Kann emotionaler Stress einen erneuten Herzinfarkt auslösen?24. März 2020 Foto: © WavebreakmediaMicro/Adobe Stock Finanzielle Probleme, Arbeitsdruck, Beziehungsprobleme, Krankheiten oder sogar Naturkatastrophen oder gesundheitliche Krisen wie aktuell im Zuge der COVID-19-Pandemie – jeder hat Erfahrungen mit Stress. Für Personen, die einmal einen Herzinfarkt erlitten haben, scheint psychischer Stress– im Gegensatz zu physischem Stress – ein stärkerer Prädiktor für einen erneuten Herzinfarkt oder Mortalität im Zusammenhang mit Herzerkrankungen zu sein. Dies geht aus Untersuchungen hervor, die anlässlich der Annual Scientific Session des American College of Cardiology zusammen mit dem World Congress of Cardiology (ACC.20/WCC) vorgestellt werden. Der Kongress wird vom 28. bis 30. März virtuell stattfinden. Traditionelle Stresstests unter Verwendung eines Laufbandes oder von Medikamenten werden seit Langem verwendet, um den Blutfluss zum Herzen zu überprüfen und das Risiko für Herzproblemen zu ermitteln. Forscher der Emory University wollten nun untersuchen, ob eine durch psychischen Stress induzierte Myokardischämie mit schlechten Outcomes bei Herzinfarkt-Überlebenden verbunden ist und wie diese Art von Stresstest mit konventionellem, durch physische Belastung hervorgerufenem Stress vergleichbar ist. Unter mehr als 300 jungen Personen und solchen mittleren Alters, die an der Studie teilnahmen, hatten diejenigen, die bei psychischem Stress eine Myokardischämie erlitten hatten, eine zweifach höhere Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Herzinfarkt oder für Tod aufgrund einer Herzerkrankung als diejenigen, bei denen nicht durch mentalen Stress eine Herzischämie hervorgerufen wurde. „In unserer Studie war die durch psychischen Stress hervorgerufene Myokardischämie ein besserer Risikoindikator als das, was wir mit herkömmlichen Stresstests beobachten konnten“, berichtet Dr. Viola Vaccarino von der Emory University Rollins School of Public Health in Atlanta (USA), Hauptautorin der Studie. Sie fügt hinzu, dass es sich hier um die einzige Studie dieser Art in einer solchen Population relativ junger erwachsener Herzinfarkt-Überlebender handele. „Diese Daten weisen auf die bedeutsamen Auswirkungen hin, die psychischer Stress auf das Herz und die Prognose von Patienten mit Herzerkrankungen haben kann. Sie geben uns einen konkreten Beweis dafür, wie sich psychischer Stress, der in den aktuellen klinischen Richtlinien nicht ausdrücklich genannt wird, tatsächlich auf die Outcomes auswirken kann.“ Die Forscherin ergänzt, dass die Berücksichtigung von psychischem Stress der Patienten Medizinern helfen könnte, das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt oder für Tod bei einigen Herzinfarkt-Überlebenden besser einzuschätzen. Nach ihrer Meinung unterstreichen diese Ergebnisse auch die Notwendigkeit von Strategien, mit denen sich optimale Maßnahmen zur Stressbewältigung für diese Patienten ermitteln lassen. Die Forscher untersuchten 306 Erwachsene im Alter von 61 Jahren oder jünger (durchschnittlich 50 Jahre und zwischen 22 und 61 Jahren), die in den vorangegangen acht Monaten wegen eines Herzinfarktes stationär behandelt worden waren. Die Teilnehmer wurden im Großraum Atlanta rekrutiert und repräsentierten eine recht heterogene Gruppe von Patienten. Die Hälfte waren Frauen und 65 Prozent Afroamerikaner. Alle Teilnehmer wurden zwei Arten von Stresstests unterzogen, um den Blutfluss zum Herzen zu untersuchen: psychische Stresstests (Provokation von Stress durch das Halten eines emotionalen Vortrages vor einem einschüchternden, offenbar desinteressierten Publikum, gefolgt von einer Perfusionsbildgebung des Myokards) und konventionelle Stresstests (pharmakologisch oder körperliche Aktivität). Die Patienten wurden für einen Median von drei Jahren in Bezug auf den primären Endpunkt beobachtet, der eine Kombination aus entweder dem Auftreten eines erneuten Herzinfarktes oder den Tod aufgrund kardiovaskulärer Ursachen umfasste. Diese wurden durch eine unabhängige Überprüfung der Krankenakten und Prüfung der Sterbeurkunden beurteilt. Eine Ischämie wurde als eine neu auftretende oder sich verschlechternde Störung des Blutflusses zum Herzen definiert und unter Verwendung der Nuklearbildgebung beurteilt. Insgesamt trat bei 16 Prozent der Patienten eine durch psychischen Stress induzierte Myokardischämie und bei 35 Prozent eine konventionelle Ischämie auf. Dies deutet laut den Studienautoren darauf hin, dass eine herkömmliche Ischämie aufgrund von körperlicher Aktivität oder medikamenteninduziertem Stress häufiger auftritt. Über einen Zeitraum von drei Jahren erlitten zehn Prozent der Patienten (28 Personen) einen weiteren Herzinfarkt, und zwei verstarben an Herzproblemen. Die Inzidenz von Herzinfarkt oder kardiovaskulärem Tod war bei Patienten mit durch psychischen Stress induzierter Ischämie mehr als doppelt so hoch wie bei Patienten ohne Ischämie durch psychischen Stress. Letztere trat bei zehn (20%) beziehungsweise 20 (8%) Patienten auf. Der Zusammenhang zwischen akutem psychischen Stress und Herzinfarkt oder Tod blieb auch nach Bereinigung um klinische Risikofaktoren und Symptome einer Depression bestehen. Im Gegensatz dazu war die konventionelle Stress-Ischämie nicht signifikant mit dem primären Endpunkt assoziiert. „Patienten, die bei psychischem Stress eine Ischämie entwickelten, besaßen ein mehr als doppelt so hohes Risiko für einen erneuten Herzinfarkt oder Tod durch eine Herzerkrankung als Patienten, die bei psychischem Stress keine Ischämie entwickelten“, fasst Vaccarino zusammen. „Dies bedeutet, dass die Neigung zu einer Verringerung des Blutflusses zum Herzen bei akutem psychischen Stress ein erhebliches zukünftiges Risiko für diese Patienten darstellt.“ „Dies bedeutet, dass die Neigung zu einer Verringerung des Blutflusses zum Herzen bei akutem psychischen Stress für diese Patietenten ein erhebliches Risiko für die Zukunft darstellt.“ Eine solche Verringerung des Blutflusses, wenn sie im wirklichen Leben auftritt, könne einen Herzinfarkt oder ernsthafte Herzrhythmusstörungen auslösen, erinnert die Forscherin. Ein weiterer interessanter Befund ist laut Vaccarino, dass Ischämie bei psychischem Stress und bei konventionellem Stress in keinem engen Zusammenhang stand. Das lasse vermuten, dass hier verschiedene Kanäle zum Tragen kommen. „Dies deutet darauf hin, dass durch Emotionen hervorgerufener Stress im Vergleich zu körperlichem Stress einen ausgeprägten Risikomechanismus für Herzkrankheiten und deren Komplikationen aufweist“, stellt Vaccarino klar. Die Arbeitsgruppe plant nun, an einer größeren Anzahl von Patienten und mit einer längeren Nachbeobachtungszeit weiter zu diesem Thema zu forschen. Dabei wollen sie ermitteln, ob es bestimmte Untergruppen von Patienten gibt, bei denen das Risiko schlechter Outcomes besonders hoch ist, wenn sie aufgrund von psychischem Stress eine Ischämie entwickeln. Aufgrund der relativ geringen Stichprobengröße konnten die Wissenschaftler in der aktuellen Studie nicht feststellen, ob sich dieses Risiko beispielsweise nach Geschlecht oder Abstammung unterscheidet oder ob frühere Expositionen gegenüber sozialen Stressfaktoren oder Traumata eine Rolle spielen. Darüber hinaus planen die Forscher zu untersuchen, ob eine durch psychischen Stress im Labor hervorgerufene Myokardischämie verstärkte physiologische Reaktionen auf Stress im wirklichen Leben widerspiegelt.
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