Kardiovaskuläre Toxizität bei älteren, bestrahlten Patienten mit NSCLC im Frühstadium: Kein Unterschied nach Tumorlateralität bei Stereotaktischer Strahlentherapie

NEW YORK (Biermann) – Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe hat sich jüngst mit der Frage beschäftigt, ob sich Patienten mit Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im Frühstadium, die entweder mittels Stereotaktischer Strahlentherapie (SBRT) oder einer 3-dimensionalen konformalen Strahlentherapie (3DCRT) plus intensitätsmodulierter Strahlentherapie (IMRT) behandelt werden, je nach Tumorlateralität hinsichtlich ihres langfristigen Risikos für kardiovaskulärer Folgen voneinander unterscheiden.

Da die SBRT immer mehr Anwendung finde, sei es wichtig, unvorhergesehene kardiovaskuläre Risiken im Zusammenhang mit der Behandlung abzugrenzen, erklären die Wissenschaftler.

Laut den Ergebnissen der Forschenden zeigen Patienten mit links- und rechtsseitigem NSCLC im Frühstadium ähnliche Raten kardiovaskulärer Ereignisse, wenn sie mittels SBRT behandelt wurden. Allerdings ergaben sich für diese Patienten auch höhere Raten ausgewählter kardialer Ereignisse, wenn sie eine Therapie mit 3DCRT plus IMRT erhielten. Ihre Studie liefere Hinweise darauf, dass die SBRT für Patienten mit linksseitigem NSCLC im Frühstadium im Vergleich zur 3DCRT plus IMRT eine sicherere Option darstellen könne, formuliert die Arbeitsgruppe. Die Forschenden unterstreichen auch die Notwendigkeit einer langfristigen Nachsorge bei Patienten, die mit einer Strahlentherapie behandelt worden sind.

Die Wissenschaftler hatten mit Medicare verknüpfte Daten aus dem SEER-Register (Surveillance, Epidemiology, and End Results) ausgewertet, um eine Stichprobe von 3256 Patienten (SBRT: n=1506; 3DCRT plus IMRT: n=1750) mit Lymphknoten-negativem NSCLC im Stadium I oder IIA zu identifizieren. Kardiovaskuläre Ereignisse ermittelten die Studienautoren anhand ­entsprechender Diagnose-Codes.
Anschließend verglichen die Wissenschaftler die Outcomes der Patien­ten mit links- bzw. rechts­seitigen Tumoren. Sie nahmen dabei u. a. an, dass das Bestrahlungsfeld für linksseitige Tumore wahrscheinlich zu einer größeren auf das Herzgewebe wirkenden Strahlendosis führen würde. Cox-Regressions­modelle wurden adjustiert, um den Zusammenhang zwischen Latera­lität von Tumoren und Outcomes zu quantifizieren.

Die Arbeitsgruppe beobachtete die Patienten für einen medianen Zeitraum von 2 Jahren. Die mit SBRT behandelten Patienten zeigten keinen Unterschied nach Tumor­lateralität in Bezug auf das Risiko für kardiovaskuläre Folgen auf, einschließlich des kardiovaskulären Komposits (HR beim Vergleich von links- vs. rechtsseitigen Tumoren 0,98; 95%-KI 0,84–1,15). Im Gegensatz dazu zeigten Patienten, deren Therapie in 3DCRT plus IMRT bestand, ein größeres Risiko für kongestive Herzinsuffizienz (HR 1,23; 95 %-KI 1,01–1,48) und eine perkutane koronare Intervention (HR 2,24; 95 %-KI 1,12–4,47). (ac)

Autoren: Liu BY et al.
Korrespondenz: Keith Sigel; [email protected]
Studie: Risk of Cardiovascular Toxicity According to Tumor Laterality Among Older Patients With Early Stage Non-small Cell Lung Cancer Treated With Radiation Therapy
Quelle: Chest 2022;161(6):1666–1674.
doi: 10.1016/j.chest.2021.12.667