Inhalative Bedarfstherapie: Übermäßiger Gebrauch erhöht Herzinfarktrisiko bei Asthma und COPD2. September 2026 Abbildung: dragonstock/stock.adobe.com Laut einer neuen Studie ist eine zu intensive Nutzung inhalativer Bedarfsmedikamente bei Patienten mit Asthma oder Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Die Autoren der Arbeit, die in „ERJ Open Research“ erschienen ist, nennen explizit Herzinsuffizienz, Herzinfarkt und ischämischem Schlaganfall als kardiovaskuläre Erkrankungen, für die das Risiko in dieser Patientenpopulation unter diesen Umständen erhöht ist – ebenso wie das Risiko für dadurch bedingte Mortalität. Prof. Lies Lahousse, eine der Hauptautorinnen der Studie von der Universität Gent (Belgien) und dem Erasmus MC Rotterdam (Niederlande), erklärt: „Der übermäßige Gebrauch kurzwirksamer Bronchodilatatoren ist weit verbreitet. Wir wissen, dass fast jeder fünfte Asthma-Patient und jeder dritte COPD-Patient diese Inhalatoren zu intensiv nutzt. Sowohl bei Asthma als auch bei COPD stellten wir fest, dass ein verstärkter Gebrauch dieser Inhalatoren mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod einherging. Dabei stieg das Risiko mit der Anzahl der pro Jahr verbrauchten Inhalatoren weiter an. Die übermäßige Nutzung kurzwirksamer Bronchodilatatoren ist meist die Folge einer unzureichenden Krankheitskontrolle.“ SABA, SAMA und Mortalitätsrisiko Für ihre Studie untersuchten die Autoren Real-World-Daten aus der Primär- und Sekundärversorgung von mehr als 280.000 COPD- und Asthma-Patienten in Belgien. Diese hatten zur Behandlung ihrer jeweiligen Erkrankung entweder kurzwirksame Beta-Agonisten (SABA), kurzwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten (SAMA), beides oder keine kurzwirksamen Bronchodilatatoren eingesetzt. Die Forscher berücksichtigten in ihrer Untersuchung Unterschiede hinsichtlich Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, Rauchverhalten, Unterbringung in Pflegeheimen, Schweregrad der Erkrankung sowie Begleiterkrankungen oder Begleitmedikationen. Im Vergleich zur Nichtanwendung erhöhten SABA-Bronchodilatatoren das Mortalitätsrisiko bei Asthmapatienten um zwölf Prozent und bei COPD-Patienten um 14 Prozent. Bei SAMA-Bronchodilatatoren stieg das Sterberisiko um 73 beziehungsweise 36 Prozent. Zudem untersuchten die Forschenden, wie sich die Anzahl der pro Jahr verwendeten Inhalatoren auf die kardiovaskuläre Gesundheit auswirkte. Sie stellten fest, dass die Verwendung von drei oder mehr Inhalatoren pro Jahr (für einen der beiden Bronchodilatatorentypen) mit einem erhöhten Sterberisiko einherging – verglichen mit der Verwendung von zwei oder weniger Inhalatoren jährlich. Patienten ohne vorbestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwiesen sich als anfälliger für kardiovaskuläre Probleme infolge einer zu intensiven Anwendung der Inhalatoren. Zu intensiven Gebrauch als Warnsignal verstehen „Eine übermäßige Nutzung kurzwirksamer Bronchodilatatoren ist ein Warnsignal, das auf eine unkontrollierte Entzündung der Atemwege hinweist und eine ärztliche Überprüfung der Behandlung erforderlich macht“, unterstreicht Lahousse. „Patienten sollten dies zum Anlass nehmen, ihre Lungenfunktion untersuchen zu lassen. Für medizinisches Fachpersonal sollte es ein Signal sein, die Therapietreue sowie die Inhalationstechnik anhand der Behandlungsleitlinien zu überprüfen. Die Studienautoren unterstreichen die Notwendigkeit einer Aufklärung der Patienten darüber, dass kurzwirksame Bronchodilatatoren die Atemwegsmuskulatur nur kurzzeitig entspannen. „Unkontrolliertes Asthma und COPD sind bereits an sich mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod verbunden. Kommt eine zu intensive Nutzung von SABA- und SAMA-Bronchodilatatoren hinzu – die beide als Nebenwirkung eine beschleunigte, unregelmäßige Herzfrequenz verursachen können –, verstärken sich diese Risiken noch weiter. Ein übermäßiges Vertrauen auf eine mit diesen Medikamenten einhergehende kurzfristige Linderung kann dazu führen, dass die Aktivität der Grunderkrankung ungehindert fortschreitet. Unsere Studie soll Ärzte darauf aufmerksam machen, dass eine übermäßige Anwendung weit verbreitet ist und mit unerwünschten Wirkungen einhergehen kann – selbst bei Patienten ohne kardiologische Vorgeschichte.“ Das Team plant nun zu untersuchen, ob sich eine Übernutzung der Bedarfsmedikation durch eine striktere Einhaltung der Dauertherapie vermeiden lässt und ob eine kardiovaskuläre Risikobewertung oder spezifische kardiovaskuläre Therapien die Risiken für die Patienten senken könnten. Zudem soll untersucht werden, ob ein übermäßiger Gebrauch kurzwirksamer Bronchodilatatoren in der hausärztlichen Versorgung das medizinische Fachpersonal dazu veranlasst, die Lungenfunktion zu überprüfen und das Krankheitsmanagement genauer zu überwachen. Dr. Pavol Pobeha von der Pavol-Jozef-Šafárik-Universität in Košice (Slowakei) leitet die Expertengruppe der European Respiratory Society für das Monitoring von Atemwegserkrankungen (ERS Assembly 5, Group 05.02). Er kommentiert: „Wir benötigen verbesserte Überwachungssysteme, die ein Warnsignal geben, wenn Patienten kurzwirksame Bronchodilatatoren übermäßig einsetzen. Dies würde es Ärzten ermöglichen, ihre Patienten durch optimale Behandlung und Betreuung bei der Symptomkontrolle zu unterstützen. Auf diese Weise können Patienten und medizinisches Fachpersonal den Nutzen der Medikation maximieren und gleichzeitig die Risiken minimieren.“ (ac/BIERMANN)
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