Jedes zweite Kind mit 12 Jahren verfehlt die Bewegungsempfehlung der WHO

Sogar den Schulweg müssen viele Kinder nicht mehr selbst zurücklegen. Das führt zu Bewegungsmangel. (Foto: © Robert Kneschke – stock.adobe.com)

Während der Fußball-Weltmeisterschaft war sechs Wochen lang der Werbespot zur Kampagne „Be Active“ zu sehen. Darin riefen FIFA und WHO Kinder weltweit zu mindestens 60 Minuten täglicher Bewegung auf. Eine aktuelle Umfrage der ADAC Stiftung zeigt: In Deutschland verfehlt gut die Hälfte der Zwölfjährigen dieses Ziel.

Die 60-Minuten-Empfehlung der WHO gilt als Basis für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen: mindestens eine Stunde moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Tag. Wie stark diese Marke in Deutschland verfehlt wird, zeigt eine repräsentative Elternbefragung im Auftrag der ADAC Stiftung. Danach bewegen sich in Deutschland 51 Prozent der Zwölfjährigen weniger als 60 Minuten am Tag. Bei den Acht- bis Elfjährigen sind es 42 Prozent, bei den Fünf- bis Siebenjährigen 38 Prozent. Das bedeutet: Mit zunehmendem Alter nimmt die Bewegung deutlich ab. Während in der Gruppe der Fünf- bis Siebenjährigen noch 32 Prozent der Kinder mehr als 90 Minuten pro Tag aktiv sind, sind es bei den Zwölfjährigen nur noch 20 Prozent.

„Der Aufruf von FIFA und WHO trifft in Deutschland auf eine Realität, die nachdenklich macht“, erklärt Christina Tillmann, Vorständin der ADAC Stiftung. „Genau in dem Alter, in dem Kinder eigenständig zur Schule fahren, zum Sport radeln oder mit Freunden unterwegs sein könnten, bewegen sie sich merklich weniger.“

Kindern mehr Bewegung ermöglichen

Der Befund ist de Stiftung zufolge auch deshalb bemerkenswert, weil die Befragung Alltagsaktivitäten wie Gehen oder Radfahren ausdrücklich mitzählte. Der Anteil der Kinder, die die WHO-Empfehlung im engeren Sinne – nämlich mindestens 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung pro Tag – verfehlen, dürfte damit noch höher liegen.

Die ADAC Stiftung sieht in den Ergebnissen einen doppelten Auftrag. Zum einen an Schulen und Kommunen, mehr Bewegung im Alltag der Kinder zu fördern. Dazu gehört auch ein sicherer Schulweg, der Radfahren und Zufußgehen wieder zur Selbstverständlichkeit macht. Zum anderen an Eltern, ihre Kinder zu eigenständiger Bewegung zu motivieren. „Die 60-Minuten-Empfehlung ist nicht ambitioniert, sie ist das Minimum für ein gesundes Aufwachsen“, so Tillmann.

Mit verschiedenen bundesweiten Programmen unterstützt die ADAC Stiftung selbst auch Kinder dabei, sich sicher und selbstständig im Straßenverkehr zu bewegen. Damit schafft sie eine der Voraussetzungen, dass Kinder ihren Schulweg und Alltag wieder aktiv gestalten können. Im Jahr 2025 erreichten die Programme laut der Stiftung mehr als 590.000 Kinder und Jugendliche.  

Über die Befragung:
Grundlage der Ergebnisse ist eine Onlinebefragung von 1000 Eltern in Deutschland, deren Kinder im Alter zwischen fünf und 15 Jahren sind. Die Befragung wurde von komma Forschungs- und Beratungsgesellschaft mbH vom 22. Juni bis 2. Juli 2026 durchgeführt. Die zugrundeliegende Frage lautete: „Wie viele Minuten bewegt sich Ihr Kind im Durchschnitt pro Tag? (z. B. körperliche Aktivitäten wie Gehen oder Radfahren, ebenso wie Sport)“. Damit ist die Erfassung breiter angelegt als die WHO-Definition, die ausdrücklich mindestens 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung pro Tag empfiehlt.