IQWiG bleibt dabei: Nutzen des PSA-Screenings wiegt den Schaden nicht auf25. Mai 2020 IQWiG-Leiter Jürgen Windeler: „Maßnahmen wie zum Beispiel die Beschränkung der Biopsie auf Männer mit einem hohen Risiko oder die Anwendung neuer Biopsie-Methoden sind vielversprechende Ansätze, um das Nutzen-Schaden-Verhältnis des PSA-Screenings perspektivisch zu verbessern. Zum jetzigen Zeitpunkt fehlen allerdings Studien, die dies belegen.“ Foto: IQWiG Der Nutzen eines generellen PSA-Screenings für Männer ohne Verdacht auf Prostatakrebs kann den dadurch entstehenden Schaden nicht aufwiegen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem Abschlussbericht nach Auswertung der weltweiten Studienlage zum Thema. Einige Männer profitieren demnach von einer früheren Krebsdiagnose. Jedoch müssten mehr Männer mit Überdiagnosen und Therapie-Komplikationen rechnen. Ob ein Risiko-adaptiertes Vorgehen an der Bilanz etwas ändert, müssten Studien erst noch zeigen, so das Institut. Bei der Anhörung zum Vorbericht diskutierte das IQWiG ausführlich mit Stellungnehmenden, ob und wie die Schäden eines PSA-Screenings mithilfe von Risiko-adaptierten Screening-Strategien verringert werden könnten, ohne gleichzeitig den Nutzen zu beeinträchtigen. „Maßnahmen wie zum Beispiel die Beschränkung der Biopsie auf Männer mit einem hohen Risiko oder die Anwendung neuer Biopsie-Methoden sind vielversprechende Ansätze, um das Nutzen-Schaden-Verhältnis des PSA-Screenings perspektivisch zu verbessern“, betont IQWiG-Leiter Prof. Jürgen Windeler, schränkt jedoch ein: „Zum jetzigen Zeitpunkt fehlen allerdings Studien, die dies belegen.“ Daher änderte sich die Gesamtbewertung des PSA-Screenings im IQWiG-Abschlussbericht nicht. Ziel des Screenings ist es, Prostatakarzinome mit einem hohen Progressionsrisiko in einem frühen Stadium zu entdecken, um den Krebs zu heilen. Derzeit kommen zwei Screening-Tests zum Einsatz: die digital-rektale Untersuchung und der Test auf das prostataspezifische Antigen (PSA). Die digital-rektale Untersuchung ist Teil des gesetzlichen Früherkennungsangebots für Männer ab dem 45. Lebensjahr, der PSA-Test nicht. Die jetzt vorliegende IQWiG-Nutzenbewertung beruht auf der Auswertung von elf randomisierten kontrollierten Studien mit weltweit mehr als 400.000 eingeschlossenen Teilnehmern. Alle diese Studien vergleichen ein Prostatakarzinom-Screening mittels PSA-Test mit keinem Screening auf Prostatakrebs. In der Gesamtabwägung mehr Schaden als Nutzen Nach Auswertung der Studienlage kommt das IQWiG zu dem Ergebnis, dass das Prostatakarzinom-Screening mittels PSA-Test einigen Männern mit einem Prostatakarzinom nutzt, indem es ihnen eine Belastung durch eine metastasierte Krebserkrankung erspart oder diese zeitlich verzögert. Dieser Vorteil tritt erst nach mehreren Jahren auf. Es ist zudem unklar, ob das Screening bei diesen Männern insgesamt zu einer Lebensverlängerung führt. Zugleich schadet das PSA-Screening den überdiagnostizierten Männern (Männern mit einem Prostatakarzinom, das keiner Behandlung bedarf) und den Männern mit einem falsch-positiven Screening-Befund (Männern ohne Prostatakarzinom) mehr oder weniger unmittelbar. Den überdiagnostizierten Männern drohen Therapie-Komplikationen wie Inkontinenz und Impotenz. Männer mit einem falsch-positiven Befund erfahren einen Schaden in Form eines besorgniserregenden Testergebnisses, das eine Prostatabiopsie nach sich zieht. Insgesamt schadet das Prostatakarzinom-Screening mittels PSA-Test deutlich mehr Männern durch Überdiagnosen, als es Männern durch eine frühere Diagnose des Krebses nutzt. Daher kommt das IQWiG zusammenfassend zu der Bewertung, dass der Nutzen des PSA-Screenings den Schaden auf Basis der vorliegenden Studien nicht aufwiegt. Mit dieser Bewertung nach sorgfältiger Abwägung sieht sich das Institut “in guter Gesellschaft”, wie es in einer Mitteilung heißt. Weltweit sprächen sich nahezu alle nationalen Gesundheitsbehörden und auch Fachgesellschaften gegen ein allgemeines PSA-Screening aus. (IQWIG/ms)
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