Innsbruck: Universitätsklinikum für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin feiert 20. Jubiläum15. April 2024 Mitarbeiter des IVF-Labors an der Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin vor einem Mikroskop. (MUI/F. Lechner) | Quelle: F. Lechner | Copyright: MUI Die Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Innsbruck, Österreich, wurde 2003 gegründet. Bei der Tagung „Hormone im Frühling“ am 19. und 20. April 2024 feiert sie nachträglich ihr 20. Jubiläum. Am 19. und 20. April 2024 findet im Audimax der Medizinischen Universität Innsbruck die Tagung „Hormone im Frühling“ statt. Die Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin lädt alle Interessierten, die in Gesundheitsberufen tätig sind, zu der Fachveranstaltung ein. In den Vorträgen wird es um Sexualaufklärung in Tirol, Kinderwunsch, Fehlgeburt, Endometriose, Osteoporose u.v.m. gehen. Gleichzeitig feiert die Klinik, die vor 20 Jahren als Spezialklinik aus der Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe hervorging und von Gründungsdirektor Ludwig Wildt und der jetzigen Direktorin Bettina Toth sukzessive ausgebaut wurde, ihr Jubiläum mit Rednern aus Universitäts-, Klinik- und Pflegemanagement. In den Vorträgen werden auch aktuelle Studien aus dem vielfältigen Portfolio der Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin thematisiert. An der Klinik sind derzeit 30 Mitarbeiter beschäftigt – davon zehn Ärze, die sich neben der Patientenversorgung auch wissenschaftlich engagieren. Ihre Forschung kommt wiederum den Patienten zugute. Derzeit laufen rund 25 Projekte, in denen sie sich unter anderem mit der „Pille“, Endometriose, Transgender und Fruchtbarkeitserhalt beschäftigen. Eine Auswahl: Umfrage zu reproduktiver Autonomie In einer Umfragestudie unter Studierenden wurden im Herbst 2023 Studierende jeden Geschlechts zu ihrer Einstellung und ihrem Wissen hinsichtlich reproduktiver Gesundheit und Rechte befragt. Ziel ist es, mehr über den Aufklärungsstand in der jungen Bevölkerungsgruppe hinsichtlich der Familienplanung – u.a. Fruchtbarkeit, (ungewollte) Schwangerschaft – zu erfahren. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Pillenstudien Seit 2019 sind Pharmaunternehmen dazu verpflichtet, in den Gebrauchsinformationen darauf hinzuweisen, dass manche Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel einnehmen, von depressiven Verstimmungen und Depressionen berichten. Hintergrund ist eine dänische Registerstudie, in der untersucht wurde, welche Diagnosen Frauen erhalten haben, denen auch die Pille verschrieben worden ist. „Nähere Zusammenhänge sind nicht bekannt. Es ist wichtig, sich das genauer anzuschauen und beispielsweise auch einschneidende Lebensereignisse abzufragen. Wenn jemand mit der Pille startet und im Umfeld jemand verstirbt, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer depressiven Phase deutlich höher, als wenn kein traumatisches Ereignis im zeitlichen Zusammenhang steht. Infolge der dänischen Studie ist eine Hormonangst unter Frauen in allen Altersgruppen entstanden. Das ist schade, denn gerade bei gewissen Erkrankungen, z.B. Endometriose, ist eine Langzeitprophylaxe mit hormonellen Kontrazeptiva wirklich wichtig“, schildert Oberärztin und Tagungsorganisatorin Katharina Feil. Möglicherweise gebe es für Patientinnen mit bekannter depressiver Neigung auch alternative Pillen-Präparate. Anhand eines Online-Fragebogens möchten die Forscher mehr herausfinden. Alle Interessierten, insbesondere Frauen, die aktuell mit einer Pille beginnen oder nach einer Pause neu starten, sind eingeladen, teilzunehmen (Kontakt: [email protected]). Im Rahmen der deskriptiven „Becontra“-Studie untersuchen Forscher gemeinsam mit der Paris-Lodron-Universität in Salzburg, ob die meistbenutzten hormonellen Verhütungs-mittel während der ersten sechs Monate Einnahmezeit einen Einfluss auf Hirnstruktur, -funktion und Verhalten haben und, ob sich die Effekte zurückbilden. Probandinnen, die eine Pille einnehmen und eine Kontrollgruppe ohne Pille lösen während einer bildgebenden Untersuchung (fMRT) Aufgaben. Dabei leuchten aktive Hirnareale auf. Den Teilnehmerinnen wird Blut abgenommen und sie füllen einen Fragebogen aus. Die Tests werden im Abstand von drei Monaten insgesamt dreimal jeweils mit Beginn der Regelblutung durchgeführt. Studien zum Thema Fruchtbarkeitserhalt Rund 70 Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz führen derzeit die so genannte „Fertitox“-Studie durch, die für Österreich von Bettina Böttcher von der Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin geleitet wird. Ziel des Projekts ist der Aufbau einer Datenbank mit Informationen über die Entwicklung des Fruchtbarkeitsstatus und der Lebensqualität von Patienten nach einer Chemo- oder Strahlentherapie im Langzeitverlauf. „Wir schauen uns beispielsweise an, wie sich das Spermiogramm fünf und zehn Jahre nach einer Chemotherapie entwickelt hat“, betont Feil. Weiters ist u.a. eine experimentelle Studie geplant, in der die Forscher die möglichen Auswirkungen von Umweltgiften auf die Fruchtbarkeit untersuchen, wie z.B. Schwermetalle, denen Menschen in Industrie oder Transportwirtschaft ausgesetzt sind. Über die Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Die Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin verfolgt einen endokrinologischen Schwerpunkt, zu dem hormonelle Störungen wie eine zu früh einsetzende Periodenblutung bei Kindern und Jugendlichen oder Wechselbeschwerden gehören. „Wir decken das komplette Leben ab“, erläutert Katharina Feil. Sie hat sich auf die Betreuung von Transgenderpersonen spezialisiert und leitet das österreichweit einzige interdisziplinäre Transgender Center in Innsbruck. An der Klinik ist außerdem die Leitung des Endometriose-Zentrums angesiedelt und sie ist Teil des Endokrinologie-Zentrums. Zweiter Klinikschwerpunkt ist alles rund um den Kinderwunsch: von der ersten Abklärung – auch des männlichen Partners bei heterosexuellen Paaren – bis zur künstlichen Befruchtung. Ebenso bietet das Reproduktionszentrum fruchtbarkeitserhaltende Behandlungen an, wie das Einfrieren von Samen- oder Eizellen vor einer Chemo- oder Strahlentherapie. Auch die Kryokonservierung und Reimplantation von Eierstockgewebe ist in diesem Rahmen möglich. Direktorin Bettina Toth ist auf diesem Gebiet eine ausgewiesene Expertin: Damit verhalf sie 2022 erstmals in Österreich einer Patientin 15 Jahre nach deren Krebserkrankung zur natürlichen Geburt eines gesunden Kindes. Toth ist derzeit Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.
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