Internetsucht verändert Hirnnetzwerke bei Jugendlichen6. Juni 2024 Jugendliche verbringen viele Stunden täglich im Internet. (Foto: © Juanjo Díaz – stock.adobe.com) Bei Jugendlichen mit Internetsucht ist die Signalübertragung in Hirnnetzwerken gestört, die an der Steuerung der Aufmerksamkeit in Verbindung mit intellektuellen Fähigkeiten, dem Arbeitsgedächtnis, der körperlichen Koordination und der emotionalen Verarbeitung beteiligt sind. Das zeigt eine Studie, die in „PLOS Mental Health“ veröffentlicht wurde. Nicht zuletzt während der Pandemie hat die Internetnutzung sprunghaft zugenommen – insbesondere Jugendliche verbringen immer mehr Stunden online. Dies hat zu einer Zunahme der Internetsucht bei Jugendlichen geführt. Da sich die Gehirne von Jugendlichen stärker verändern als die von Erwachsenen, ist das Verständnis, wie sich Internetsucht auf das Gehirn und das Verhalten auswirkt, für die Gesellschaft als Ganzes von entscheidender Bedeutung. Max Chang und Irene Lee vom University College London haben daher anhand von Neuroimaging-Studien die Auswirkungen von Internetsucht auf die Gehirne von Jugendlichen untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Internetsucht mit einer gestörten Signalübertragung in den Hirnregionen verbunden ist, die an mehreren neuronalen Netzwerken beteiligt sind. Diese Netzwerke spielen bei der Steuerung der Aufmerksamkeit in Verbindung mit intellektuellen Fähigkeiten, dem Arbeitsgedächtnis, der körperlichen Koordination und der emotionalen Verarbeitung eine wichtige Rolle – allesamt Faktoren, die sich wiederum auf die psychische Gesundheit auswirken. Die Metaanalyse konzentrierte sich auf zwölf Neuroimaging-Studien über Jugendliche mit Internetsucht, in denen Veränderungen in der Konnektivität zwischen den Gehirnnetzwerken untersucht wurden, die zusammenarbeiten, um wichtige Verhaltensweisen und die Entwicklung bei Jugendlichen zu steuern. Interessanterweise wurden die Neuroimaging-Studien, die die Kriterien der Autoren in Bezug auf die Altersspanne und die formale Diagnose der Internetsucht erfüllten, alle in Asien durchgeführt, obwohl es im Westen viele Fälle von Internetsucht gibt. In allen untersuchten Studien zeigten die Gehirnregionen von Jugendlichen mit Internetsucht bei Aktivitäten, die durch das Exekutivkontrollnetzwerk des Gehirns gesteuert werden (z. B. Verhaltensweisen, die Aufmerksamkeit, Planung, Entscheidungsfindung und insbesondere Impulsivität erfordern), eine signifikante Störung in ihrer Fähigkeit zur Zusammenarbeit im Vergleich zu Personen desselben Alters ohne Internetsucht. Bei Einbeziehung des Default-Mode-Netzwerkes variierten die Ergebnisse stärker – es wurde jedoch häufig berichtet, dass die funktionelle Konnektivität bei Aufgaben, die Selbstbeobachtung und Aufmerksamkeit erfordern, gestört war. Solche Signalveränderungen könnten bedeuten, dass diese Verhaltensweisen schwieriger auszuführen sind, was sich möglicherweise auf die Entwicklung und das Wohlbefinden auswirken könnte. Die Autoren stellen jedoch fest, dass „die vorliegenden Antworten lediglich ein unvollständiges Bild zeichnen, das die Internetnutzung nicht unbedingt als überwiegend positiv oder negativ darstellt“. Weitere Studien, die mehr Menschen aus einer breiteren Bevölkerung einbeziehen, seien erforderlich, um zu bestätigen, wie Internetsucht die Art und Weise verändert, in der das Gehirn Verhaltensweisen und somit unser allgemeines Wohlbefinden steuert. Die Autoren fügen hinzu: „Wenn wir verstehen, wie und wo sich die Internetsucht auf die funktionelle Konnektivität im Gehirn von Jugendlichen auswirkt, und wenn wir die fMRT-Studien mit mehreren Bevölkerungsgruppen wiederholen, können wir künftige globale therapeutische und gesundheitspolitische Interventionen anleiten.“
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