Innovationspreis: Ideencafé in der Notaufnahme25. Mai 2021 Bild: ©REDPIXEL – stock.adobe.com Der Springer Medizin Verlag vergibt zum zweiten Mal den Innovationspreis für interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen. Das Siegerprojekt „Impulse für Quittendenker“ kommt von der Notaufnahme Süd des Klinikums Nürnberg. Steigende Patientenzahlen, überlastetes Personal, Beschwerden, Kündigungen: Oft ziehen Unternehmen dann externe Berater heran, um Prozesse und Abläufe zu optimieren. Die Zentrale Notaufnahme Süd am Klinikum Nürnberg ging einen anderen Weg: Alle 70 Mitarbeitenden – von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt – entwickelten in einem „Ideencafé“ Lösungsmöglichkeiten. „Eine Fülle von Wissen und Ideen ist im Personal verankert, das vor Ort arbeitet und am besten weiß, was im Klinikalltag nötig und möglich ist“, sagt Mirjam Häfner, stellvertretende Stationsleitung und Leiterin des Projekts „Impulse für Quittendenker“. Das Projekt ist Gewinner des Innovationspreises 2021 für interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen, der vom Springer Medizin Verlag vergeben wird. Die Verleihung findet im Rahmen des 8. Interprofessionellen Gesundheitskongresses statt, der coronabedingt vom April 2020 auf Juni 2021 verschoben worden ist. Häfner und ihr Team stellen das Projekt am 21. Juni 2021 im Rahmen eines Live-Webinars vor. Beteiligt an dem Ideencafé waren Pflegefachkräfte, Personen mit internistischer, chirurgischer, neurologischer und seelsorgerischer Expertise, Medizinische Fachangestellte, Reinigungs- und Hausservice, Auszubildende, PflegehelferInnen, Verwaltungsfachkräfte und NotfallsanitäterInnen. Deren Ideen haben Studierende im Masterstudium BWL der TH Nürnberg unter der Leitung von Prof. Sabine Brunner im Jahr 2016 gesammelt, ausgewertet und präsentiert. „Es ist sinnvoll, in ein solches Projekt zum Beispiel auch Mitarbeitende des Haus- und Reinigungsservice einzubeziehen, die durch Bestellung von Material und Aufbereitung der Untersuchungsbereiche einen wichtigen Beitrag zur Versorgung leisten“, berichtet Häfner. Bis heute wird die Fülle an Ideen aus dem gemeinsamen Projekt der Reihe nach umgesetzt. So ist etwa eine Bereitschaftspraxis im Haus entstanden, um die Notfallaufnahme von PatientInnen mit Bagatellerkrankungen zu entlasten. Es wurden zusätzliche PflegehelferInnen eingestellt und die Seelsorge mit Burnout-Projekten und Rufdienst stärker eingebunden. Projektleiterin Häfner schwört auf den Bottom-up-Ansatz: „Es hat uns einen enormen Aufschwung gegeben. Und es ist so viel Begeisterung und Miteinander entstanden, wir sind heute ein richtig tolles Team“ berichtet sie. Es sei gelungen, in der Notaufnahme des Klinikums Nürnberg Süd flache Hierarchien zu entwickeln, in denen die Berufsgruppen im interprofessionellen Setting die Herausforderungen des Klinikalltags gemeinsam bewältigen. Der ungewöhnliche Name des Projekts leitet sich von der säuerlichen, harten Quitte-Frucht ab, die gekocht zu einer wohlschmeckenden, gesunden Delikatesse wird. „Genau diesen Wandlungsprozess wollten wir erreichen. Es ist uns geglückt“, freut sich Häfner. Der Springer Medizin Verlag vergibt den Innovationspreis für interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen dieses Jahr zum zweiten Mal. Dem Gewinnerteam winkt ein Medienpaket im Wert von 20.000 Euro, ein Geldpreis in Höhe von 2000 Euro sowie die Möglichkeit, ein Jahr lang im Fachbeirat des Interprofessionellen Gesundheitskongresses mitzuwirken. Auch im kommenden Jahr wird der Interprofessionelle Gesundheitskongress, der dieses Jahr zum ersten Mal an den Hauptstadtkongress angebunden ist, wieder Bühne für den Innovationspreis sein. Die Ausschreibung erfolgt gegen Ende des Jahres.
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