das Gerät unter der Haut bzw. dem Brustmuskel zu implantieren und Sonden bis zum Herzen zu schieben. Das reduziert das Infektionsrisiko erheblich, welches bei der Implantation herkömmlicher Herzschrittmacher eine gefährliche Komplikation darstellen kann“, erklärt von Bary. „Den ca. 30- bis 45-minütigen minimalinvasiven Eingriff kann man sich dabei wie eine Art Miniatur-Raumkapsel vorstellen, die für den Patienten völlig schmerzfrei über die Leistenvene bis ins Herz transportiert und dort verankert wird.“

Keine Standardtherapie

Auch wenn die Technik der zweiten Kardiokapsel-Generation enorm fortgeschritten ist, wird sie den herkömmlichen Herzschrittmacher nicht ersetzen, denn sie ist nur bei bestimmten Indikationen geeignet. Von Bary erläutert: „Natürlich ist das sondenlose Herzschrittmachersystem attraktiv, denn es hinterlässt darüber hinaus keine Narben und gerade bei Patienten mit veranlagtem erhöhtem Infektionsrisiko oder bei jenen, deren Gefäße keinen Sondenzugang zum Herzen ermöglichen, schließt es eine bedeutende Versorgungslücke. Doch die Batterie hat eine Lebensdauer von ca. zehn Jahren. Die Kapsel verbleibt danach im Körper, ohne dass der Patient sie bemerkt. Danach kann im Hinblick auf den vorhandenen Platz in der Herzkammer noch eine weitere Kapsel implantiert werden.“

Ein konventionelles Herzschrittmachersystem muss ebenfalls nach zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden, dies ist jedoch theoretisch unbegrenzt möglich. Dies müsse vor allem bei jüngeren Patienten mit einer Lebenserwartung von mehr als 20 Jahren beachtet werden. „Daher gilt es immer, sich ausführlich mit dem behandelnden Arzt zu besprechen und für den Patienten die Lösung zu finden, die individuell am besten geeignet ist – und die vor allem zur Heilung führt“, kommentiert der Chefarzt. Die Kosten beider Verfahren werden von der gesetzlichen Krankenkasse getragen.