Kardiales Risiko bis zu drei Jahre nach COVID-19-Erkrankung erhöht15. Oktober 2024 Symbolfoto: ©Ralf Geithe/stock.adobe.com Nach einer COVID-19-Erkrankung verdoppelt sich das Risiko für ein schweres kardiales Ereignis wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod für bis zu drei Jahre, zeigt eine aktuelle Erhebung von Daten der UK Biobank. Neben der Schwere der Erkrankung scheint dabei die Blutgruppe ein entscheidender Risikomodulator zu sein. Für die in der Zeitschrift „Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology“ veröffentlichte Studie nutzten Forscher unter Leitung der Cleveland Clinic und der University of Southern California (USC, USA) die Daten der UK Biobank. In ihre Analyse inkludierten sie 10.005 Personen, die sich zwischen Februar und Dezember 2020 mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, und 217.730 Personen der Allgemeinbevölkerung sowie 38.860 Propensity-Score-angepasste Kontrollen, die sich nicht infiziert hatten. Ihren Erkenntnissen zufolge kann eine zurückliegende COVID-19-Erkrankung das Risiko eines schwerwiegenden unerwünschten kardialen Ereignisses (MACE; einschließlich Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtsterblichkeit) verdoppeln – und zwar bei allen Schweregraden der Erkrankung. Das Risiko war bei Patienten, die wegen COVID-19 in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, jedoch deutlich höher und stärker ausschlaggebend als eine Vorgeschichte von Herzerkrankungen. Zusammenhang zwischen Blutgruppe und MACE-Risiko In der Vergangenheit wurden bereits bestimmte genetische Varianten mit koronarer Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und COVID-19 in Verbindung gebracht. Um festzustellen, ob eine dieser bekannten genetischen Varianten zu einem erhöhten Risiko für KHK nach COVID-19 beiträgt, führten die Forscher eine genetische Analyse durch. Ihren Ergebnissen zufolge war jedoch keine der bekannten genetischen Varianten für die erhöhten kardiovaskulären Ereignisse verantwortlich, die nach COVID-19 beobachtet wurden. Stattdessen wiesen die Daten auf einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Risiko und Blutgruppe hin. So hatten Personen mit den Blutgruppen A, B oder AB ein doppelt so hohes Risiko, nach COVID-19 ein MACE zu erleiden, als Personen mit der Blutgruppe 0. Frühere Forschungen hatten bereits gezeigt, dass Menschen mit den Blutgruppen A, B oder AB auch anfälliger für COVID-19 waren. „Unsere Daten, die darauf hindeuten, dass das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle bei COVID-19-Patienten mit den Blutgruppen A, B oder AB besonders hoch ist, haben erhebliche klinische Auswirkungen“, betont Studienautor Dr. Hooman Allayee von der USC’s Keck School of Medicine. „Angesichts unserer kollektiven Beobachtungen und der Tatsache, dass 60 Prozent der Weltbevölkerung diese Nicht-0-Blutgruppen haben, wirft unsere Studie wichtige Fragen darüber auf, ob aggressivere Maßnahmen zur Verringerung des kardiovaskulären Risikos in Betracht gezogen werden sollten, möglicherweise unter Berücksichtigung der genetischen Veranlagung einer Person.“ „Die durch unsere Forschung aufgedeckte Assoziation deutet auf eine mögliche Interaktion zwischen dem Virus und dem Teil unseres genetischen Codes hin, der die Blutgruppe bestimmt, und signalisiert die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen“, meint auch Dr. Stanley Hazen, Co-Studienautor und Vorsitzender der Abteilung für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselwissenschaften am Lerner Research Institute der Cleveland Clinic. „Ein besseres Verständnis dessen, was COVID-19 auf molekularer Ebene bewirkt, könnte uns möglicherweise Aufschluss über Wege geben, die mit dem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind.“ COVID-19-Anamnese bei der kardiovaskulären Risikoanalyse beachten „Weltweit haben sich bereits über eine Milliarde Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert. Bei den berichteten Ergebnissen handelt es sich nicht um einen kleinen Effekt in einer kleinen Untergruppe“, ordnet Hazen ein. „Die Ergebnisse deuten auf eine Erkenntnis von globaler Bedeutung für die Gesundheitsversorgung hin, die sich in einem weltweiten Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen niederschlagen dürfte.“ Er hebt hervor: „Diese Ergebnisse zeigen, dass COVID-19, obwohl es sich um eine Infektion der oberen Atemwege handelt, eine Vielzahl von gesundheitlichen Auswirkungen hat und unterstreichen, dass wir eine frühere COVID-19-Erkrankung bei der Formulierung von Plänen und Zielen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen berücksichtigen sollten.“
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