Intensivmedizinisch betreuten Kindern die Angst nehmen26. Oktober 2022 Foto: ©Stephan Morrosch – adobe.stock.com Kinder auf Intensivstationen sind nicht nur körperlich beeinträchtigt, sondern auch psychisch belastet – oft haben sie Angst. Wie interprofessionelle Teams diese Angst reduzieren können, ist eines der Themen des diesjährigen Jahreskongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, der vom 30. November bis 2. Dezember 2022 in Hamburg stattfindet. Kinder auf Intensivstationen haben oft Angst – beispielsweise, weil sie nicht genau verstehen, welche Diagnostik und Therapie wie und zu welchem Zweck durchgeführt wird. Weil sie spüren, dass ihre Eltern selbst besorgt oder überfordert sind. Oder weil sie in ihrer neuen Umgebung und mit den Schmerzen nicht gut schlafen können. Wie interprofessionelle Teams dieser Angst durch angemessene und zielgruppengerechte Kommunikation begegnen können, damit beschäftigt sich das Symposium „Reduktion von Angst bei kritisch kranken Kindern“ am 2. Dezember 2022 beim diesjährigen DIVI22. Dabei werden verschiedene Vertreter des gesamten intensivmedizinischen Teams zu Wort kommen – von der Physiotherapie über die Pflege bis hin zur Psychologie. „Angst führt zu Stress, verstärkt Schmerzen und erhöht somit den Bedarf analgetischer und sedierender Medikamente mit den damit verbundenen Nebenwirkungen. Es ist wichtig, sich der Angst der intensivmedizinisch betreuten Kinder und ihrer Angehörigen bewusst zu sein und interprofessionell zur Angstreduktion beizutragen. Dadurch kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst und das Risiko für ein Postintensive Care Syndrom reduziert werden“, erklärt DIVI-Kongresspräsident Prof. Sebastian Brenner, Bereichsleiter der interdisziplinären Pädiatrischen Intensivmedizin im Fachbereich Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin der Uniklinik Dresden. Je stabiler die Eltern, desto weniger Angst hat das Kind Durch die eigenen Eltern erfährt ein Kind in der Regel am meisten Stabilität. „Je stabiler die Eltern sind, desto besser ist das für das Kind. Deswegen zielen unsere Bemühungen darauf, die Eltern möglichst zu stabilisieren und sie zu befähigen, für das Kind da sein. Und sie auch dabei zu unterstützen, ihre eigenen Grenzen zu respektieren“, erklärt Dr. Teresa Deffner, Psychologin auf der Operativen Intensivstation am Uniklinikum Jena. „Die Anleitung und Begleitung der Eltern kritisch kranker Kinder ist dabei eine koordinierte Teamleistung, die den Pflegenden und Ärzten Tag und Nacht obliegt und durch unsere psychologische Elternbegleitung unterstützt wird.“ Traumasensibel kommunizieren mit dem Kind Speziell zum Thema „Traumasensible Kommunikation des Behandlungsteams“ wird Cynthia Pönicke, Psychologin auf der Kinderintensivstation der Uniklinik Dresden, referieren. „Ich glaube, dass wir uns oft gar nicht bewusst sind, was wir durch Kommunikation bewirken können – auch im Negativen. Gerade in sensiblen Situationen wie in der Kinderintensivmedizin kann das fatale Folgen wie zum Beispiel Re-Traumatisierungen oder Flashbacks haben.“ Traumasensible Kommunikation könne dazu beitragen, Kindern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, Ängste abzubauen und Stress zu reduzieren. „Es geht zum Beispiel weniger darum, mit dem Kind sämtliche Details seines Unfalls zu besprechen, sondern sich an den Fragen des Kindes zu orientieren und gemeinsam die aktuelle Situation in den Blick zu nehmen. Was ist jetzt wichtig und was können wir jetzt tun, damit sich das Kind sicherer fühlt?“, ergänzt Pönicke. Manchmal kann da schon ein spezielles Kuscheltier helfen, manchmal auch eine bestimmte Bezugsperson wie der große Bruder. „Ich freue mich sehr auf diese wichtige Thematik, auf den interprofessionellen Austausch, der uns geeignete Kommunikationswege aufzeigen wird, wie wir die Qualität unserer umfassenden Behandlung weiter verbessern können. Die Sitzung wird Freitagnachmittag stattfinden und lohnt definitiv den Kongress bis zum Ende zu besuchen“, sagt Brenner abschließend.
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