Junge Krebsüberlebende altern schneller8. Januar 2026 Foto: © New Africa – stock.adobe.com Jugendliche und junge Erwachsene, die Krebs überlebt haben, altern schneller als ihre Altersgenossen, die nicht an Krebs erkrankt waren. Dies geht aus einer neuen Studie in „Nature Communications“ hervor. Diese beschleunigte Alterung findet sowohl auf zellulärer Ebene als auch in der Gehirnfunktion statt. Doch die Forschergruppe unter der Leitung von AnnaLynn Williams vom Wilmot Cancer Institute der Universität Rochester und dem Kevin Krull vom St. Jude Children’s Research Hospital (beide USA) hat auch gute Nachrichten: Die Betroffenen könnten die beschleunigte Alterung möglicherweise umkehren, indem sie mit dem Rauchen aufhören, Sport treiben, sich besser ernähren und andere Veränderungen in Richtung eines gesunden Lebensstils vornehmen, erklärte Williams. Defizite in der Gehirngesundheit erschweren das spätere Leben Viele Krebsüberlebende, die als Kinder oder junge Erwachsene behandelt wurden, versuchten, ihre Ausbildung abzuschließen, eine Karriere aufzubauen, unabhängig zu werden oder eine Familie zu gründen. Defizite in der Gehirngesundheit könnten dies jedoch erschweren. „Aus diesem Grund sehen wir, dass viele Überlebende schlechtere Bildungs- und Beschäftigungsergebnisse erzielen als ihre Geschwister“, erklärte Williams, die selbst eine frühe Krebserkrankung überlebt hat. Die aktuelle Studie ist Teil eines Forschungsprogramms zur Behandlung von Symptombelastungen bei Überlebenden. Bei den rund 1400 Patienten in der St. Jude-Studiengruppe lag die Behandlung mindestens fünf Jahre zurück, bei einigen sogar schon Jahrzehnte. Die Mehrheit hatte an Akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) oder Hodgkin-Lymphom gelitten. Epigenetische Alterung beeinträchtigt die Kognition Für die Untersuchung absolvierten die 1413 Studienteilnehmer eine neuropsychologische Testbatterie. Zudem bestimmten die Forschenden bei ihnen die mittlere Leukozyten-Telomerlänge (mLTL) und die epigenetische Altersbeschleunigung (EAA) aus fünf verschiedenen epigenetischen Uhren. Dabei zeigte sich, dass dei Überlebenden, die mit einer auf das Zentrale Nervensystem (ZNS) gerichteten Therapie behandelt worden waren, eine höhere EAA, gemessen mit PCGrimAge oder DunedinPACE, mit schlechteren Leistungen bei der Aufmerksamkeit, der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der exekutiven Funktionen verbunden (p<0,05) war. Bei den nicht mit einer ZNS-gerichteten Therapie behandelten Überlebenden waren die Ergebnisse für PCGrimAge ähnlich, DunedinPACE war speziell mit einer Variabilität der Aufmerksamkeit assoziiert (p<0,05). Die mLTL stand hingegen nicht mit der Neurokognition in Zusammenhang. Chemotherapie lässt am stärksten altern Insgesamt zeigten die Forschunsergebnisse, dass die Überlebenden auf zellulärer/biologischer Ebene schneller alterten, unabhängig davon, welche Behandlung sie als Kinder erhalten hatten. Allerdings deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass Chemotherapie den Alterungsprozess am stärksten beschleunigte. Das Team entdeckte außerdem, dass die Zellalterung eng mit der Gehirnfunktion verbunden war. So hatten Überlebende mit einem höheren biologischen Alter (im Vergleich zu ihrem chronologischen Alter) die größten Probleme mit dem Gedächtnis und der Aufmerksamkeit. Wann ist der beste Zeitpunkt für Gegenmaßnahmen? Der nächste Schritt der Forschenden besteht nun darin, den idealen Zeitpunkt für eine Intervention zu bestimmen. Andere Forscher von Wilmot führen ähnliche Untersuchungen bei Frauen mit Brustkrebs und bei älteren Erwachsenen mit Leukämie durch, mit dem Ziel, den Alterungsprozess umzukehren. In einer Studie konnten sie bereits zeigen, wie wertvoll Bewegung ist, um die mit Krebs verbundene Alterung umzukehren.
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