IQWiG empfiehlt kein Screening auf Hodenkrebs9. Juli 2020 Foto: Ralf Baumgarten Im Rahmen der von Bürgern gestellten Fragen im “ThemenCheck Medizin” hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) jetzt auch den Nutzen eines Screenings auf Hodenkrebs abschließend bewertet. Wie so oft, heißt das Ergebnis auch hier wieder “nichts Genaues weiß man sicht”. “Es liegen keine Studien zur Untersuchung des Nutzens oder Schadens einer Früherkennungsuntersuchung auf Hodenkrebs bei Männern vor”, schreibt das IQWiG in einer aktuellen Mitteilung. “So gibt es weder für den Nutzen der ärztlichen Tast- und Ultraschalluntersuchung noch für den Nutzen der Tasteigenuntersuchung einen wissenschaftlichen Beleg.” Externe Sachverständige der Privatuniversität UMIT Tirol haben für das IQWiG ein “Health Technology Assessment” für das Hodenkrebs-Screening durchgeführt. Auf der Basis von Daten aus Krebsregistern leiten die Wissenschaftler her, dass unter anderem wegen der niedrigen Fallzahlen und der guten Behandelbarkeit des Hodenkrebses ein nur sehr geringes theoretisches Nutzenpotenzial der Hodenkrebsfrüherkennung bei Männern ab 16 Jahren zu erwarten sei: Um nur einen Todesfall durch Hodenkrebs zu verhindern, müssten sich demnach 200.000 Männer untersuchen lassen. Diesem theoretischen Nutzen stünden aber mögliche Schäden durch unnötige Untersuchungen und gegebenenfalls nachfolgende invasive Maßnahmen bei Verdachtsfällen gegenüber. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten daher fest, dass derzeit regelmäßige Maßnahmen zur Früherkennung von Hodenkrebs bei Männern ab 16 Jahren nicht empfohlen werden könnten. Diese Aussagen des Berichtes gälten allerdings nur für ein allgemeines Hodenkrebsscreening bei jungen Männern, schränkt das Institut ein. Zu einer anderen Einschätzung des Nutzens von Früherkennungsuntersuchungen käme man möglicherweise, wenn Männer mit spezifischen Risikofaktoren betrachtet werden. Generell gelte, dass bei Auffälligkeiten am Hoden immer eine Untersuchung beim Arzt erfolgen sollte. Eine Einschätzung hatte das IQWiG bereits im Oktober 2019 gegeben und erntete damit Kritik aus der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). Zwar stimmt die Fachgesellschaft mit dem IQWiG in der Ablehnung eines allgemeinen Screenings überein, plädiert aber für die Selbstuntersuchung und bei Vorliegen von Risikofaktoren für eine Abklärung. Langzeitfolgen der Therapie angeblich gut behandelbarer auch fortgeschrittener Hodentumorerkrankungen dürften zudem nicht verharmlost werden. Zuletzt hatte das Institut bei der DGU für Unmut durch Berichte über das PSA-Screening und die MRT-gestützte Prostatabiopsie gesorgt (wir berichteten) (IQWiG/ms)
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