Interstitielle Lungenerkrankung unter neuartiger Krebstherapie: Rasche Identifizierung und Therapie erweist sich als wirksam

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Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie kann man Lungenerkrankungen, die durch ein neues Medikament gegen Krebs verursacht werden, mit Ansätzen wirksam behandeln, bei denen Früherkennung und sofortiges Management im Mittelpunkt stehen.

Unter Verwendung von Daten aus neun klinischen Studien bietet die neue Arbeit laut ihren Autoren eine der umfassendsten Analysen zur Diagnose und Behandlung interstitieller Lungenerkrankungen bei Patienten, die das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat T-DXd erhalten haben.

In der retrospektiven Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten zu 1150 stark vortherapierten Patienten mit Brust-, Lungen-, Magen- oder Darmkrebs oder anderen Krebsarten in neun Studien, die mit T-DXd behandelt wurden.

„Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) sind ein bekannter Risikofaktor bei Patienten, die mit Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten gegen Krebs behandelt werden“, erklärt Seniorautor Prof. Charles Powell, Leiter der Abteilung für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital (USA). „Anhand der Erfahrungen aus frühen klinischen Studien wurden die Protokolle für die ärztliche Ausbildung und das Patientenmanagement überarbeitet und von den Studiensponsoren verbreitet. Neuere Studiendaten in früheren Therapielinien haben niedrigere Raten von ILD-Ereignissen gezeigt, was darauf hindeutet, dass eine engmaschige Überwachung und proaktive Behandlung von ILD/Pneumonitis für alle Patienten gerechtfertigt ist.“

Die Forscher überprüften Daten aus vier Phase-I- und fünf Phase-II-Studien mit T-DXd, in denen Patienten alle drei Wochen unterschiedliche Dosierungen der Krebstherapie erhielten. Das Forschungsteam überprüfte auch Daten eines unabhängigen klinischen Bewertungsausschusses unter Powells Vorsitz. Dieser prüfte klinische Informationen und Thorax-Computertomographien von allen Patienten in klinischen Studien, bei denen der Verdacht auf eine arzneimittelbedingte interstitielle Lungenerkrankung bestand, die zu Lungenfibrose führen kann.

Bei Patienten, die zuvor intensiv mit anderen Krebstherapien behandelt worden waren, ergab die Analyse, dass 15,4 Prozent (Grad 1 oder 2: 77,4%; Grad 5: 2,2%) nach Behandlung mit T-DXd eine interstitielle Lungenerkrankung entwickelten – mit leichten Symptomen, die typischerweise innerhalb der ersten zwölf Monate auftraten.

Interstitielle Lungenerkrankungen sind ein bekanntes Risiko einer Reihe von Krebstherapien, einschließlich T-DXd. Sie können schwerwiegend, lebensbedrohlich oder sogar tödlich verlaufen. Die neuen Studienergebnisse deuten laut den Autoren darauf hin, dass eine engmaschige Überwachung und ein proaktives Management das ILD-Risiko verringern können und dass die Sensibilisierung und kontinuierliche Aufklärung von Patienten zur Früherkennung beitragen kann.

Die Studie wurde von den Pharmaunternehmen AstraZeneca und Daiichi Sankyo gesponsert.