Implantierbarer Herzmonitor sagt bedrohliche Komplikationen nach Herzinfarkt voraus1. Februar 2022 Studienleiter Axel Bauer, Direktor Univ.-Klinik Innere Medizin III. Foto: Florian Lechner/MUI Ein kleiner Monitor unter der Haut erkennt bei Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt frühzeitig Vorboten gefährlicher Komplikationen. Das Implantat ist der herkömmlichen Nachsorge deutlich überlegen, wie eine neue Forschungsarbeit in „The Lancet Digital Health“ zeigt. Ohne jegliche Vorwarnung erleidet eine beträchtliche Zahl von Patientinnen und Patienten in den Monaten nach einem überstandenen Herzinfarkt schwere, mitunter tödliche Komplikationen. Dies geschieht meist aus dem vermeintlichen Wohlbefinden heraus. Die Herzleistung der meisten dieser Betroffenen ist noch relativ gut. Gewöhnliche Nachsorgeuntersuchungen können drohende Komplikationen wie akute Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfälle, erneute Herzinfarkte oder Tod daher oft nicht rechtzeitig erkennen. Ein fortschrittliches, telemedizinisches Verfahren, bei welchem ein winziger Herzmonitor unter die Haut eingesetzt wird, soll helfen, diese Komplikationen frühzeitig vorherzusagen. Im Jahr 2016, damals noch am Klinikum der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität tätig, initiierte Axel Bauer – seit 2019 Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin III in Innsbruck – im Forschungsverbund des Deutschen Zentrums für Herzkreislaufforschung (DZHK) die SMART-MI-DZHK9 Studie. Die Ergebnisse wurden erstmals im August dieses Jahres auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie im Rahmen einer Hotline-Session präsentiert und jetzt vom bedeutenden Fachjournal „The Lancet Digital Health“ publiziert: Der implantierbare Monitor spürte innerhalb von 21 Monaten bei 60 von 201 Patientinnen und Patienten schwere, meist jedoch asymptomatische Rhythmusereignisse auf. In der Kontrollgruppe, die aus 199 Herzinfarktpatientinnen und -patineten ohne Telemonitoring bestand, konnten im Rahmen der üblichen Nachsorge im selben Zeitraum lediglich zwölf derartiger Ereignisse entdeckt werden. „Die Kernaussage ist, dass der Monitor sehr empfindlich gefährliche, jedoch asymptomatische Rhythmusereignisse detektiert, die wiederum Vorboten schwerer klinischer Ereignisse sind. Schwere Probleme können somit viel frühzeitiger erkannt und Hochrisikopatienten zukünftig besser behandelt werden.“ In die Studie eingeschlossen wurden Personen nach überstandenem Herzinfarkt, deren Herzleistung noch relativ erhalten war (Auswurffraktion zwischen 36 bis 50 Prozent), die jedoch Infarkt-bedingte Nervenschädigungen des Herzens aufwiesen. „Während wir bei Patientinnen und Patienten mit einer Auswurffraktion unter 35 Prozent wegen des hohen Risikos für Rhythmusstörungen vorsorglich einen Defibrillator implantieren, gibt es für die große Gruppe von Betroffenen mit einer mittleren Pumpleistung bisher keine spezifischen Vorsorgemaßnahmen“, sagt Hauptautor Axel Bauer. Der unter die Haut implantierte Herzmonitor ist so klein wie ein Fingernagel. Es handelt sich dabei um ein passives Gerät, das elektrische Information des Herzens kontinuierlich über mehrere Jahre aufzeichnet. Gefährliche Rhythmusstörungen werden automatisch erkannt und telemetrisch an ein Zentrum übermittelt. An der SMART-MI-DZHK9 Studie nahmen 32 Herzzentren in Deutschland teil. Die Uniklinik für Innere Medizin III in Innsbruck war als einziges österreichisches Zentrum beteiligt. Patientinnen und Patienten, bei welchen telemedizinisch gefährliche Rhythmusstörungen diagnostiziert wurden, sind entsprechend der gegenwärtigen Richtlinien behandelt worden. Zukünftige Studien müssen nun klären, inwieweit sich durch diese telemedizinische Strategie auch langfristig die Prognose der Patientinnen und Patienten verbessern lässt.
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