Karrierewege in der ambulanten Versorgung: Von der Anstellung zur Niederlassung21. September 2026 Foto: HNFOTO/stock.adobe.com Rund 20.000 ambulant Angestellte können sich eigene Niederlassung vorstellen, so eine Umfrage des Zentralinstitutes für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) zu Karrierewegen in der ambulanten Versorgung. Die ambulante Anstellung ist für viele kein Gegenmodell zur eigenen Praxis. Sie dient häufig als Orientierungs- oder Vorbereitungsphase für eine spätere Niederlassung. Überträgt man die gewichteten Befragungsanteile auf die Grundgesamtheit von rund 55.000 ambulant Angestellten, ergeben sich rechnerisch etwa 8000 Personen mit konkreter Niederlassungsabsicht. Weitere rund 12.000 schließen diesen Schritt zum Befragungszeitpunkt nicht aus. Jüngere ziehen eine Niederlassung am ehesten in Betracht Unter den bis 49-Jährigen sind es rund 7000 Niederlassungswillige und etwa 10.000 Unentschlossene. Insgesamt bejahen 14,8 Prozent der Befragten eine spätere Niederlassung, 21,8 Prozent sind noch unentschlossen. Besonders hoch ist die Bereitschaft in jüngeren Altersgruppen: Von den unter 35-Jährigen planen 39,8 Prozent eine Niederlassung, weitere 45,4 Prozent sind unentschlossen. Auch bei den 35- bis 39-Jährigen bejaht knapp ein Drittel (31,5 %) die Frage. Mit zunehmendem Alter sinkt die Absicht zur Niederlassung deutlich. Noch aussagekräftiger ist die Selbsteinordnung der Befragten: 14,4 Prozent verstehen ihre Anstellung als Übergang in die Niederlassung, 15,8 Prozent als Phase beruflicher Orientierung. Unter denjenigen, die ihre Anstellung ausdrücklich als Übergang zur eigenen Praxis beschreiben, haben 73,4 Prozent konkrete Niederlassungspläne; weitere 25 Prozent sind noch unentschlossen. Bereitschaft zur Niederlassung, Zufriedenheit, Beratungsangebote Das sind zentralen Ergebnisse einer bundesweiten Angestelltenbefragung des Zi. Die Autoren hatten von Ende Januar bis Ende April 2025 mehr als 3200 angestellte Ärzte und Psychotherapeuten zu ihrer aktuellen beruflichen Situation, aber auch zu ihren Optionen für Karrieren in der ambulanten Versorgung und Zukunftsplänen befragt. Gefragt wurde unter anderem nach der Bereitschaft zur Niederlassung, der Zufriedenheit mit der aktuellen Tätigkeit sowie nach Erfahrungen mit verschiedenen Informations- und Beratungsangeboten. Die Befragung ist Teil einer Zi-Studie zur ärztlichen und psychotherapeutischen Karrierewahl und Existenzgründung (KWEX). Sie ergänzt die 2024 ausgewertete Befragung von Neu-Niedergelassenen. Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild „Die Debatte über Anstellung und Niederlassung wird häufig als Entweder-oder geführt. Unsere Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Für viele in der ärztlichen oder psychotherapeutischen Versorgung Tätige ist die ambulante Anstellung ein wichtiger Teil des Weges in die eigene Praxis. Dieses Potenzial sollten wir gezielt erschließen – mit weniger Bürokratie, verlässlichen Rahmenbedingungen und gezielter Unterstützung, die zur jeweiligen Lebens- und Karrierephase passt“, fasste der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried die Ergebnisse zusammen. Ergänzend wies Stillfried darauf hin, dass die Befragungsergebnisse aus der Zeit vor Beschluss und Inkrafttreten des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes stammten: „Für die Praxen und insbesondere für diejenigen, die sich mit Plänen zur Niederlassung befassen, ist die Kontinuität der Rahmenbedingungen wichtig. Greift der Gesetzgeber mit Steuerungsimpulsen im Sinne politisch gewünschter Leistungen ein und ändert die Voraussetzungen dann kurzfristig mit Einbußen für die Praxen, führt dies zu Vertrauensverlust bei den Praxen. Dies kann die Niederlassungsbereitschaft deutlich beeinträchtigen.“ Viele sehen Zeit- und Energieaufwand für Bürokratie kritisch Die Befunde schließen an die Ergebnisse des Zi-Praxis-Panels 2023 an: Bei rund einem Drittel der bereits konkret geplanten Praxisübergaben sollte die Praxis durch ambulant Angestellte übernommen werden – überwiegend durch Personen, die dort bereits tätig waren. Neben potenziellen Praxisübernehmenden sind deshalb auch Praxisinhaber wichtige Adressaten von Maßnahmen zur Sicherung der Praxisnachfolge. Die Befragten bewerten patientennahe und fachliche Aspekte ihrer Tätigkeit überwiegend positiv. Besonders zufrieden sind sie mit der Beziehung zu den Patienten, der erfahrenen Wertschätzung sowie der Möglichkeit, medizinische oder psychotherapeutische Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Auch Planbarkeit und Gestaltung der Arbeitszeit schneiden gut ab. Kritischer beurteilt werden hingegen der Zeit- und Energieaufwand für Verwaltungsaufgaben sowie die verfügbare Zeit für die eigentliche Patientenbehandlung. Hürden auf dem Weg zur eigenen Praxis Reduzierte vertragliche Stundenumfänge sind weit verbreitet: 64,4 Prozent haben höchstens 30 Wochenstunden vereinbart, 53,5 Prozent höchstens 20 Stunden. Tatsächlich arbeiten die Befragten im Mittel jedoch rund drei Stunden pro Woche länger als vertraglich vorgesehen. Zudem üben 35,5 Prozent mindestens eine weitere Erwerbstätigkeit aus; von ihnen sind 46,7 Prozent zusätzlich in einer Klinik beschäftigt, 18,7 Prozent in der Lehre. Teilzeitquoten allein bilden den tatsächlichen Arbeitseinsatz daher nur unvollständig ab. Die größten Hürden auf dem Weg in die eigene Praxis sehen die Befragten außerhalb der medizinischen und psychotherapeutischen Tätigkeit. Besonders häufig genannt werden administrativer Aufwand, zeitliche Planung und Organisation, fehlendes betriebswirtschaftliches Vorwissen, Finanzierung, Zulassungsverfahren und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Scheitern an der Sorge vor Bürokratie „Wer sich eine Niederlassung grundsätzlich vorstellen kann, scheitert oft nicht an der Versorgungsidee, sondern an der Sorge vor Bürokratie, wirtschaftlichen Risiken und organisatorischer Überforderung. Gerade Unentschlossene brauchen deshalb frühzeitige, niedrigschwellige und sehr konkrete Hilfen – von Finanzierung und Zulassung über Abrechnung und Personalführung bis zur Vereinbarkeit mit Familie und Privatleben“, so von Stillfried. Die Informations- und Beratungsangebote der Kassenärztlichen Vereinigungen sind unter den abgefragten Angeboten sehr häufig bekannt und werden stark genutzt. Der Bericht legt nahe, diese Angebote noch stärker am jeweiligen Entscheidungsstand auszurichten: Unentschlossene benötigen zunächst Orientierung zu Chancen, Risiken und realistischen Niederlassungsformen, während Personen mit konkreten Plänen vor allem praktische Unterstützung bei Finanzierung, Praxismanagement, Abrechnung, Steuerfragen, regulatorischen Anforderungen und Digitalisierung brauchen. Das könnte Sie auch interessieren: Virchowbund: Praxisberatung für Ärzte mit wirtschaftlichen Vergleichsdaten Zi-Studie: Ambulante Versorgung wird häufiger genutzt als bislang messbar
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