International Early Lung Cancer Action Program: Lungenkrebs-Screening erhöht die Langzeitüberlebensrate dramatisch

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Laut einer groß angelegten internationalen Studie, die kürzlich auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America vorgestellt wurde, haben Patienten, bei denen Lungenkrebs im Frühstadium mittels eine Computertomographie-Screenings diagnostiziert wurde, eine 20-Jahres-Überlebensrate von 80 Prozent.

Die durchschnittliche Fünf-Jahres-Überlebensrate für alle Lungenkrebspatienten betrage 18,6 Prozent, da nur 16 Prozent der Lungenkrebserkrankungen in einem frühen Stadium diagnostiziert würden, teilt die Radiological Society of North America mit. Mehr als die Hälfte der Menschen mit Lungenkrebs sterben der Fachgesellschaft zufolge innerhalb eines Jahres nach der Diagnose, was Lungenkrebs zur Hauptursache für Krebstodesfälle macht.

Die nun präsentierten Ergebnisse sind nach Angaben der Autoren die neuesten, die zeigen, wie wichtig routinemäßige und frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen sind. Leider werde aber ein solches Screening bei weniger als sechs Prozent der Personen durchgeführt, die dafür infrage kommen.

„Das Screening verhindert zwar nicht das Auftreten von Krebs, es ist jedoch ein wichtiges Instrument zur Erkennung von Lungenkrebs in seinem frühen Stadium, wenn er noch chirurgisch entfernt werden kann“, erklärt die Hauptautorin der Studie, Dr. Claudia Henschke, Professorin für Diagnostik, Molekulare und Interventionelle Radiologie sowie Leiterin des Early Lung and Cardiac Action Program an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai in New York (USA). „Letztendlich muss jeder, der an einem Screening interessiert ist, wissen, dass Lungenkrebs geheilt werden kann, wenn er früh erkannt wird.“

Während die Behandlung fortgeschrittener Krebsarten mit zielgerichteter Therapie und Immuntherapie große Fortschritte in der Behandlung gebracht haben, ist laut den Studienautoren das beste Mittel gegen Todesfälle durch Lungenkrebs die Früherkennung durch niedrig dosiertes CT-Screening, noch bevor Symptome auftreten.

„Symptome treten hauptsächlich bei Lungenkrebs im Spätstadium auf“, unterstreicht Henschke. „Der beste Weg, Lungenkrebs im Frühstadium zu erkennen, ist daher die Teilnahme an einem jährlichen Screening-Programm.“

Die U.S. Preventive Services Task Force empfiehlt ein jährliches Lungenkrebs-Screening mit Niedrigdosis-CT bei Erwachsenen im Alter von 50 bis 80 Jahren mit einem Konsum von 20 Packungsjahren, die aktuell rauchen oder in den vergangenen 15 Jahren damit aufgehört haben.

Die Wissenschaftler beobachteten für ihre Studie die 20-Jahres-Überlebensrate von 1285 Patienten, die im Rahmen des International Early Lung Cancer Action Program (I-ELCAP) gescreent wurden und bei denen später Lungenkrebs im Frühstadium diagnostiziert wurde. Während das Gesamtüberleben der Teilnehmer bei 80 Prozent lag, betrug die Überlebensrate bei den 139 Teilnehmern mit nichtsoliden kanzerösen Lungenrundherden und den 155 Teilnehmern mit teilweise soliden Rundherden 100 Prozent. Bei den 991 Teilnehmern mit soliden Rundherden lag die Überlebensrate bei 73 Prozent. Bei Teilnehmern mit Krebs im Stadium 1A mit einer Größe von 10 mm oder weniger betrug die 20-Jahres-Überlebensrate 92 Prozent.

Henschke und Kollegen untersuchen seit Jahren die Wirksamkeit der Krebserkennung mit Niedrigdosis-CT-Screening. Die Bemühungen der Forschenden, das CT-Screening auf Lungenerkrankungen im Frühstadium voranzutreiben, führten zur Entwicklung des I-ELCAP. In dieses 1992 gestartete multiinstitutionelle, multinationale Forschungsprogramm sind mehr als 87.000 Teilnehmer aus mehr als 80 Institutionen eingeschrieben.

2006 identifizierten die Forscher eine 10-Jahres-Überlebensrate von 80 Prozent für die Patienten, deren Krebs bei einem CT-Screening erkannt wurde. Für die nun vorgelegte Studie untersuchten sie die 20-Jahres-Überlebensraten.

„Was wir hier präsentieren, ist das 20-jährige Follow-up von Teilnehmern unseres Screening-Programms, bei denen Lungenkrebs diagnostiziert und anschließend behandelt wurde“, berichtet Henschke. „Die wichtigste Erkenntnis ist, dass sie selbst nach dieser langen Zeitspanne nicht an ihrem Lungenkrebs sterben. Und selbst wenn im Laufe der Zeit neue Lungenkrebserkrankungen gefunden würden, wären die Patienten ok, solange sie mit dem jährlichen Screening fortfahren.“