InfectControl bündelt Kompetenzen zur Bewältigung der Corona-Krise28. Juli 2020 Foto: © MQ-Illustrations/Adobe Stock Das Forschungsbündnis InfectControl konzentriert seine Kompetenzen an den Standorten Berlin, Braunschweig, Greifswald, Jena und Würzburg und trägt mit interdisziplinären Projekten zur Bewältigung der SARS-CoV-2-Pandemie bei. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt die Vorhaben mit rund 4,5 Millionen Euro. Die nun bewilligten Projekte begegnen der aktuellen Corona-Pandemie aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wie der Prävention, Diagnostik und Therapie. „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von InfectControl können auf ein etabliertes Netzwerk von Expertisen unterschiedlicher Disziplinen zurückgreifen, dazu gehören human- und veterinärmedizinische Forschung, aber auch Architektur, Sozialwissenschaften oder Epidemiologie. Die transdisziplinäre Arbeit ist eine der Stärken unseres Bündnisses zur Erforschung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten“, so Axel Brakhage, Sprecher von InfectControl. Er ist Professor für Mikrobiologie und Molekularbiologie an der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) in Jena und Direktor des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (Leibniz-HKI). Projekte zur Bekämpfung der SARS-CoV-2-Pandemie Architekten der TU Braunschweig entwickeln gemeinsam mit Medizinern der Charité – Universitätsmedizin Berlin bauliche Lösungen, um den Eintritt des Erregers in Krankenhäusern und Altenheimen und damit verbundene Ausbrüche künftig zu kontrollieren. Die Ergebnisse fließen in ein Musterkonzept, das in der Charité getestet wird. Ob und wie dieses Modell auf weitere Einrichtungen übertragen werden kann, will das interdisziplinäre Team ebenso untersuchen. Um das Infektionsgeschehen besser einschätzen und Maßnahmen zielgerichteter planen zu können, beschäftigen sich weitere Vorhaben mit sinnvollen Überwachungskonzepten. So untersuchen Veterinärmediziner des Friedrich-Loeffler-Instituts Greifswald – Insel Riems (FLI), ob Nutz- und Haustiere bei der Verbreitung des Virus eine Rolle spielen können. Anhand einer mathematischen Modellierung wollen die Forschenden analysieren, unter welchen Bedingungen infizierte Tiere die Pandemie beeinflussen könnten. Mikrobiologen, Kinderärzte, Allgemeinmediziner und Kinderpsychiater der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) sowie der Würzburger Uniklinik überwachen zudem das Infektionsgeschehen in Kinderbetreuungseinrichtungen. Sie testen, welche Monitoring-Konzepte eine Infektionsausbreitung in Kitas weitgehend reduzieren und von Kindern, Eltern und Betreuern akzeptiert werden. Ein Team des Leibniz-HKI in Jena forscht gemeinsam mit Kollegen der FSU Jena, der JMU Würzburg sowie des FLI Greifswald an einem neuen therapeutischen Konzept gegen SARS-CoV-2. Die Forschenden wollen hierzu menschliche Immunzellen aktivieren, die Viruspartikel im Körper zu erkennen und zu beseitigen. In aufwendigen Laborexperimenten prüfen sie die Anwendbarkeit des Konzepts und wollen den Weg für eine kommerzielle Herstellung ebnen. COVID-19-Patienten haben eine lange Verweildauer auf Intensivstationen. Durch die Schwere der Erkrankung müssen sie darüber hinaus oft künstlich beatmet werden. Mediziner und Hygieniker der Charité möchten deshalb herausfinden, ob weitere im Krankenhaus erworbene sogenannte Superinfektionen bei COVID-19-Fällen häufiger vorkommen als bei anderen Intensivpatienten. In diesem Zusammenhang wollen die Forschenden ebenso untersuchen, ob signifikant häufiger multiresistente Keime dafür verantwortlich sind. Damit würde COVID-19 die weltweite Problematik der Antibiotikaresistenzen weiter verschärfen.
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