Injizierbare HIV-Medikamente sind auch für Jugendliche sicher

Dr. Aditya Gaur vom St. Jude Department of Infectious Diseases, der die IMPAACT 2017-Studie, auch bekannt als More Options for Children and Adolescents (MOCHA)-Studie, mitleitet. (Foto: © St. Jude Children’s Research Hospital)

Nach einer Infektion mit dem HI-Virus (HIV) können antiretrovirale Wirkstoffe die Vermehrung des Virus im Körper unterdrücken. Voraussetzung hierfür ist die tägliche Einnahme der Medikamente, was insbesondere Heranwachsenden schwer fällt. Aktuelle Studienergebnisse zeigen nun, dass jugendliche HIV-Patienten auch von injizierbaren intramuskulären antiviralen Medikamenten profitieren.

So fand eine vom National Institutes of Health (NIH) finanzierten klinischen Studie des International Maternal Pediatric Adolescent AIDS Clinical Trials (IMPAACT) Network bei Jugendlichen mit HIV, die nach Umstellung von oralen HIV-Medikamenten fast ein Jahr lang die injizierbaren intramuskulären antiviralen Medikamente Cabotegravir und Rilpivirin erhalten hatten, keine größeren Sicherheitssignale. Die Jugendlichen zeigten eine anhaltende Virusunterdrückung und bevorzugten die neue Behandlungsmethode deutlich. 

„Dies ist das erste Mal in ihrem Leben, dass diese Jugendlichen die tägliche Einnahme oraler Medikamente zur HIV-Behandlung offiziell einstellen und nur noch alle acht Wochen zwei Injektionen erhalten konnten“, erklärte Dr. Aditya Gaur, Abteilung für Infektionskrankheiten am St. Jude, der die IMPAACT-2017-Studie mitleitet. „Nach einem Jahr scheint dieser Behandlungsansatz sicher zu sein und wird von Jugendlichen gut vertragen und akzeptiert.“

Alle injizierbaren Behandlungsschemata sind sicher

Jugendliche mit HIV müssen derzeit täglich orale Medikamente einnehmen, um das Virus unter Kontrolle zu halten. Die tägliche Einnahme von Medikamenten ist jedoch – wie bei jeder chronischen Erkrankung – nicht einfach. Insbesondere Heranwachsende haben häufig Schwierigkeiten, sich an die Medikamenteneinnahme zu halten. 

Die nun veröffentlichten Ergebnissen stellen nach Angaben der Forschenden die bislang längste und größte multinationale Erfahrung mit dieser ersten vollständig injizierbaren HIV-Behandlung bei einer vielfältigen Gruppe von virologisch supprimierten Jugendlichen dar. Die Ergebnisse zeigen, dass nach 48 Wochen keine Sicherheitsbedenken bestanden und die Viruslasten weiterhin supprimiert waren.

„Wir haben keine unerwarteten Sicherheitssignale bei der ersten vollständig injizierbaren retroviralen Kombinationstherapie in dieser jugendlichen Population beobachtet“, berichtet Gaur. „Wir haben die erwarteten Konzentrationen jedes Medikaments gesehen, von denen bekannt ist, dass sie bei Erwachsenen wirksam sind, und eine anhaltende virologische Kontrolle festgestellt.“

Als langwirksame injizierbare antivirale Medikamente als Alternative zu täglich einzunehmenden oralen Medikamenten auf den Markt kamen, war dies ein wichtiger Meilenstein für die Prävention und Behandlung von HIV. Der aktuelle Bericht aus der IMPAACT 2017/MOCHA-Studie bewertete die Sicherheit, antivirale Aktivität und Pharmakokinetik der ersten vollständig injizierbaren HIV-Behandlung mit Cabotegravir und Rilpivirin, die alle zwei Monate intramuskulär bei Jugendlichen mit HIV aus aller Welt verabreicht wurde.

Dieses Behandlungsschema wurde bereits von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA und einer wachsenden Zahl anderer Aufsichtsbehörden weltweit für Jugendliche mit HIV ab zwölf Jahren und einem Körpergewicht von mindestens 35 Kilogramm zugelassen, basierend auf früheren klinischen Ergebnissen der IMPAACT 2017/MOCHA-Studie.

Welche Art von Behandlung wünschen Jugendliche?

Es sei wichtig zu wissen, dass die vollständig injizierbare antivirale HIV-Behandlung für Patienten sicher ist, jedoch sei die Therapie nur dann wirksam, wenn die Patienten bereit seien, sie anzuwenden, erklärten die Forschenden. Daher untersuchten sie, wie gut die Patienten die injizierbaren Medikamente akzeptierten und vertrugen. Nach 48 Wochen gaben 100 Prozent der Teilnehmer an, dass sie die injizierbare Therapie den oralen Medikamenten vorziehen würden. Darüber hinaus setzte die Mehrheit (140) der ursprünglich 144 Teilnehmer der Studie die Behandlung über den gemeldeten Zeitraum von 48 Wochen fort, was auf eine hohe Akzeptanz hindeutet.

„Es ist sehr spannend, in eine Ära langwirksamer Medikamente gegen HIV einzutreten“, erklärte Gaur. „Dank der Beiträge der Studienteilnehmer, ihrer Familien, der Mitarbeiter vor Ort, des Studienteams und der Zusammenarbeit zwischen den NIH, ViiV Healthcare und Johnson & Johnson, die diese Studie ermöglicht haben, können wir den Patienten nun mehr Optionen anbieten, wie beispielsweise diese injizierbaren Medikamente, die sie von der täglichen Einnahme von Medikamenten befreien und auf die Präferenzen der Patienten zugeschnitten werden können.“