Influenza in der Schwangerschaft begünstigt erhöhte Infektanfälligkeit der Nachkommen19. August 2021 Foto: ©Oleshko Artem – stock.adobe.com Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) in Hamburg haben mithilfe eines neuen Tiermodells untersucht, ob Nachkommen von Influenza-A-Virus-infizierten Müttern in ihrem späteren Leben anfälliger für andere Infektionen sind. Schwangere Frauen gehören zur größten Risikogruppe für schwere, teilweise tödliche Grippeverläufe. Ob eine durchgemachte Influenza in der Schwangerschaft auch die spätere Gesundheit der Nachkommen beeinflusst, war bislang unbekannt. Die aktuelle Studie zeigt nun mithilfe eines neuen Two-Hit-Mausmodells, dass eine moderate Influenza in der Schwangerschaft die Infektanfälligkeit der Nachkommen gegenüber anderen Viren sowie Bakterien besonders im frühen Leben erhöht. Die hierfür zugrundeliegenden Mechanismen sind vielfältig. Dabei spielen vor allem drei Faktoren eine wichtige Rolle: 1. Eine Influenzavirus-induzierte Immunaktivierung in der Lunge, 2. ein niedriges Geburtsgewicht und 3. eine funktionelle Beeinträchtigung der fetalen alveolaren Makrophagen, Infektionen zu erkennen und zu eliminieren. Schlüsselmoleküle, welche zu diesem erhöhten Risiko der Nachkommen von Influenza-infizierten Müttern führen, wie inflammatorische Cytokine in der Lunge der Mutter, werden auch von anderen respiratorischen Viren induziert (u.a. von SARS-CoV-2). „Es gibt bereits mehrere unabhängige Hinweise aus humanen Studien, dass Kinder, deren Mütter eine Influenza in der Schwangerschaft hatten, in den ersten Lebensmonaten ein erhöhtes Infektionsrisiko besitzen. Bislang waren dies Assoziationsstudien. Die Befunde in dem neuen Tiermodell zeigen nun zum ersten Mal, dass es hier eine klare Kausalität zwischen der Virusinfektion in der Schwangerschaft und der erhöhten Vulnerabilität der Nachkommen gegenüber Infektionen gibt“, erläutert Prof. Gülşah Gabriel, Leiterin der HPI-Abteilung „Virale Zoonosen – One Health“ und Professorin an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, die Ergebnisse. „Diese Studien zeigen wiederholt, dass schwangere Frauen einen besonderen Schutz in Epidemien und Pandemien brauchen, um sich selbst, aber auch die nächste Generation zu schützen“, unterstreicht Gabriel die Bedeutung der in der Studie erlangten Erkenntnisse. Originalpublikation: Jacobsen H et al. Offspring born to influenza A virus infected pregnant mice have increased susceptibility to viral and bacterial infections in early life. Nat Commun 2021;12:4957.
Mehr erfahren zu: "Gesundheitsminister Philippi fordert Garantie für Facharzttermine binnen vier Wochen" Gesundheitsminister Philippi fordert Garantie für Facharzttermine binnen vier Wochen Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi will, dass das angestrebte Primärarztsystem mit der Garantie verbunden wird, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen.
Mehr erfahren zu: "Höheres Mindestalter für Alkohol verbessert Lernen und Psyche" Höheres Mindestalter für Alkohol verbessert Lernen und Psyche Eine Studie der Universität Zürich zeigt anhand spanischer Reformen, dass Jugendliche deutlich weniger Alkohol trinken, wenn das Mindestalter für Alkoholkonsum erhöht wird. Der rückläufige Konsum führt zugleich zu besseren schulischen […]
Mehr erfahren zu: "Inkonsistente Schlafmuster bei Jugendlichen beeinträchtigen das Gehirn" Inkonsistente Schlafmuster bei Jugendlichen beeinträchtigen das Gehirn Sozialer Jetlag kann erhebliche negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und die kognitiven Funktionen von Jugendlichen haben. Darauf deuten die Ergebnisse einer aktuellen Studie hin.