Irreguläre Hornhäute: Stellenwert einer Vier-Zonen-Sklerallinse untersucht

Einsatz einer Sklerallinse (Symbolbild generiert mit KI). © midobun2014 – stock.adobe.com

Wie können Patienten mit unregelmäßigen Hornhäuten besser sehen? Eine multizentrische Studie aus China zeigt eine kurzfristige Verbesserung des Sehvermögens mit einer Vier-Zonen-Sklerallinse.

Die Studie ergab den Autoren zufolge, dass eine Vier-Zonen-Sklerallinse die Sehschärfe bei chinesischen Patienten mit unregelmäßigen Hornhäuten über drei Monate mit guter Toleranz verbesserte. Eine längere Nachbeobachtungszeit und vergleichende Studien sind den Autoren zufolgen weiterhin notwendig.

Bei Patienten mit Keratokonus, Hornhautnarben, kornealen Unregelmäßigkeiten nach Transplantationen oder sekundärer Hornhautektasie sei ein klareres Sehen oft nicht so einfach wiederzuerlangen, betonen die Autoren. Wenn die Hornhautoberfläche unregelmäßig werde, korrigierten herkömmliche Brillen oder weiche Kontaktlinsen die verzerrte Optik möglicherweise nicht vollständig. Das wiederum könne zu verschwommenem Sehen, verminderter Sehqualität und Schwierigkeiten bei den täglichen Aktivitäten führen.

Sklerallinsen: Ein anderer Korrekturansatz

Sklerallinsen, so die Forscher weiter, böten einen anderen Ansatz. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kontaktlinsen wölbten sich Sklerallinsen über die Hornhaut und ruhten auf dem konjunktivalen Gewebe über der Sklera. Das Flüssigkeitsreservoir zwischen Linse und Hornhaut könne helfen, Hornhautunregelmäßigkeiten zu maskieren und die optische Leistung zu verbessern. Obwohl Sklerallinsen in nichtasiatischen Populationen umfangreich untersucht worden seien, bleibe der Nachweis bei chinesischen Augen begrenzt, insbesondere bei Patienten mit unregelmäßigen Hornhäuten. Anatomische Unterschiede könnten die Linsenanpassung und das Tragen bei asiatischen Augen beeinflussen.

Kurzzeitergebnisse einer Vier-Zonen-Sklerallinse

Eine multizentrische prospektive klinische Studie, veröffentlicht in „Eye Discovery“, bewertete die kurzzeitigen klinischen Ergebnisse einer Vier-Zonen-Sklerallinse bei chinesischen Erwachsenen mit unregelmäßigen Hornhäuten. Die Studie war als prospektive, interventionelle, offene, einarmige Studie konzipiert. Insgesamt wurden 144 Teilnehmer gescreent, 138 nahmen an der Studie teil und 131 schlossen die dreimonatige Nachbeobachtung ab. Insgesamt wurden Daten von 201 Augen analysiert, darunter 176 Augen mit Keratokonus, 20 Augen mit Nicht-Keratokonus-Ektasie und mehrere Augen mit Hornhautverletzungen, Herpes-simplex-Keratitis oder Gitterhornhautdystrophie.

Sklerallinse zeigten hohe Rate an kurzfristiger Sehverbesserung

Das Hauptergebnis, so heißt es, war eine hohe Rate an kurzfristiger Sehverbesserung. Nach einmonatigem Tragen der Sklerallinsen erreichten 128 der 131 Teilnehmer, die die Studie abschlossen, eine Verbesserung von mindestens 0,20 logMAR bei der bestkorrigierten Sehschärfe, was einer Erfolgsquote von 97,7 % entspricht. Die mediane Verbesserung der bestkorrigierten Sehschärfe betrug 0,30 logMAR, mit größeren Verbesserungen bei Augen mit fortgeschrittener Sehbeeinträchtigung.

Im Durchschnitt waren 1,5 Linsen pro Auge erforderlich, um die Linsenanpassung über den dreimonatigen Zeitraum abzuschließen. Für die klinische Praxis deutet dies darauf hin, dass mit Unterstützung durch ausgebildete Fachkräfte und einem standardisierten Protokoll die Anpassung dieses Linsendesigns mit einer relativ kleinen Anzahl Linsen möglich sein kann.

Hohe Komfortwerte für Sklerallinse

Die meisten Teilnehmer, die die Studie abgeschlossen hatten, trugen die Linsen regelmäßig. Beim dreimonatigen Besuch trugen 72,5% der Teilnehmer die Linsen mindestens acht Stunden pro Tag, und 83,9% trugen sie mindestens fünf Tage pro Woche. Ungefähr 90% der Teilnehmer gaben hohe Komfortbewertungen, was bedeutet, dass sie die Linsen entweder nur gelegentlich bemerkten oder sie gar nicht spürten. Rund 90% gaben zudem an, selten oder nie verschwommenes Sehen während des Tragens der Sklerallinse wahrgenommen zu haben.

Während der dreimonatigen Trägerzeit wurden keine signifikanten Nebenwirkungen gemeldet. Es wurden keine neuen Hornhautneovaskularisationen, Hornhautinfiltrationen oder Hornhautinfektionen beobachtet. Die Hornhautendothelzelldichte, der Augeninnendruck und die meisten Augenparameter zeigten über die dreimonatige Nachbeobachtung keine klinisch bedeutsamen negativen Veränderungen.

Limitationen der Studie zur Vier-Zonen-Sklerallinse

Die Ergebnisse, so schränken die Autoren ein, sollten jedoch innerhalb der Grenzen der Studie interpretiert werden. Dies sei eine einarmige Studie ohne Kontrollgruppe mit anderen Korrekturformen gewesen. Daher könne die Studie nicht feststellen, ob die Vier-Zonen-Sklerallinse anderen Korrekturoptionen überlegen sei. Die Nachbeobachtungszeit sei ebenfalls auf drei Monate begrenzt gewesen, was kurzfristige Schlussfolgerungen zulasse, aber keine langfristig gesicherten Aussagen begründe. Die Autoren weisen darauf hin, dass eine auf ein Jahr verlängerte Studie bereits begonnen worden sei.

Die Studiendaten legen den Forschern zufolge nahe, dass eine Vier-Zonen-Sklerallinse eine bedeutende kurzfristige Sehverbesserung und eine gute Toleranz für viele entsprechend ausgewählte Patienten bieten könne. Weitere Studien mit längerer Nachbeobachtung und vergleichenden Designs würden helfen, das langfristige Sicherheitsprofil und den Stellenwert der Sklerallinsen im visuellen Rehabilitationspfad für unregelmäßige Hornhäute zu klären.


Die Studie wurde laut Mitteilung von der Rayzon Medical Technology Co., Ltd. initiiert und finanziert. Die Autoren geben zudem an, dass der korrespondierende Autor, Qi Tan, der Direktor für klinische Forschung und Entwicklung dieses Unternehmen sei. Diese Offenlegung entkräfte die Ergebnisse zwar nicht, sei aber wichtig bei der Interpretation der Studie.