Implantierter Monitor kann bedrohliche Komplikationen nach Herzinfarkt vorhersagen8. September 2021 Studienleiter Alex Bauer von der Medizinischen Universität Innsbruck. Foto: privat Ein implantierter Herzmonitor erkennt bei Menschen nach überstandenem Herzinfarkt mehr Vorboten gefährlicher Komplikationen als die herkömmliche Nachsorge. Das ist das Ergebnis einer auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) vorgestellten Studie von Forschenden des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung. Der daumennagelgroße Monitor wurde den Betroffenen minimalinvasiv unter der Haut eingepflanzt. Im Fokus der Studie standen Patientinnen und Patienten, die nach einem überstandenen Infarkt eine Auswurffraktion zwischen 36 und 50 Prozent und Störungen der Herzsteuerung durch das autonome Nervensystems aufwiesen. „Die Herzleistung dieser Patienten ist noch relativ gut, trotzdem erleiden viele von ihnen im Verlauf lebensbedrohliche Komplikationen“, sagt Studienleiter Prof. Axel Bauer von der Medizinischen Universität Innsbruck. Liegt die Auswurffraktion nach einem Infarkt unter 35 Prozent, gilt der entstandene Herzmuskelschaden als groß und Komplikationen wie bösartige Rhythmusstörungen sind häufig. Den Betroffenen wird vorbeugend ein Defibrillator implantiert, der im Falle von gefährlichen Arrhythmien Stromstöße abgibt und das Herz wieder in den Takt bringt. Mehrzahl der tödlichen Komplikationen bei mittlerer Herzleistung „Die überwiegende Mehrzahl tödlicher und nicht-tödlicher Komplikationen nach einem Infarkt tritt jedoch bei der großen Gruppe von Patienten mit einer Auswurffraktion von über 35 Prozent auf, für die es keine spezifischen Präventionsmaßnahmen gibt“ so Bauer. Aus früheren Studien mit Menschen mit schwer eingeschränkter Herzleistung wissen die Forschenden, dass schweren Komplikationen oft symptomlose Rhythmusstörungen vorausgehen können, die in der konventionellen Nachsorge nicht auffallen. Die Studie SMART-MI-DZHK9 hat nun untersucht, ob implantierbare Monitore solche frühen Herzrhythmusstörungen bei Patientinnen und Patienten mit mittlerer Herzleistung erkennen können. Eingeschlossen wurden nur solche Personen, bei denen das EKG auch auf eine Nervenschädigung durch den Infarkt hindeutete, die also eine kardiale autonome Neuropathie hatten. Diese sind besonders gefährdet für Rhythmusstörungen und anderweitige Komplikationen. Die insgesamt 400 Studienteilnehmenden wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Studiengruppe wurde mit dem Herzmonitor telemedizinisch überwacht, die Kontrollgruppe erhielt die normale Nachsorge. In der Monitorgruppe entdeckten die Forschenden innerhalb von 21 Monaten bei 60 Patientinnen und Patienten vordefinierte schwere Rhythmusereignisse, in der Kontrollgruppe nur bei 12. Die Betroffenen aus beiden Gruppen erhielten daraufhin die entsprechenden diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, die beispielsweise aus der Implantation von Defibrillatoren oder Herzschrittmachern, elektrophysiologischen Untersuchungen, Katheterablationen oder der Gabe von Blutverdünnern bestehen konnten. Diese Maßnahmen wurden von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten nach eigenem Ermessen, aber in Übereinstimmung mit den geltenden Leitlinien, durchgeführt. Keinen Unterschied bei der Behandlung machen Wie sich durch das frühzeitige Behandeln der arrhythmischen Vorboten langfristig auch tödliche oder schwere Komplikationen bei dieser Patientengruppe am besten verhindern lassen, müssen nun zukünftige Studien untersuchen. Da die untersuchten Patientinnen und Patienten jedoch ein ähnliches Risiko haben, wie jene mit stark erniedrigter Auswurffraktion, sollten sie auch eine entsprechend intensive Nachsorge erhalten, findet Bauer: „Unsere Studie unterstützt den Einsatz von implantierten Herzmonitoren bei Hochrisikopatienten nach einem Herzinfarkt mit mäßig reduzierter Auswurffraktion und kardialer autonomer Dysfunktion als sensibles Instrument für eine kontinuierliche Risikoüberwachung.“
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