Je älter die Kinder, desto schwieriger wird die Therapie

Klinikdirektor Prof. Kai von Klitzing geht in den Ruhestand. (Foto: Stefan Straube / UKL)

Ende September ist Prof. Kai von Klitzing, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Leipzig, in den Ruhestand verabschiedet worden.

Vor 15 Jahren hatte Prof. Kai von Klitzing von der Schweiz nach Leipzig gewechselt. “Es war das Konzept des neuen Frauen- und Kinderzentrums in Leipzig, das mich anzog”, erklärt von Klitzling. “Während die Kinderpsychiatrie in anderen Klinika eher am Rande existiert, wurde sie hier mittenhinein in die Kindermedizin geplant. Das heißt: Egal, ob ein Kind mit Bauchschmerzen, mit einem Knochenbruch oder mit psychischen Problemen kommt – am Zentrum für Frauen- und Kindermedizin erhält es fachkompetente Hilfe, ohne Stigmatisierung fürchten zu müssen. Das war und ist ein weitsichtiger Entwurf der Universitätsmedizin Leipzig. Das hat für mich den Ausschlag gegeben.”

Noch heute gehe ihm das Leid von Kindern sehr nah, besonders derer, die aus Verhältnissen kommen, die ungenügende Voraussetzungen für eine gesunde seelische Entwicklung bieten. “In meiner Arbeit habe ich gelernt, dass man nicht die Welt retten kann, sondern auch mit dem Leiden von Kindern professionell umgehen muss, indem man die vorhandenen Ressourcen herausfindet und auf ihnen aufbaut.  Diese Einstellung versuche ich auch den jüngeren Kolleginnen und Kollegen zu vermitteln”, erklärt der scheidende Klinikdirektor.

Schon Säuglinge werden in der Klinik behandelt. “Wenn eine Mutter depressiv ist, bekommt das Kind kein Lächeln. Und wenn es schreit, wird es von der kranken Mutter nicht beruhigt. Einen solch negativen Kreislauf müssen wir so früh wie möglich diagnostizieren, denn eine solche Störung birgt hohe Risiken für die weitere Entwicklung des Kindes, ist aber gut behandelbar, wenn man nur frühzeitig den Säugling, die Mutter und möglichst auch den Vater in ein wirksames Behandlungskonzept einschließt “, so der Kinderpsychiater. “Gut ist, dass man bei sehr kleinen Kindern noch viel erreichen kann. Umso älter die Kinder, desto schwieriger wird die Therapie.”

Einen wirklichen Ruhestand plant von Klitzing bislang nicht. Zuerst wartet eine Gastprofessur an der Sapienza Universität Rom. Dann ist die Etablierung einer kleinen privaten Praxis in Leipzig geplant, die sich der Ausbildung von Psychotherapeuten widmet. Seine Forschungsprojekte an der Uni Leipzig – Studien zu Folgeerscheinungen von Kindesvernachlässigung und zur psychotherapeutischen Behandlung misshandelter Kinder – will er ebenfalls weiterführen.