Forscher: “In Deutschland werden nur 15 Prozent der SARS-Cov-2-Infektionen erkannt”6. April 2020 Female young scientist with microscope looking biology test slide with Corona virus or Covid-19 text on white background in Medical laboratory Ist die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus womöglich in allen betroffenen Ländern deutlich höher als bislang angenommen? Wissenschaftler der Universität Göttingen vermuten, dass weltweit bislang im Durchschnitt nur etwa sechs Prozent aller Infektionen nachgewiesen wurden. Um die Qualität der offiziellen Fallaufzeichnungen zu prüfen, nutzten die Entwicklungsökonomen Dr. Christian Bommer und Prof. Sebastian Vollmer Schätzungen der Mortalität von COVID-19 und der Zeit bis zum Tod aus einer kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichten Studie. Ihre Berechnungen implizieren nach hren eigenen Angaben, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten weltweit bereits mehrere zehn Millionen erreicht haben könnte. Ihre Ergebnisse sind online verfügbar. Unzureichende und verzögerte Tests könnten nach Meinung der Wissenschaftler erklären, warum einige europäische Länder wie Italien und Spanien viel höhere Opferzahlen (im Vergleich zu den gemeldeten bestätigten Fällen) aufweisen als Deutschland. Hier seien bislang schätzungsweise 15,6 Prozent der Infektionen festgestellt worden, verglichen mit nur 3,5 Prozent in Italien oder 1,7 Prozent in Spanien, erklären die Göttinger. Die Entdeckungsraten seien in den USA (1,6%) und in Großbritannien (1,2%) sogar noch niedriger – zwei Länder, die von Experten des öffentlichen Gesundheitswesens wegen ihrer verzögerten Reaktion auf die Pandemie weithin kritisiert wurden. In scharfem Gegensatz dazu scheine Südkorea fast die Hälfte aller seiner SARS-CoV-2-Infektionen entdeckt zu haben, glauben Bommer und Volmer. Sie schätzen, dass bis zum 31. März 2020 in Deutschland 460.000 Infektionen aufgetreten waren. Auf der Grundlage der gleichen Methode berechnen die Göttinger Wissenschaftler, dass in den USA mehr als zehn Millionen, in Spanien mehr als fünf Millionen, in Italien etwa drei Millionen und in Großbritannien etwa zwei Millionen Infektionen aufgetreten sind. Am selben Tag berichtete die Johns Hopkins University, dass es weltweit weniger als 900.000 bestätigte Fälle gab, was laut den Göttingern bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Infektionen bislang unentdeckt blieb. „Diese Ergebnisse bedeuten, dass Regierungen und politische Entscheidungsträger bei der Interpretation der Fallzahlen zu Planungszwecken äußerste Vorsicht walten lassen müssen. Solche extremen Unterschiede in Umfang und Qualität der in den verschiedenen Ländern vorgenommenen Tests bedeuten, dass die offiziellen Fallzahlen keine hilfreichen Informationen liefern“, erklärt Vollmer. Bommer ergänzt: „Die Fähigkeit, neue Infektionen zu erkennen und damit die Ausbreitung des Virus einzudämmen, muss dringend verbessert werden.“
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