Interaktive autonome eHealth-Anwendung verbessert die Lebensqualität bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs26. Juli 2023 Prof. Dr. Nadia Harbeck leitet seit 2011 das Brustzentrum am LMU Klinikum München. (© LMU Klinikum) Anhand der PreCycle-Studie wurde erstmals gezeigt, wie eine Software das Symptom-Monitoring unter oraler Krebstherapie übernimmt und wie diese selbst die Entscheidung trifft, wann eine Brustkrebspatientin ihre Symptome medizinisch abklären lassen sollte. Fortgeschrittener oder metastasierter Brustkrebs gilt nach wie vor als eine unheilbare Erkrankung, die viele Herausforderungen mit sich bringt. Behandlungsziele sind die Verlängerung des Überlebens und die Verbesserung oder Erhaltung der Lebensqualität unter der Therapie durch eine ausreichende Kontrolle krebsbedingter Symptome. Um die Lebensqualität bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs zu erhöhen, können diese seit einiger Zeit eine neue e-Health-Applikation nutzen, die sie zu ihrem aktuellen Gesundheitszustand und Symptomen befragt, ganz einfach via Smartphone. Diese Anwendung verbessert die Sicherheit der Therapie und ist somit ein wichtiger Fortschritt für Patientinnen in Richtung selbstbestimmtes Leben im Alltag bei gleichzeitig aktiver Beteiligung am Therapie-Management. PreCycle ist nun die erste multizentrische, randomisierte eHealth-Studie, die einen nachgewiesenen Nutzen für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs zeigt, die eine orale Tumortherapie erhalten und bei denen eine interaktive, autonome Patienten-Empowerment-Anwendung eingesetzt wurde. Auf dem Annual Meeting 2023 der American Society of Clinical Oncology in Chicago (USA) stellte Prof. Nadia Harbeck, die das Brustzentrum am LMU Klinikum München leitet, die Ergebnisse der PreCycle-Studie vor. Die Ergebnisse wurden zeitgleich zudem in der renommierten Fachzeitschrift Annals of Oncology veröffentlicht. PreCycle-Studie In der randomisierten, klinischen Phase-IV-Studie untersuchte die Forschergruppe um Harbeck vom Brustzentrum des LMU Klinikums die Auswirkungen der interaktiven, autonomen eHealth-Anwendung PRO-React auf die Lebensqualität der Patientinnen während einer Brustkrebstherapie. In die Studie eingeschlossen wurden Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem (HR+ HER2-), lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs. „Das neue an den PreCycle-Daten ist, dass die Entscheidung für oder gegen die Notwendigkeit einer ärztlichen Abklärung erstmals nicht von einem Experten vorgenommen worden ist, sondern durch die Software selbst“, erklärt Harbeck, Leiterin des Brustzentrums am LMU Klinikum, die die Studie zusammen mit Prof. Marcus Schmidt von der Unifrauenklinik Mainz geleitet hat. Bessere Lebensqualität mithilfe der Symptom-Monitoring-Software Die Ergebnisse der Studie zeigen signifikant positive Effekte auf die Lebensqualität durch Unterstützung durch die eHealth-Software. Zudem traten schwere Nebenwirkungen bei den Patientinnen signifikant seltener und wenn, dann zu einem späteren Zeitpunkt auf als in der Kontrollgruppe. PreCycle ist damit die erste multizentrische, randomisierte eHealth-Studie, die einen nachgewiesenen Nutzen für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs zeigt, die eine orale Tumortherapie erhalten und bei denen eine interaktive, autonome Patienten-Empowerment-Anwendung eingesetzt wurde. „Wir nutzen das System am LMU Klinikum im klinischen Alltag und auch in der Ernährungsberatung in unserem Krebszentrum CCC MünchenLMU, sagt Prof. Harbeck. Was ist PRO-React? Das in der EU registrierte Medizinprodukt PRO-React ist eine interaktive, autonome eHealth-Anwendung, die ohne die Mitarbeit einer medizinischen Fachkraft funktioniert. Die Software erkennt selbständig, zu welchen Zeitpunkten den Nutzer:innen Fragebögen zu Symptomen zur Verfügung gestellt werden. Ziel von PRO-React ist es, Patient:innen zu motivieren, bei vorhandenen Symptomen einen Arzttermin zu vereinbaren und sie dann dabei zu unterstützen, gut vorbereitet ins Gespräch mit ihrem Behandlungsteam zu gehen. In der App werden die Patient:innen täglich über einen Smiley-Schieberegler zu ihrem allgemeinen Gesundheitszustand befragt, der auf der visuellen Analogskala EQ-VAS2 basiert. Anhand der dokumentierten Veränderungen des EQ-VAS-Wertes entscheidet die Software, wann den Patient:innen ein Fragebogen mit 14 Symptomen ausgegeben wird. Nach der Dokumentation der Symptome gibt das System eine Empfehlung dazu, wie dringend ein Behandlungszentrum kontaktiert werden sollte. Im Gegensatz zu einer Fernüberwachungssoftware ist das medizinische Fachpersonal nicht involviert, bis das Zentrum kontaktiert wird.
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