Neuer Bluttest zeigt Ausmaß der Hirnschädigung nach Schlaganfall22. Januar 2026 Symbolbild Schlaganfall: © Studio Multiverse/stock.adobe.com Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall – doch das Ausmaß der fortschreitenden Hirnschädigung lässt sich bislang nur eingeschränkt bildgebend erfassen. Forschende zeigen nun, dass der Blutmarker Brain-derived Tau (BD-tau) die Hirnschädigung nach einem ischämischen Schlaganfall über die Zeit abbilden kann. Die Arbeit wurde in „Science Translational Medicine“ veröffentlicht. Ärztliche Entscheidungen für Schlaganfall-Patienten mit plötzlich aufgetretenen Lähmungen oder Sprachstörungen stützen sich heute vor allem auf CT- oder MRT-Bildgebung. Diese liefert jedoch in der Akutphase meist nur Momentaufnahmen. Wiederholte Untersuchungen sind organisatorisch aufwändig, nicht immer möglich, und Bildgebungswerte spiegeln die spätere Erholung oft nur begrenzt wider. Während sich akute Schäden an Herz oder Niere häufig mit Bluttests überwachen lassen, fehlt dem Gehirn bislang ein solcher Marker. „In der klinischen Versorgung stehen wir deshalb aktuell vor dem Problem, die Entwicklung der Hirnschädigung nicht fortlaufend verfolgen zu können und sind dadurch bei Therapieentscheidungen eingeschränkt“, sagt PD Dr. Steffen Tiedt. Er ist Wissenschaftler am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) und Oberarzt auf der Stroke Unit der Neurologischen Klinik des LMU Klinikums München. BD-tau als Marker für den Verlauf der Hirnschädigung Schon 2013 initiierte er deshalb am LMU Klinikum eine Studie mit dem Ziel, einen zuverlässigen Bluttest zu entwickeln, der die Hirnschädigung fortlaufend abbilden und Behandlungseffekte erkennbar machen kann. Sein Team identifizierte nun Brain-derived tau (BD-tau) als Blutmarker, der Tau-Protein aus dem zentralen Nervensystem erfasst – und genau das ermöglicht. In der am LMU Klinikum etablierten Studienkohorte wurde BD-tau vom Zeitpunkt der Aufnahme bis Tag 7 wiederholt gemessen. Zusätzlich wurden die Ergebnisse in zwei unabhängigen multizentrischen Kohorten validiert. Darunter war auch eine biomarkerbasierte Auswertung innerhalb einer Phase-III-Studie. Insgesamt flossen Daten von mehr als 1200 Schlaganfall-Patienten in die Analysen ein. BD-tau im Blut spiegelte das Ausmaß der Hirnschädigung wider. Bereits frühe Werte wenige Stunden nach Symptombeginn standen mit dem Ausmaß der initialen Schädigung in Zusammenhang und sagten die spätere Infarktgröße voraus. Zudem zeigte BD-tau die Dynamik im Verlauf: Ein stärkerer Anstieg in den ersten 24 bis 48 Stunden ging mit Infarktwachstum einher. Erhöhte Werte traten auch bei Komplikationen wie erneuten Ereignissen auf. BD-tau war außerdem ein starker Prädiktor für die Erholung. Es sagte außerdem den funktionellen Zustand nach 90 Tagen und darüber hinaus mindestens so gut voraus wie andere Blutmarker und sogar bildgebungsbasierte Infarktvolumina. BD-tau macht auch Behandlungseffekte sichtbar Schließlich machte BD-tau Behandlungseffekte sichtbar: Nach einer Thrombektomie fiel der Anstieg geringer aus, wenn das Gefäß vollständig wiedereröffnet werden konnte. In einer randomisierten Studie zeigte sich unter dem neuroprotektiven Wirkstoff Nerinetide ein geringerer BD-tau-Anstieg als unter Placebo. „Wir brauchen bei Schlaganfall nicht nur ein Bild vom Anfang, sondern auch eine Möglichkeit, den Verlauf der Hirnschädigung über die Zeit zu verfolgen. BD-tau könnte dafür eine Art ‘Troponin fürs Gehirn’ werden – als objektiver Blutmarker, der das Fortschreiten der Schädigung sowie Therapieeffekte messbar macht“, erläutert Tiedt. Der Forscher betont, dass weitere Studien nötig sind, etwa um Referenzbereiche und Schwellenwerte zu definieren und BD-tau künftig schneller (idealerweise als Point-of-Care-Test) bestimmen zu können. Langfristig könnte ein solcher Bluttest helfen, Verläufe besser zu überwachen, Komplikationen früher zu erkennen und neue Therapien in Studien schneller zu bewerten. Darüber hinaus könnte BD-tau perspektivisch auch bei anderen Erkrankungen des Nervensystems dabei helfen, Hirnschädigung objektiv und zeitnah im Blut zu erfassen. Außerdem interessant zum Thema Schlaganfall: Stammzellen reparieren Schlaganfall-Schäden Colchicin reduziert Schlaganfälle und Herzinfarkte bei Herz-Kreislauf-Patienten Hohe Feinstaubbelastung erhöht das Schlaganfallrisiko
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